Hallwilersee

Freizeit-Kapitän will Bojen auf dem Hallwilersee versetzen

Der Hobby-Kapitän will dafür kämpfen, dass der Kanton seine eigenen Gesetze einhalten soll, bei der Setzung der Ankerverbotszonen.

Der Hobby-Kapitän will dafür kämpfen, dass der Kanton seine eigenen Gesetze einhalten soll, bei der Setzung der Ankerverbotszonen.

Werner Nussbaum hat es ausgemessen: Die Fahr- und Ankerverbotszonen, welche für den Naturschutz eingerichtet werden, sind laut dem Hobby-Kapitän auf dem Hallwilersee zu gross. Er will dafür kämpfen, dass der Kanton seine eigenen Gesetze einhält.

Mit den ersten heissen Tagen wird der Hallwilersee erneut zum Eldorado für Badende, Wassersportler aller Art und Bootfahrer. Zu ihnen gehört seit Jahrzehnten der in Küttigen wohnhafte Werner Nussbaum. Vor der kürzlich erfolgten Wasserung hat er sein Boot aufgefrischt und neu lackiert.

In seine Vorfreude auf geruhsame Stunden auf dem schönen See mischt sich immer eine Portion Ärger, «weil der Kanton sich nicht an die eigenen Gesetze hält und macht, was er will». Darüber nervt sich Nussbaum nicht erst seit heute. Aber nachdem sämtliche Interventionen im Sand verlaufen sind, erwägt er jetzt rechtliche Schritte.

Das Gesetz erlaubt 50 Meter

Fahrverbote für Schiffe gibt es am Hallwilersee etliche. So besteht zur Sicherheit bei jeder öffentlichen Badi auf einem vorgelagerten Wasserstreifen von 50 Metern «ein Fahrverbot für Schiffe, inklusive Segelbretter». Naturschutzzonen gibt es im Boniswiler Moos und südlich des Hotels Seerose in Meisterschwanden. Gemäss der Verordnung über die Schifffahrt vom 26. Januar 1981 geht es um eine dem Schilfgürtel vorgelagerte Zone von 50 Metern.

Aber beim Neusetzen der Bojen seien die Abstände willkürlich vergrössert worden. Mit einer Schnur hat Werner Nussbaum die Abstände nachgemessen: Von den sechs Bojen sind einzelne 63 bis fast 100 Meter vom Ufer entfernt. Das trieb ihn auf die Palme. «Was klammheimlich geplant und abgelaufen ist, widerspricht völlig den Vorschriften, an die sich auch der Kanton zu halten hat», schrieb er an die Abteilung Landschaft und Gewässer im Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons.

Kanton verweist auf Pfahlbauer

Vier Bojen habe man unverändert belassen und zwei neue gesetzt, antwortete Arnold Meyer von der Abteilung Landschaft und Gewässer. Die Bojen seien «zum Schutz der Naturschutzzone Erlenhölzli gemäss den gesetzlichen Anforderungen und den gegebenen Umständen korrekt gesetzt worden.» Im Gebiet seien auch zwei Untiefen durch rote Dreiecke gekennzeichnet, «damit die Schiffe nicht auflaufen», argumentiert Meyer. Er bringt auch die Pfahlbauer ins Spiel, denn zwischen der «Seerose» und der Kantonsgrenze habe es mindestens zwei prähistorische Seeufersiedlungen gegeben. «Die Strandplatte reicht vom heutigen Seeufer rund 120 Meter in den See hinaus», betonte Meyer und plädiert für den Schutz dieser archäologischen Hinterlassenschaft.

Wasserpolizei: gerade Linie gezogen

Mehr Klärung bringt die Sicht der zuständigen Wasserpolizei. «Die Bojen müssten eigentlich 50 Meter vom Ufer entfernt sein», sagt Fritz Häusermann von der Gewässerpolizei, welche die Mobile Einsatzpolizei (Mepo) für die Seen und Flüsse bereitstellt. Weil das Ufer im Schutzgebiet eine blöde Kurve mache, habe man mit den neuen Bojen auf dem See eine gerade Linie gezogen.

Suche nach rechtlicher Klärung

Zwar ist der Streit nicht weltbewegend, aber der Hobby-Kapitän ist wild entschlossen, eine rechtliche Klärung «sehr konsequent zu verfolgen». Bei einem Gespräch legt er das Bundesgesetz über die Binnenschifffahrt auf den Tisch, das die freie Schifffahrt regelt. «Die Argumentation des Kantons mit den 100 Metern ist schlicht falsch, das Gesetz mit den 50 Metern Uferabstand geht jeder Verordnung oder jedem Dekret vor», schreibt der Bootfahrer. Er kennt auch das Dekret über den Schutz der Hallwilerseelandschaft, das den See in Wasserzonen, Reservatszonen, Sperrzonen, Schutzzonen und Spezialzonen unterteilt. Auch hier ist eine dem Schilfgürtel vorgelagerte Zone von 50 Metern schriftlich festgehalten.

Werner Nussbaum hat sich bei diversen Rechtsanwälten erkundigt und «klare Antworten erhalten.» Die Saison auf dem See habe begonnen, «das bürgerliche und seemännische Ärgernis ist geblieben». Der Hobby-Kapitän will dafür kämpfen, dass der Kanton seine eigenen Gesetze einhalten soll, wie die Bürger es auch tun müssen.

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