Lenzburg

Früchte, Beeri, Konfi-Deckel: Die Hero ist zurück beim Bahnhof

Motive der Hero-Geschichte schmücken neu die Wand bei der nördlichen Bahnhof-Unterführung zum Gleis 1. Während 120 Jahren lagen Produktionsstätte und Hauptsitz des Nahrungsmittel-Unternehmens hier in unmittelbarer Nähe.

Johannisbeersträucher, Früchte, Arbeiterinnen bei deren Verlesen, Deckel von Konfitüren-Gläsern: Die Sujets an der langen Wand bei der Bahnhof-Unterführung zum Gleis 1 sind eine Hommage an die Hero. Während 120 Jahren lagen Produktionsstätte und Hauptsitz des Nahrungsmittel-Unternehmens hier in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof.

Alte Fotografien aus den 60er-Jahren dienten als Vorbild für die bunten Motive. «Früher wuchsen hier ganz viele Johannisbeersträucher. Nun sind sie an der Wand verewigt», sagt Anja Voegeli, SP-Einwohnerrätin und treibende Kraft hinter dem Projekt.

Nicht nur die Geschichte, auch die Gegenwart hat ihren Platz: Ganz aussen ist eine Katze abgebildet. Sie steht für all die Stubentiger, die heute am Bahnhof herumstreifen. Die Motive überdecken die Sprayereien, die früher die Wand verunstalteten. Anja Voegeli formuliert das Ziel des Projekts so: «Wir wollten einen Unort gestalten und lebendig machen.»

Ehrenamtlicher Einsatz

Das Projekt ist nur dank engster Zusammenarbeit von Anja Voegeli mit Franziska Aschwanden und George Yacoub gelungen. Es ist ein zusammengewürfeltes Team: Anja Vögeli ist Lehrerin für bildnerisches Gestalten und hat ein Atelier auf dem ehemaligen Wisa-Gloria-Areal.

Über die Ateliertage hat sie Franziska Aschwanden kennen gelernt, eine ehemalige Journalistin, die heute als freie Gestalterin tätig ist. Und der Dritte im Bunde, der syrische Asylbewerber George Yacoub, geht bei Anja Vögeli in den Deutschunterricht für Asylbewerber. Seit er arbeiten dürfe, suche er «wie verrückt» nach einer Beschäftigung.

Da kam dieses Projekt wie gerufen. Yacoub und die beiden Frauen waren mit Leib und Seele dabei: Während vier Wochen investierten sie ihre gesamte Freizeit. «Von neun Uhr bis zum Mittag, nach Feierabend und an den Wochenenden haben wir gemalt», sagt Franziska Aschwanden.

Zusammen kommen sie auf 400 Stunden unbezahlte Arbeit. Das ist nur möglich, wenn das Team gut harmoniert: «Die vier Wochen gingen ohne Stress, ohne Teamkrise über die Bühne», meint Anja Voegeli und lacht. «So hat es viel Spass gemacht.»

Die drei könnten sich weitere gemeinsame Unternehmungen gut vorstellen – unter einer Bedingung: «Das nächste Projekt müsste besser finanziert sein.» Diesmal hat das Bauamt die Vorbereitung der Wand und den Graffitischutz übernommen, doch für die restlichen Kosten sind erst 1500 Franken Sponsorengelder garantiert.

Eine Erfolgsgeschichte: 125 Jahre Hero Lenzburg

Eine Erfolgsgeschichte: 125 Jahre Hero Lenzburg (Juni 2011)

Das von der Ortsbürgergemeinde, der Hypothekarbank und der Hero gestiftete Geld reicht gerade für die Acrylfarben, Malutensilien und die Vernissage am 16. September um 19 Uhr.

Lauter positive Reaktionen

«Etwas vom Schönsten war die Resonanz der Leute», sagt Franziska Aschwanden. «Wir haben sehr viele spontane Rückmeldungen erhalten, und jemand hat uns sogar Kaffee gebracht.»

Den Kaffee haben sich die drei mehr als verdient, tragen sie doch zur Verschönerung des Stadtbildes bei. Dieser Meinung sind die Passanten, die an diesem Tag unterwegs sind: «Es gibt eine ganz lässige Atmosphäre», sagt eine Dame, die zum ersten Mal an der bemalten Wand vorbeigeht. «Mir gefällt alles Farbige, deshalb finde ich es sehr schön», meint ein Herr, dessen Dackel die Wand interessiert beschnüffelt. Auch er scheint am neuen Design Gefallen zu finden.

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