Online-Petition

Neuer Radweg wird breiter, aber nicht sicherer – jetzt regt sich Widerstand

Der bestehende Veloweg zwischen Seengen und Egliswil soll verbreitert werden – bis hin zum gelben Pfosten. Spichale

Der bestehende Veloweg zwischen Seengen und Egliswil soll verbreitert werden – bis hin zum gelben Pfosten. Spichale

Der Kanton will den Radweg nach Egliswil ausbauen – nun wird gegen die Verbreitung eine Petition lanciert.

Der in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts erstellte Radweg parallel zur Kantonsstrasse zwischen Seengen und Egliswil soll verbreitert werden. Das Baugesuch des Kantons liegt bis am 13. Dezember auf den Gemeindeverwaltungen auf. Nun regt sich erstmals Widerstand gegen das Projekt.

Gemäss dem Baugesuch handelt es sich bei der auszubauenden «kantonalen Radwegverbindung R 551» um einen «Zweirichtungsradweg ohne Fussverkehr mit einer Breite von ca. 1,60 m bis 1,70 m, statt der benötigten 2,50 m». Auch der mit einem Grünstreifen sichergestellte Abstand zur Kantonsstrasse K 372 ist mit einem Meter kleiner, als es der Grundlageplan Radroutennetz verlangt: Anderthalb Meter sind hier vorgesehen.

Verlust von 11 Aren Kulturland

Die gesamte Länge der Verbreiterung beträgt 1343 Meter. Gemäss Auflage liegen davon 466 Meter auf Gemeindegebiet von Egliswil, 877 Meter in Seengen. Weil alles im Ausserortsbereich liegt, muss der Kanton die gesamten Kosten übernehmen. Diese belaufen sich laut dem Baugesuch auf 980 000 Franken.

75 000 Franken davon sind für Geometer und Landerwerb bestimmt. 1120 Quadratmeter Kulturland werden für dieses Projekt benötigt. Die Landeigentümer wurden ein erstes Mal informiert und legten dabei eine eher fatalistische Haltung an den Tag. «Man kann ja eh nichts dagegen machen», wurde gesagt. Eine verständliche Reaktion, wurde doch von den Kantonsvertretern bereits auf die Option einer möglichen Enteignung hingewiesen.

Wenige Unfälle sind bekannt

Als Hauptgrund für die Verbreiterung wird ein Argument genannt, das objektiven Prüfungen nur bedingt standhält: «Durch die ungenügende Ausbaubreite des Radweges kommt es immer wieder zu Unfällen zwischen Radfahrern.» Auf der Unfallkarte des Bundesamtes für Strassen (Astra) ist für den Zeitraum zwischen 2011 und 2015, im Juni 2012, genau ein einziger «Unfall mit Personenschaden» vermerkt.

Kürzlich gab es eine Kollision zwischen einem Egliswiler Schüler und einem Rennradler; der Schüler brach sich eine Hand. An einen ähnlichen Unfall, der wesentlich weiter zurückliegt, mag sich Lehrer Theo Wyss erinnern. Für ihn ist jedoch klar: «Die wenigen Unfälle auf diesem Radweg wären auch auf einem breiteren Weg passiert.» Wyss, Oberstufenleiter der Schule Seengen, findet die Verbreiterung des Radwegs völlig überflüssig und sucht dafür auf petitio.ch Unterstützer.

Vonseiten von Schulleitung, Lehrern, Schülern, Eltern oder Schulpflege sei nie der Wunsch nach einer Verbreiterung geäussert worden, ist aus dem Seenger Schulhaus zu hören.

Rückweisung im Jahr 1978

Die Behörden der Einwohnergemeinde äussern sich zur Radwegverbreiterung nicht gross; man muss nichts daran berappen, also ist einem das Projekt egal. Dies war nicht immer so. Für den Bau des aktuellen Radwegs brauchte es zwei Anläufe. An der Gemeindeversammlung vom 15. Dezember 1978 wurde ein Rückweisungsantrag der SVP mit 226 zu 129 Stimmen gutgeheissen: Der Landverschleiss sei zu gross und zudem habe man vorgängig nicht mit den Landeigentümern verhandelt.

Fünfeinhalb Jahre später wurde ein Bruttokredit von rund 188 000 Franken als Gemeindeanteil von Seengen mit 219 zu 6 Stimmen genehmigt. Gegenüber der ursprünglichen Vorlage hatte man den Landbedarf von 60 auf 40 Aren reduziert. Der damalige Grossrat Hans Riniker hatte sich vorgängig beim Regierungsrat dafür eingesetzt, dass auch schmalere Radwege als viereinhalb Meter bewilligt und subventioniert werden.

Damals wurde an verschiedenen Fronten gegen kantonale Vorgaben und zu viel Landverschleiss gekämpft.

Meistgesehen

Artboard 1