Lenzburg

Freude über Vermögen währt nur kurz

Vizeammann Fränzi Möhl und Finanzchef Beat Lüscher präsentieren die Rechnung.

Vizeammann Fränzi Möhl und Finanzchef Beat Lüscher präsentieren die Rechnung.

Lenzburg ist Ende 2014 erstmals seit 32 Jahren schuldenfrei. Doch Investitionen wenden das Blatt bereits wieder: Rund 10 Millionen Franken fliessen im laufenden Jahr in den Schulhausbau, in den Widmi-Park und das Bahnhofplatz-Provisorium.

Draussen vor dem Rathaus tobte Sturm Niklas durch die Gasse, während drinnen eine strahlende Vizeammann Franziska Möhl, Finanzchef Beat Lüscher und der Leiter der Stadtverwaltung Daniel Hug gestern Morgen bei der Präsentation der Jahresrechnung 2014 eine Premiere verkündeten.

Erstmals in 32 Jahren, in welchen Lenzburg seine Vermögenssituation statistisch erfasst, weist die Stadt ein Nettovermögen aus. 2,5 Millionen Franken sind es genau per Ende 2014 oder 276 Franken pro Einwohner. Noch vor Jahresfrist hat eine Pro-Kopf-Verschuldung von 203 Franken resultiert. Damit geht eine lange Schuldenphase zu Ende, die 1998 in Verpflichtungen von 33 Millionen oder 4400 Franken pro Einwohner (inklusive Abwasserbeseitigung und Abfallbewirtschaftung) gipfelte. Das positive Ergebnis sei dank eiserner Kostendisziplin zustande gekommen, sagte Finanzministerin Möhl. Zum grossen Jubel ansetzen wollte sie trotzdem nicht. Die Freude über die derzeitigen Vermögensverhältnisse ist nämlich nur von kurzer Dauer: Schon im kommenden Abschluss kippt die Situation wieder auf die Schuldenseite. Es stehen grosse Investitionen an: Rund 10 Millionen fliessen im laufenden Jahr vornehmlich in den Schulhausbau (Bleicherain), den Widmi-Park und in das Bahnhofplatz-Provisorium. «Fünf bis sechs Millionen kann die Stadt selber tragen», so Möhl. Für den Rest wird sich Lenzburg neu verschulden müssen.

Sozialkosten steigen weiter

Den Steuerertrag von 32,8 Mio. bezeichnete Vizeammann Möhl als Punktlandung. Er lag um gut 40 000 Franken über dem Vorjahr. Dabei sind die Einkommens- und Vermögenssteuern mit rund 26,4 Millionen stabil geblieben, dies trotz steigender Einwohnerzahl. Wieder «normalisiert» hat sich die Position Nachsteuern und Bussen. Sie betrug 45 000 Franken gegenüber 287 000 Franken im Vorjahr, als reuige Steuersünder Selbstanzeige erstattet hatten. «Wir gehen davon aus, dass Steuerpflichtige korrekt deklarieren», so Möhl. Hingegen schlagen im Berichtsjahr die Grundstückgewinnsteuern mit 836 000 Franken um rund eine halbe Million gegenüber dem Voranschlag nach oben aus. Dieser Posten ist auf private Handänderungen zurückzuführen und widerspiegelt die rege Bautätigkeit in der Stadt.

Die Kostendisziplin wird auf der Aufwandseite augenscheinlich. Der Nettoaufwand von total 28,1 Mio. liegt um 1,1 Mio. unter dem Budget. Dabei wird das positive Gesamtbild getrübt von den Ausgaben für die soziale Sicherheit. Mit 5,1 Mio. übersteigt die Position das Budget um gut eine halbe Million. Die weitere Entwicklung dieses Budgetpostens bereitet Franziska Möhl einige Sorgen. «Wenn man junge Leute, die finanziell unterstützt werden müssen, nicht in den Arbeitsprozess integrieren kann, bezahlt man ein Leben lang», ist ein Grund.

Die Erfolgsrechnung schliesst bei einem Umsatz vom 59,6 Mio. mit einem Gewinn von 6,1 Mio. Franken ab. Mit Nettoinvestitionen von 2,9 Mio. hat Lenzburg 2014 massiv weniger investiert als im Vorjahr (9 Mio.). Der Selbstfinanzierungsgrad betrug 260 Prozent (gegenüber 83 Prozent im Vorjahr).

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