Schafisheim
Frustrierter Gemeinderat: «Wir sind über alle Massen enttäuscht»

Schafisheim Ammann Roland Huggler ist nach dem deutlichen Nein zur Lohnfrage ernüchtert. Er prangert den neuen Politstil in der Gemeinde an.

Ruth Steiner
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Der Gemeinderat Schafisheim.

Der Gemeinderat Schafisheim.

Sandra Ardizzone

Die Kontroverse um die Gemeinderatsbesoldung ist vorerst beigelegt. Der Gemeinderat muss auf die an der Wintergmeind bewilligte Pauschalentschädigung von 150 000 Franken verzichten. In der Referendumsabstimmung vom Wochenende folgten die Schofiser dem Komitee «Genug ist genug», welches diesen Betrag als zu hoch erachtet. Die Stimmbeteiligung betrug hohe 55,1 Prozent.

Für Gemeindeammann Roland Huggler (SVP) ist der Urnenausgang zur Lohnfrage bitterer Höhepunkt eines für ihn persönlich bereits vorher wenig erfreulichen Wochenverlaufs. Er ist am Donnerstag vor seinem Haus auf einer Eisfläche unglücklich gestürzt und liegt nun mit einer Schulterverletzung im Spital.

Zum zweiten Mal verweigert das Volk dem Gemeinderat die beantragte Lohnerhöhung. 60,3 Prozent Nein ist ein klares Resultat und spricht eine deutliche Sprache.

Roland Huggler: Die Deutlichkeit des Resultats kommt für mich und den Gemeinderat sehr überraschend. Wir haben im Vorfeld in der Bevölkerung und in Leserbriefen in den Medien viel Rückhalt gespürt und sind vom Ergebnis nun völlig überrumpelt. Damit haben wir nicht gerechnet. Ich muss sagen, wir sind über alle Massen enttäuscht.

Dieses Resultat ist das Zeichen eines tiefen Misstrauens gegenüber dem Gemeinderat. Schmerzt das?

Im vergangenen Herbst wurden alle fünf Gemeinderäte vom gleichen Souverän gewählt, der ihm nun eine gerechte Vergütung für seine Arbeit verweigert. Das ist in meinen Augen ein Widerspruch. Der Gemeinderat hat in der Vergangenheit gute Arbeit geleistet. Das zeigt sich am tiefen Steuerfuss, an der Infrastruktur im Ort, die à jour gehalten ist, und an tiefen Strom- und Wasserpreisen. Das wird vom Volk nicht honoriert. Ja, das tut weh. Was besonders schmerzt, ist die teilweise verächtliche und beleidigende Art und Weise, mit welcher aus dem Kreis des Referendumskomitees operiert wurde. Das verstehen wir nicht. Wenn das der Stil ist, mit welchem in unserer Gemeinde in Zukunft Politik gemacht wird, dann macht die Arbeit keine Freude mehr.

«Genug ist genug»

Der gestrige Abstimmungssonntag war ein guter Tag für Michael Letic und sein Komitee «Genug ist genug». Entsprechend zufrieden zeigte er sich nach Vorliegen des Resultats. Und er gab sich wenig überrascht über das deutliche Abstimmungsresultat zur Lohnfrage des Gemeinderats.

60,3 Prozent (651 zu 429 Stimmen) finden 150 000 Franken pauschal als jährliche Entschädigung für die fünf Schofiser Gemeinderäte zu hoch. Man habe nun ein aussagekräftiges Ergebnis vorliegen, erklärte Letic. Und weiter: «Die hohe Stimmbeteiligung zeigt, dass die Schofiser mit der Unterschriftensammlung geweckt wurden und dass sie sich nun mit der ganzen Materie auseinandergesetzt haben.»

Das Komitee sei nun gespannt, ob vonseiten des Gemeinderats zur Entschädigung «jetzt ein angemessener Vorschlag kommt», sagte der 25-jährige Sprecher von «Genug ist genug». Letic und das Komitee hatten gegen die an der Wintergmeind 2017 beschlossene Gemeinderatsbesoldung Unterschriften gesammelt. (str)

Heisst das, dass Sie als Gemeindeammann zurücktreten?

Dazu möchte ich mich jetzt nicht äussern. Das wäre ein überstürzter Entscheid. Zuerst wollen wir das Ergebnis im Gemeinderat genau analysieren.

Erwarten Sie, dass andere Gemeinderäte das Amt niederlegen?

Dazu kann ich keine Aussagen machen. Wie gesagt, wir haben im Rat noch nicht über den Abstimmungsentscheid gesprochen.

Es scheint jedoch in der Gemeinde tiefe Gräben zu geben und Leute, welche sonst still die Faust im Sack machen, haben ihrem Unmut über den Gemeinderat nun Luft verschafft.

Das ist mir unerklärlich. Ich bin der Meinung, dass der Gemeinderat die Bevölkerung ernst nimmt und sich mit den verschiedenen Bedürfnissen und Interessen auseinandersetzt. Gerade jetzt bei der laufenden Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) werden wieder intensive Gespräche geführt.

Wie hat es so weit kommen können, dass Schafisheim sozusagen die Gemeinde im Aargau ist, die sich mit der Besoldung am schwersten tut?

Der Gemeinderat hat die Absicht, die Entschädigung von unzureichend auf ein gerechtes Mass zu erhöhen. Dabei hat er sich auf die Empfehlungen der Gemeindeammännervereinigung abgestützt. Dass nun auch der revidierte Besoldungsantrag von total 150 000 Franken für alle fünf Gemeinderäte schlussendlich nicht akzeptiert wird, macht den Gemeinderat sehr betroffen.

Wie geht es in der Besoldungsfrage nun weiter?

Der Gemeinderat wird nun über die Bücher gehen müssen und auf die Sommergmeind eine neue Vorlage ausarbeiten.