Alliswil

«Freie Sicht auf den See ist nicht beeinträchtigt»: Architektin nimmt Stellung zum umstrittenen Bauprojekt

Der Boniswiler Ortsteil Alliswil: Der Bauernhof im Vordergrund soll der grossen Überbauung weichen.

Der Boniswiler Ortsteil Alliswil: Der Bauernhof im Vordergrund soll der grossen Überbauung weichen.

Ein Beitrag von Architektin Sara Spiro über das umstrittene Projekt, das in Boniswil aufliegt. Geplant sind 29 Wohnungen in einem 98 Meter langen Bau.

Auf die Artikel, Leserbriefe und Aktionen zum geplanten Wohnhaus in Alliswil (Gemeinde Boniswil) möchte ich hier als zuständige Architektin eine Antwort geben und verschiedene Falschinformationen richtigstellen.

Es werden die Anforderungen aufgezeigt, die wir an einen Neubau in dieser landschaftlich schönen, empfindlichen Umgebung gestellt haben und die Massnahmen erläutert, die zu ihrer Erfüllung implementiert wurden und die nun das Projekt auszeichnen.

Die Umgebung

Die Wahl des Längsbaus, seine Setzung im unteren Teil des Grundstücks ermöglicht den zusammenhängenden Freiraum im Westen. Seine Dimension erlaubt den geöffneten Bachlauf und seine Führung unterhalb des Hanges. Es entsteht entlang des gesamten Grundstückes zwischen den hangseitigen Einfamilienhaus-Parzellen und dem projektierten Wohnbau eine 17 Meter breite, unverbaubare Zone mit Bachbett und landschaftlicher Gehölzpflanzung. Dieser umfassende, 1600 Quadratmeter grosse und zusammenhängende Grünraum erzeugt eine reiche Biodiversität und bietet Lebensraum für zahlreiche Vögel und kleinere Tiere. Allgemein gilt für die Vegetation, ob Bäume, Sträucher, bodendeckende Bepflanzungen mit Stauden, Gräsern oder Wiesen, dass sie einheimisch und durch den angestrebten Artenreichtum einer ökologischen Gestaltung verpflichtet ist.

Die Architektur

Durch die Positionierung im unteren Teil des geneigten Grundstückes liegt der Baukörper tief. Mit einer Höhe hangseitig von nur 8,71 Meter über dem gewachsenen Terrain und seeseitig 11 Meter über dem tiefst gelegenen Punkt im gewachsenen Gelände befinden sich seine drei Geschosse wesentlich unterhalb des Erdgeschosses der hangseitig gelegenen Bauten. Die freie Sicht auf den See ist nicht beeinträchtigt. Die geringe Breite des Hauses lässt die Baumgruppen der Bachlandschaft mit den einzelnen Bäumen der seeseitigen Grundstücksfläche optisch verbinden. Die Bäume umschliessen den schmalen Baukörper.

Das Gebäude ist ungewohnt lang.

Das Gebäude ist ungewohnt lang.

Dieser misst 9,3 bis 11,4 Meter in der Breite und ist auf beiden Längsfassaden von durchgehenden Lauben in einer leichten Holzkonstruktion eingefasst. Diese Lauben verleihen jeder Wohnung privaten Aussenraum und verhindern, dass Vögel in die Fensterscheiben fliegen. Vor- und Rücksprünge der Fassade bilden eine rhythmische, einladende Kontur.

Der schmale, längliche Baukörper bietet auf drei Ebenen Raum für Wohnungen verschiedener Grösse, alle durchgehend von Nordost-(See) zu Südwest natürlich belichtet. Im Untergeschoss befinden sich die üblichen Nebenräume sowie ein Auto-Abstellplatz zu jeder Wohnung. Die Fahrzeuge werden ab der Dörflistrasse ebenerdig direkt ins Haus geführt und erst innerhalb des Gebäudes ins Untergeschoss geleitet. Dadurch gibt es keine Abfahrtsrampe im Aussenbereich, keinen zusätzlich verbauten Boden.

Die Menschen und das Umfeld

Der Bodenverbrauch beträgt in vorwiegend von Einfamilienhäusern bestehenden Siedlungen wie Alliswil im Mittel 95 Quadratmeter pro Kopf. Diese grosse Fläche resultiert aus der Grundfläche der Häuser, ihrer Gartensitzplätze, Garagenanbauten, Garagenvorplatz, etc.

Durch eine umsichtige Planung und einen respektvollen Umgang mit dem Boden konnte diese Fläche im vorliegenden Projekt trotz grosszügiger Wohnungen auf ca. 27 Quadratmeter pro Bewohner beschränkt werden.

Unser Ziel ist es, Menschen in Alliswil qualitäts- und niveauvollen, auch für Familien und ältere Personen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen; in einer schönen Umgebung ohne Zersiedelung der Landschaft und Belastung der Umwelt.

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