Fahrwangen

Für diese Aargauer ist uraltes Holz eine Goldgrube

Nikolai Zimmermann und Marcel Bissegger verarbeiten 250 Jahre altes Holz und wollen mit ihren Produkten den Altholz-Markt erobern.

Er arbeitete schon in der Karibik, in Moskau oder Paris, führte im Gstaader Luxushotel Alpina das Restaurant und liess sich schliesslich im beschaulichen Fahrwangen nieder. Die Rede ist von Nikolai Zimmermann (33), der 2018 das «Atelier-Z» in Fahrwangen gründete. Vom Seetal aus wollen er und Geschäftspartner Marcel Bissegger (35) aus Zürich mit ihren Bilder- und Spiegelrahmen sowie Wandverkleidungen den Altholz-Markt aufmischen. Das Spezielle an ihren Produkten: Zimmermann hat eine Methode entwickelt, mit der er die über Jahrzehnte oder Jahrhunderte vom Wetter gegerbte Holzoberfläche aufwerten und so wiederverarbeiten kann. «Kostengünstig, schnell und trotzdem qualitativ hochwertig», sagt er.

Doch wie kommt das Duo dazu, im beschaulichen Fahrwangen ein Atelier für Nischenprodukte zu eröffnen? Denn beide sind weder gelernte Schreiner noch aus der Region: Nikolai Zimmermann lernte Koch, liess sich als Hotelbetriebsmanager weiterbilden und stammt aus dem Allgäu; Marcel Bissegger machte eine KV-Ausbildung, arbeitete für das kantonale Handelsregisteramt und ist heute Stadtzürcher.

Luxus-Hotel mit Mittelklasse-Holz

Die Idee, das Start-up zu gründen, stammt von Zimmermann. «Seit meiner Kindheit arbeite ich leidenschaftlich gerne mit Holz», sagt er. In seiner deutschen Heimat in Oberdorf (D) bastelte er für seine Familie kleine Möbel und Rahmen aus Altholz, das von abgerissenen Häusern stammt und bis zu 250-jährig ist. Doch erst auf Umwegen machte er seine Leidenschaft zum Beruf. Ausschlaggebend war seine Anstellung als Restaurantmanager im Grand Hotel Alpina in Gstaad, das für 300 Millionen Franken erbaut und 2012 eröffnet wurde. «Ganze Räume liess man mit Altholz verkleiden», sagt Zimmermann. Doch: Die rauen Oberflächen hatten Spriessen und waren Staubfänger; beim Reinigen blieben die Putzlappen hängen. Und dies, obwohl viel Geld investiert wurde. Er dachte sich: «Das kann ich besser!»

Zimmermann hing 2014 kurzerhand seinen Job in Gstaad an den Nagel, heuerte in der Notfallzentrale des Zürcher Triemlispitals an und machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Werk- und Wohnraum. Günstig, in einer ländlichen Region, vorzugsweise am See sollte das Objekt sein. Erst 2017 wurde er in Fahrwangen fündig.

Dank des Teilzeitjobs hat Zimmermann finanzielle Sicherheit, aber auch Zeit, sich auf den Aufbau des Ateliers konzentrieren zu können. Und: Auf der Arbeit lernte er 2015 Marcel Bissegger kennen. «Ich war sofort von Nikolais Idee begeistert», erinnert sich der Zürcher, auch er ein leidenschaftlicher Handwerker. Bissegger stieg kurzerhand ein. Vorläufig noch als Angestellter. 2020 wollen sie die Einzelunternehmung in eine GmbH umwandeln und Bissegger zum gleichwertigen Geschäftsführer machen.

Gut gehütetes Geschäftsgeheimnis

Die beiden sind überzeugt von ihrer Geschäftsidee, dem «Ambiwood», wie sie ihre Produkte nennen. Ihr Geheimnis: «Unser eigens entwickeltes Bürstverfahren», sagt Zimmermann. Denn damit können sie unbehandeltes Fassadenholz günstig und schnell spriessenfrei bürsten. Auch das wettergegerbte, stark verwitterte, auf der Gebäude-Südseite angebrachte Holz. «Für viele gilt dies als Abfallprodukt, das wir upcyceln», sagt Bissegger. «Für uns ist dieses Holz wie ein ungeschliffener Diamant.»

Auch die kantonale Standortförderung glaubt an die Idee von Zimmermann und Bissegger – und wählte das Start-up 2018 aus für ein dreijähriges Coaching von «Genisuisse». Die Non-Profit-Organisation unterstützt junge, innovative Unternehmen von der Gründung bis zur wirtschaftlichen Eigenständigkeit auf verschiedenen Ebenen.

Der Verkauf der Spiegel laufe unterdessen gut, sagt Zimmermann. «Vor allem die ein auf zwei Meter grossen Stücke kommen bei den Kunden sehr gut an.» Unterdessen reduzierte Zimmermann sein Pensum im Spital auf 50 Prozent, Bissegger arbeitet noch 60 Prozent. Die Wandverkleidungen, beispielsweise für Hotels, Restaurants, aber auch für Mietwohnungen stecken hingegen noch in den Kinderschuhen. In diesem Bereich sind sie noch auf der Suche nach Architekten, die mit ihnen zusammenarbeiten möchten. In den nächsten Jahren wollen sie ihr Geschäft zu einem mittelgrossen Unternehmen mit mehreren Angestellten ausbauen. Ihr grosser Traum: eine grössere Fabrik aufbauen und vom 2150-Seelen-Dorf Fahrwangen aus ihre «Ambiwood»-Produkte in die ganze Schweiz verkaufen. Und sie ergänzen: «Das möglichst schnell, um möglichst viel des wertvollen Rohstoffes vor der Entsorgung retten zu können.»

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