Niemandem konnte man verdenken, wenn die Hoffnung auf den nahenden Frühling Ende letzter Woche gedämpft wurde: Schneeregen und tief hängende Wolken liessen einen im tiefen Winter wähnen.

Anders in Lenzburg: Fast trotzig leuchteten die Kleider an der Modeschau im Atelier Angel-Eye, wo Yvonne Iseli ihre neue Kollektion präsentierte. Zweimal jährlich stellt die gelernte Damenschneiderin ihre Kreationen vor.

Seit 2010 führt die 28-Jährige die Boutique in der Lenzburger Altstadt. Dabei handelt es sich um ein Einfrau-Unternehmen: Entwürfe zeichnen, Schnittmuster anfertigen, wie auch das Nähen der Kleider und Handtaschen sind Aufgabenbereiche von Yvonne Iseli.

«Der Aufwand ist gross, zeitlich wie auch finanziell», erklärt sie. Die ersten Jahre hat Iseli parallel zur Geschäftsführung als Berufsschullehrerin gearbeitet. «Inzwischen habe ich aber gemerkt, dass ich mich auf eine Sache konzentrieren muss», sagt Iseli.

14 Meter Spitze

Iselis Frühlingsmodenschau stand unter dem Thema Wasser. «Die Vielseitigkeit dieses Elements hat mich inspiriert», erzählt sie.

Vier Models präsentierten die Kreationen, zusammen mit der Schmuckkollektion der Künstlerin Eva Gautschi aus Klingnau. Wiederkehrende Aspekte waren leuchtende Farben und Spitze, welche aus dem St. Galler Traditionshaus Forster Rohner stammt.

Auffallend war die durchwegs aufwendige Verarbeitung. Am Tag der offenen Tür ihres Haute Couture Ateliers Angel-Eye präsentierte Yvonne Iseli ihre neue Modekollektion.

Ein transparentes Kleid mit Volants benötigte 14 Meter Spitzenbordüre. «Mich erinnert das Stück an einen Springbrunnen mit verschiedenen Ebenen, die trotzdem fliessen», führte Iseli aus.

Qualität und faire Bedingungen

Neben H&M, Zara und Co. zu bestehen, ist nicht einfach für ein kleines Atelier. Doch trotz der Wegwerfmentalität, die sich im Bereich Mode und Bekleidung breit macht, schätzt die Kundschaft Iselis hochwertige Kleider: «Leute, die Wert auf Qualität legen und anständige Arbeitsbedingungen voraussetzen, sind oft bereit, einen höheren Preis zu bezahlen», erklärt sie.

Iseli setzt auf Stoffe aus Schweizer Produktion, so möchte sie die faire Bezahlung der Arbeitskräfte in der Entstehungskette der Kleider gewährleisten. Ausserdem suchten ihre Kunden nach Individualität, die Stücke von der Stange nicht bieten könnten.

Entsprechend durchmischt ist die Kundschaft des Angel-Eye: «Meine jüngste Kundin ist 21 und hat ein halbes Jahr auf ihr erstes massgeschneidertes Kleid gespart, die älteste ist 90», verrät Iseli. Am Nachmittag schob sich die Sonne durch die Wolken – man wagte wieder, auf den nahenden Frühling zu hoffen.