Die sanften Gitarrenklänge des Intros erklingen, Janine Reijnen und Andrea Jeremias setzen für eine Tonaufnahme zur ersten Strophe an. Plötzlich verstummen sie und lachen. «Wir beginnen neu, da war ein Ton daneben», sagt Reijnen.

Einmal pro Woche treffen sich die Lehrerinnen, um gemeinsam zu musizieren. «Wir entdeckten unsere gemeinsame Leidenschaft für die Musik in der Schule», erzählt Andrea Jeremias. Eine ehemalige Lehrerin hatte in Jeremias’ Zimmer ihr Klavier zurückgelassen und in den Mittagspausen fingen sie an, herumzuklimpern und dazu Lieder zu singen.

«Dust In The Wind»: So klingen Janine Reijnen und Andrea Jeremias

«Dust In The Wind»: So klingen Janine Reijnen und Andrea Jeremias

An einem Waldhüttenhock wagten sie sich mit ihrem zweistimmigen Gesang erstmals an die Öffentlichkeit. Kurz darauf wurden sie Mütter, Zeit für das gemeinsame Musizieren blieb kaum. Erst fünf Jahre später starteten die beiden einen zweiten Anlauf. Andrea Jeremias übte und sang zu Hause so oft, dass ihr Sohn manchmal reklamierte: «Mama, sing nicht so viel!»

Es folgten Auftritte auf Hochzeiten, Geburtstagen und Eröffnungen, fünf- bis sechsmal jährlich. «Meistens war es im kleinen Rahmen und wir kannten die Gäste», sagt Andrea Jeremias. Werbung mussten sie bisher keine machen. An jedem Auftritt war sicher jemand dabei, der die beiden weiterempfahl oder selber für ein Fest buchte.

Plötzlich Songwriter?

Einen Wendepunkt in ihrer Karriere erlebten sie schliesslich vor zwei Jahren, als sie in der «Barracuda»-Bar in Aarau auftreten konnten. Neben der Familie und Kollegen tauchten auch völlig fremde Menschen auf, ein Verstärker musste eingesetzt werden, damit ihr Gesang im Stimmengewirr nicht unterging. «Auf dem Programm waren wir ausserdem als Singer/Songwriter angekündigt», erinnert sich Janine Reijnen, «dabei hatten wir bisher nur Coversongs gemacht.»

Kurzerhand machten sie sich an die Arbeit und konnten für diesen Anlass zwei eigene Songs ins Repertoire aufnehmen. Nach einem weiteren Auftritt im Restaurant «Liz und Chrege» anlässlich der Veranstaltung «Musig i de Altstadt» haben sie sich dieses Jahr nun für die «Klingende Zone» in Lenzburg angemeldet: Am 22. August zwischen 13 und 17 Uhr können Vereine, Chöre, Formationen oder einzelne Musikerinnen und Musiker ihre Lieder in Lenzburg zum Besten geben und in Innenräumen, Aussenplätzen oder Strassen auftreten.

Janine Reijnen und Andrea Jeremias alias «stimmhoch2» haben sich für einen Auftritt mitten in den Lenzburger Gassen beworben. «Öffentliche Auftritte bringen Reaktionen aus verschiedenen Blickwinkeln und sind optimale Herausforderungen», sagt Reijnen.

Kleines Ritual vor dem Auftritt

Richtig nervös vor einem Auftritt seien sie selten. «Wir wünschen uns Glück, trinken ein Glas Wasser, das reicht», sagen sie lachend. Kurz vor dem Auftritt gibt es jeweils trotzdem ein kleines Ritual: Sie schlüpfen in ihre identischen Röcke, die sie mit ihrem ersten Verdienst als Sängerinnen kauften.

Das Intro klappt mittlerweile fehlerfrei, jeder Ton sitzt. Janine Reijnen und Andrea Jeremias können ihre wöchentliche Gesangsstunde fortsetzen – harmonisch verschmelzen ihre Stimmen mit der Gitarre zu ihrem Coversong von «Dust In The Wind».

Anlässlich der «Musikalischen Begegnungen» verwandelt sich Lenzburg vom 21. August bis 6. September 2015 in eine pulsierende und musikalische Stadt. Die «Klingende Zone» findet am 22. August

statt.

Musikalische Vereine, Chöre, Formationen oder einzelne Musikerinnen und Musiker können sich noch bis morgen, 20. Januar, unter www.mbl-lenzburg.ch anmelden.