Hallwilersee

Für den Frühlingsputz gibt es eine Belohnung in einer Flaschenpost

Seit fünf Jahren verpassen Forstwart Peter Wyss und seine fünf Rangerkollegen dem Hallwilersee einen Frühlingsputz. Im Schilf findet der Putztrupp nebst Abfall auch eine unerwartete Einladung.

«Händer euch das wörkli guet überleit?», fragt eine Spaziergängerin. Es regnet am frühen Samstagmorgen in Meisterschwanden, eine Bise weht kühle Seeluft ans Ufer. Die Ranger in ihren grünen Windjacken, den verstärkten Arbeiterhosen und einem Hut auf dem Kopf lachen. «Für Ranger gibt es kein schlechtes Wetter, wir sind wetterbeständig!», sagt Peter Wyss. Der gelernte Forstwart übernimmt für den heutigen Tag das Kommando des Putztrupps.

Seit fünf Jahren verpassen er und seine fünf Rangerkollegen dem Hallwilersee einen Frühlingsputz. Normalerweise sind die selbst ernannten «Seepolizisten» zuständig dafür, dass Fischer und Hundehalter die Regeln rund um den Hallwilersee einhalten. Immer wieder verwarnen sie jedoch auch Leute, die ihren Picknickabfall lieber im Gras liegen lassen, anstatt ihn richtig zu entsorgen. «Das grösste Problem für die Natur sind Alu-Büchsen und Styroporstücke», sagt Wyss. «Die Schwäne verwechseln die weissen Fetzen schnell mit Brotstücken, schlucken sie hinunter und verenden kläglich.»

Schilfgürtel als Abfallhalde

Begonnen wird die «Seeputzete» beim südlichen Zipfel des Hallwilersees, in Mosen. Dort weht die Bise den meisten Abfall in den Schilfgürtel. Genau in dieser Abfallhalde nisten viele Vögel, Enten und Schwäne. So waten die Ranger mit bedachten Schritten in ihren hüfthohen Fischerstiefeln im seichten Wasser, immer darauf Acht gebend, keine Brutstätte eines Tieres zu zerstören. Von Mosen wollen sie zu Fuss bis nach Beinwil, immer dem Seeufer entlang. «Vor allem im Mosenwäldli, dort, wo eine Feuerstelle direkt unter der Aarauerstrasse liegt, häuft sich nach dem Wochenende der Abfall. «Wird er nicht eingesammelt, wird er auf den See geweht», sagt Chefranger Wyss.

Schon nach wenigen Minuten sind zwei gelbe Eimer gefüllt mit Dosen, Säcken und Plastikteilen von Schiffen. Plötzlich ruft Urs Sandmeier: «Hey, wir haben Post!» Er streckt seinen Kollegen freudig eine kleine Glasflasche entgegen, die eine Notiz enthält: Ein Brautpaar lädt den Finder zum Grillabend ein. «Nur dank unserer heutigen Seeputzete konnte diese Flaschenpost überhaupt im Schilf gefunden werden!», freut sich Wyss. Schon nach wenigen Minuten hat sich ihre fleissige Arbeit also gelohnt.

Bis zum Ende des Tages ziehen die Ranger so viel Müll aus dem See, dass ein ganzes Auto mit Güselsäcken beladen werden kann. Das Abfallproblem rund um den Hallwilersee ist und bleibt ein Aspekt, auf den die Ranger die Seebesucher aufmerksam machen werden.

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