«Die wechselvolle Geschichte des FC Lenzburg ist wie der Fussballsport voller Emotionen.» So charakterisierte Stephan Süess die Vereinshistorie des FCL in seiner Chronik, die er zum 75-Jahr-Jubiläum des FC Lenzburg (FCL) im Jahr 1991 veröffentlichte.

Heuer, 25 Jahre später, feiert der FCL sein hundertjähriges Bestehen – Süess Aussage hat noch heute Gültigkeit. Tatsächlich: Der Verein erlebte sportliche Höhenflüge und Tiefpunkte. Es gab viel Erfreuliches, Überraschendes und einen prominenten Protagonisten. Es gab auch viele Schwierigkeiten, Trauriges und einen waschechten Skandal.

Marktmatten erster Fussballplatz

Fast auf den Tag genau vor 100 Jahren, am 1. Mai 1916, wurde der FCL im Hotel Löwen gegründet. Die Gründung stand unter keinem guten Stern, denn der neuartige Sport aus England fand damals in der Schweiz nicht nur Freunde. In der Festschrift zum 75-jährigen Bestehen des Aargauischen Fussballverbands (AFV), der im gleichen Jahr wie der FCL gegründet wurde, liest man: «Der Kampf mit dem runden Leder hatte als englisches, fremdes Spiel kritische Gegner.» Bevor der Fussball aufkam, gab es nur Turnvereine. Diese galten als vaterländisch und echt schweizerisch, während sich Fussballer dem Vorwurf ausgesetzt sahen, keine richtigen Patrioten zu sein.

Der FC Lenzburg hatte in seinen Anfangsjahren nicht nur mit der Skepsis der Bevölkerung, sondern auch mit infrastrukturellen Problemen zu kämpfen. Der erste Fussballplatz des FCL war vermutlich in der Marktmatten – wobei es sich nicht um keinen Rasenplatz, sondern vielmehr um Ackerland handelte. Im Zuge der Anbauschlacht im Ersten Weltkrieg musste der Verein sein Spielfeld der Stadt zur Anpflanzung überlassen und seine Heimspiele zeitweise gar auf fremdem Terrain austragen.

Nach dem Überstehen der schwierigen Anfangszeit konnte sich der FCL stabilisieren und spielte Anfang der Dreissigerjahre in der dritthöchsten Spielklasse. Die folgenden Jahrzehnte waren aber nicht nur von Beständigkeit geprägt. Im Klubleben gab es sowohl Höhe- wie auch Tiefpunkte: Zu letzteren gehören der Tod eines FCL-Spielers während eines Matchs Anfang der Dreissigerjahre, der vorübergehende Absturz in die 4. Liga in den Sechzigern und jüngst der Sex-Skandal während der Meisterfeier 2014, der für Schlagzeilen in den Medien weit über die Landesgrenzen hinaus sorgte. Zu den wichtigsten Höhepunkten in der Vereinsgeschichte zählen die drei Titel der ersten Mannschaft im Aargauer Cup und natürlich der erstmalige Aufstieg in die 2. Liga interregional 2014.

Ein Coup war dem FCL schon früher gelungen, als er den ehemaligen Schweizer Fussballer des Jahres und FC-Aarau-Spieler Rolf Osterwalder als Spielertrainer auf die Saison 1989/90 verpflichten konnte.

Ereignisreiches Jubiläumsjahr

Der FCL kann nicht nur Fussball spielen, er weiss auch Meilensteine in der Vereinsgeschichte ausgiebig zu feiern. Den Auftakt der Jubiläums-Festivitäten bildet der Cupfinaltag an Auffahrt, den man für das Jubiläumsjahr nach Lenzburg holen konnte. Am 7. Mai findet die offizielle Jubiläumsfeier statt mit einem mit dem AFV vereinbarten Heimspieltag. Acht Lenzburger Mannschaften tragen an diesem Tag ihre Meisterschaftsspiele in der Wilmatten aus.

Anschliessend steigt die grosse Jubiläumsparty auf dem Sportplatz. Ein weiteres Highlight des Jubiläumsjahres ist das vereinsinterne Stickeralbum des FCL. Bereits beim Sammelstart Anfang März (az vom 7.3.) wurden zwei Drittel der 10 000 Stickerpackungen verkauft. Mittlerweile wurden 4000 Packungen nachbestellt, heisst es aus den Reihen des Klubvorstands.