Lenzburg
Fünf Jahre Haft für uneinsichtigen Internetbetrüger

Das Bezirksgericht Lenzburg verurteilt einen Betrüger zu fünf Jahren unbedingter Haft. Der 41-Jährige stand schon 2009 wegen Betruges vor Gericht. Gelernt hat er im Gefängnis nichts: Kurz nach seiner vorzeitigen Entlassung wurde er wieder straffällig.

Elia Diehl
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Bezirksgericht Lenzburg: Angeklagter Wiederholungstäter erwies sich als therapieresistent und unbelehrbar.

Bezirksgericht Lenzburg: Angeklagter Wiederholungstäter erwies sich als therapieresistent und unbelehrbar.

Elia Diehl

Die Befragung zu Verhandlungsbeginn bringt ihn nicht aus der Ruhe. Emotionslos und wortkarg beantwortet der 41-jährige Angeklagte die Fragen von Gerichtspräsident Daniel Aeschbach. Dabei wirkt er teilnahmslos.

Ist es Desinteresse? Oder sogar Routine? Denn der Zürcher hat schon so einiges auf dem Kerbholz. Seit 1997 ist er fast ununterbrochen auf der schiefen Bahn. Mehrfach stand er vor Gericht, die Liste seiner Vorstrafen ist ellenlang.

So sass er am Donnerstag einmal mehr auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft und 25 Privatkläger beschuldigten ihn gleich deren sechs Straftatbestände: Betrug, Geldwäscherei, Veruntreuung, Drogenkonsum, Urkundenfälschung sowie Vernachlässigung von Unterhaltspflichten.

In fünf Punkten sprach das Gericht den vierfachen Vater schuldig. Das Urteil: 5 Jahre unbedingte Haft, 1200 Franken Geldstrafe, eine Busse von 400 Franken. Zudem muss er zivilrechtliche Forderungen von rund 11 500 Franken bezahlen.

Einzig vom Vorwurf der Veruntreuung sprach das Gericht den Mann frei – «in dubio pro reo», im Zweifel für den Angeklagten.

Bereits im 2009 war der Angeklagte in Baden wegen Betrugs zu 4 1/2 Jahren Haft verurteilt worden. Der Gesamtschaden betrug mehr als eine Million Franken.

Gelernt hat er daraus wenig: Nur vier Wochen nach seiner vorzeitigen und bedingten Haftentlassung im August 2010 fuhr er mit seinen Machenschaften fort. Er ertrog sich innert rund sieben Monaten über 20 000 Franken.

So schaltete der mehrfach Vorbestrafte beispielsweise auf einer Internetseite 29 gefälschte Inserate. Er kassierte jeweils eine Vorauszahlung, ohne aber die angebotene Ware je zu liefern.

Das von den Online-Käufern auf verschiedene Bankkonti einbezahlte Geld hob er jeweils sofort ab. Damit habe er Rückverfolgung und Einzug der ertrogenen Gelder verhindert und sich der Geldwäscherei schuldig gemacht, führte das Gericht aus.

Weiter verkaufte er online bestellte und nicht bezahlte Elektronikgeräte am Zürcher Hauptbahnhof.

Seiner Ex-Frau und den drei gemeinsamen Kindern blieb der Wiederholungstäter zudem neun Monate lang Unterhaltsbeiträge von rund 22 000 Franken schuldig. Stattdessen gab der seit mehr als acht Jahren Arbeitslose das Geld unter anderem für Kokain aus.

Das Bezirksgericht Lenzburg war mit Staatsanwältin Christina Zumsteg einig, die dem Angeklagten vorwarf, sich nie um eine geregelte und legale Arbeit bemüht zu haben – trotz genügender Intelligenz und guten Voraussetzungen für den Arbeitsmarkt.

Gerichtspräsident Daniel Aeschbach warf dem Dauerarbeitslosen, der zwei Berufslehren abgebrochen hatte, zudem vor, er sei arbeitsscheu. «Das würde ich so nicht sagen», entgegnete dieser uneinsichtig, «ich bin höchstens etwas faul.»

Die akute Wiederholungsgefahr und der Verstoss gegen die Bewährungsauflagen gaben Anlass für eine unbedingte Haftstrafe, so das Bezirksgericht. Der 41-Jährige habe nie Reue oder Einsicht gezeigt und sich unbeirrt, skrupellos und egoistisch bereichert.

Er habe sich therapieresistent erwiesen, sagte Daniel Aeschbach. Dass er sich im März 2011 selbst angezeigt habe, verkomme zu einer Farce, da er danach weiter straffällig wurde. Es ändere also nichts.

Seit der Festnahme im Mai 2011 sitzt der nun Verurteilte im Gefängnis. Diese Haftdauer wird der jetzt ausgesprochenen Gesamtstrafe von fünf Jahren angerechnet. Er wird also in gut drei Jahren auf freien Fuss gesetzt. Danach muss der hoch verschuldete Mann eine vierjährige Bewährungszeit überstehen – sonst landet er wieder im Gefängnis.

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