Urs Schwager holt aus, lässt das Seil einige Male über seinem Kopf kreisen, und dreht dann seinen Körper ruckartig hin und her. Die Wucht der Geissel ist so heftig, dass sich bei jedem Knall Fasern von der Schnur lösen - wie eine Mini-Explosion. Nach etwa einer Minute lässt Schwager die Geissel sinken - es kostet Kraft, so zu «klöpfen».

Bereits als kleiner Junge hat Urs Schwager mit dem Chlausklöpfen begonnen. «Noch vor etwa 35 Jahren ist man vertrieben worden, wenn man geklöpft hat - auch von der Polizei», sagt Schwager.

Schwager will klare Regeln

Vor zehn Jahren kamen die Ortsbürger von Lenzburg auf Schwager zu und baten ihn, das Chlausklöpfen zu übernehmen. «Ich habe zugesagt, wollte aber Rahmenbedingungen schaffen», sagt Schwager. Diese Bedingungen seien abgesprochen mit Stadtrat und Regionalpolizei. Mit dem Klöpfen dürfe in den meisten Gemeinden am 1. November begonnen werden - nach dem Regionalwettbewerb, der dieses Jahr am 16. Dezember stattfindet, ist Schluss.

«Heute herrscht eine viel grössere Toleranz als damals», sagt Schwager. Dies hat wohl auch damit zu tun, dass der erfahrene Chlausklöpfer bereits den Kindern lehrt, dass sie auf Anwohner Rücksicht nehmen sollen. «Ich verstehe natürlich, wenn jemand ein Problem hat, beispielsweise weil der Hund den Lärm nicht verträgt», sagt Schwager. Er rät den Leuten, auf die Geissel-Schwinger zuzugehen und den Dialog zu suchen. Leider gebe es auch vereinzelt negative Reaktionen: «Es ist zwar schon eine Zeit lang her, aber es wurde auch schon mit einem Gewehr auf Chlausklöpfer gezielt», sagt Schwager.

Mit Fluchwörtern oder mit Kübeln voll kaltem Wasser habe man auch schon lärmende Kinder vertrieben. «Mehrheitlich sind die Reaktionen aber positiv», sagt Schwager. So auch von den Schulen, an denen es regelmässig Kurse gibt, wo die Kinder die Tradition lernen können. «Mädchen haben es meistens etwas schneller raus als Jungs - es braucht eben auch Gefühl, damit die Geissel einen Ton macht.»

Zum ersten Mal wird in diesem Jahr ein Kurs mit behinderten Menschen durchgeführt: «Die Heilpädagogische Schule hat uns angefragt, ob wir einen Workshop machen würden», so Schwager.

Klöpfen ist wie Musikmachen


Chlausklöpfer treten auch in Gruppen auf: «Es ist wie Musikmachen.» Dabei pflegen die Lenzburger den Austausch mit Gruppen aus der Innerschweiz oder aus Deutschland: «Es gibt da ähnliche Traditionen - an den Wettbewerben werden aber unterschiedliche Kriterien bewertet.»

Tradition, Zusammenhalt und körperliche Betätigung sind Dinge, die Schwager den Jüngeren mitgeben möchte. Dabei kann die Lenzburger Tradition auch integrativ wirken: «Wir haben immer wieder ausländische Kinder, die ihren Spass daran haben», sagt Schwager.

Trainingsstunden für alle am Samstag, 8. Dezember, 14 Uhr in der Begegnungszone Altstadt Lenzburg. Am Sonntag, 9. Dezember, findet ab 13.30 Uhr ein Wettbewerb auf dem Metzgplatz statt. Und am Mittwoch, 12. Dezember ist ab 19 Uhr in der Rathausgasse die Chlausmarktklöpfete.