Steigender Wohlstand führt zu mehr Abfall: In der Schweiz fallen jährlich pro Kopf über 700 Kilogramm an. Wohl kaum verwunderlich, dass das Geschäft mit dem Müll boomt. Die Betreiber von Entsorgungssammelstellen stellen das Abfallentsorgen aber nicht als lästige Pflicht dar: Müll wegschaffen soll Spass machen. «Recycling-Paradiese» nennt zum Beispiel Jungunternehmerin und SVP-Grossrätin Karin Bertschi ihre Sammelstellen in Reinach und Hunzenschwil.

Bei der Bausort AG, einer Tochtergesellschaft des Lenzburger Transportunternehmens Häfeli AG (separater Text unten), heisst sie Bausort Recycling-Oase. Seit 1991 bereits am Standort Hunzenschwil vertreten, wird in der Industrie Lenzhard an der Gemeindegrenze zu Lenzburg in den kommenden gut anderthalb Jahren eine neue Recycling-Anlage gebaut. Fünf Millionen Franken investiert Bauherrin Kimob AG, Lenzburg, in den Neubau auf einer Fläche von rund 12'000 Quadratmetern.

Die Halle ist das Herzstück der neuen Entsorgungsanlage. Visualisierung

Die Halle ist das Herzstück der neuen Entsorgungsanlage. Visualisierung

Gestern Morgen war Startschuss für die Recycling-Oase. Zusammen mit den am Bau Beteiligten, Vertretern der Gemeinden Niederlenz und Lenzburg und den künftigen Nachbarn Hülsenfabrik Lenzhard und Symalit AG rammte die Bauherrschaft die ersten Schaufeln in den Boden. Und weil es der bisher kälteste Tag im Jahr war und die Schaufeln im tiefgefrorenen Grund wohl steckengeblieben wären, hatte man vorsorglicherweise gebuddelt und etwas weiche Erde vorbereitet – für das Erinnerungsfoto.

Achtzig Prozent Bauschutt

«Die Recycling-Oase in Niederlenz wird wie die bisherige Anlage in Hunzenschwil als Bausperrgut-Sortieranlage, Bauschutt-Recyclinganlage und gleichzeitig als Recycling-Sammelstelle für Private und Gewerbe geführt», erklärte Projektleiter Marcel Amsler, der den Familienbetrieb mit seiner Frau Ursula Amsler-Müller führt.

In der neuen Sammelstelle in der Industrie Lenzhard sollen dereinst 55'000 bis 65'000 Kubikmeter Material bearbeitet werden. Mit rund 80 Prozent wird der gewerbliche Anteil weiterhin den Hauptharst ausmachen. 20 Prozent entfallen auf die private Entsorgung. Herzstück der Anlage der Architekten Lüthi und Schneiter aus Aarau ist eine ungeheizte, durchlüftete Halle. Hier wird das angelieferte Material mit einem Bagger sortiert.

Entlang der überdachten Hallenfassade können nach Inbetriebnahme auf einer Länge von 40 Metern rund 25 Materialien gratis eingeworfen werden: zum Beispiel Papier, Karton, Glas, Metalle, Elektroschrott, Alu, Büchsen, Batterien, Leuchtmittel, Kleider und Schuhe. «Eine angenehme und stöckelschuhkonforme Lösung», nennt Projektleiter Marcel Amsler das Konstrukt. Dabei sind die Bereiche für Gratislieferungen und kostenpflichtige Materialien über separate Zufahrten erschlossen.

Verläuft alles nach Plan, so verspricht Marcel Amsler für das Eröffnungsfest wärmere Temperaturen. Es ist vorgesehen, die Anlage Mitte 2019 in Betrieb zu nehmen. Die bestehende Bausort Entsorgungsstelle in Hunzenschwil soll parallel so lange wie möglich weitergeführt werden.