Lenzburg

Frau Stadtplanerin, wie sieht die Stadt Lenzburg im Jahr 2030 aus?

«Schon in der Bauordnung von 1933 wurde verfügt, dass der Gemeinderat berechtigt ist, Bauten, die Ortsbilder verunstalten, die Genehmigung zu versagen.»

Lenzburger Stadtplanerin Helen Bisang:

«Schon in der Bauordnung von 1933 wurde verfügt, dass der Gemeinderat berechtigt ist, Bauten, die Ortsbilder verunstalten, die Genehmigung zu versagen.»

Lenzburg revidiert die Bau- und Nutzungsordnung: Die Ansprüche an die städtebauliche Entwicklung sind hoch – auch früher schon, sagt Stadtplanerin Helen Bisang. Schon seit über 80 Jahren kann die Stadt Bauten verhindern, die Ortsbilder verunstalten.

Lenzburg 2030: Wo soll die Stadt in die Höhe wachsen? Wo gibt es für die Bewohner nahegelegene Grünflächen, wenn das Bauen auf der grünen Wiese durch innerstädtische Verdichtung abgelöst worden ist?

Mit Fragen wie diesen setzt sich der Stadtrat bei der anstehenden Überarbeitung der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) auseinander. Dies als Folge der Revision des Raumplanungsgesetzes durch den Bund und der Überarbeitung des kantonalen Richtplans. Für die Erarbeitung der neuen BNO hat der Einwohnerrat in seiner Sitzung vom kommenden Donnerstag über einen Verpflichtungskredit von 705 000 Franken zu befinden.

BNO Lenzburg

Die aktuelle BNO datiert von 1997. Die anstehende Überarbeitung schafft die Grundlage für die Entwicklung Lenzburgs in den kommenden 15 Jahren. Das ist eine grosse Herausforderung für die Stadt, sagt Stadtplanerin Helen Bisang.

Die neue Bau- und Nutzungsordnung deckt die Entwicklungsperspektiven bis 2030 ab. Wie sieht Lenzburg dann aus?

Helen Bisang: Diese Frage ist im jetzigen Zeitpunkt schwer zu beantworten. Die Entwicklung der Stadt hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Mitentscheidend sind die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen und die Anlageinteressen von Investoren und privaten Bauherrschaften.

Ihre persönliche Meinung? Welches Gesicht soll die Stadt in 15 Jahren haben?

Ich wünsche mir ein Stadtbild mit einer hohen städtebaulichen Qualität, nutzergerecht gestalteten Freiräumen und für die Bevölkerung gut erreichbaren Erholungsräumen.

Das tönt nach hohen ästhetischen Ansprüchen und nach viel Geld. Ist das in der heutigen Zeit überhaupt noch finanzierbar?

Lenzburg hatte in städtebaulicher Hinsicht schon früher sehr hohe Ansprüche. War auch mutig. Beispielsweise hat man schon in der Bauordnung von 1933 verfügt, dass der Gemeinderat berechtigt ist, «Bauten, die Ortsbilder verunstalten, die Genehmigung zu versagen». Man hat immer auch versierte Planer beauftragt, wenn es um die Stadtentwicklung ging. So wurde ebenfalls 1933 ein städtebaulicher Wettbewerb für einen Bebauungsplan für das Gebiet Wolfsacker durchgeführt. Zu dieser Zeit war dies vorwiegend in grösseren Städten üblich.

Iseli

Die neue Bau- und Nutzungsordnung soll auch die Übergänge vom Erholungs- zum Siedlungsraum regeln. (Foto: Chris Iseli)

Zur Vorbereitung auf die BNO-Revision wurde ein Strategiepapier für die Räumliche Entwicklung (RES) Lenzburgs erarbeitet. Die Bevölkerung konnte in Workshops mitarbeiten. Was ist den Lenzburgerinnen und Lenzburgern wichtig?

Der Aabachraum als Grün- und Erholungszone soll weiter aufgewertet werden mit entsprechenden Zugangsmöglichkeiten. Der Wunsch nach einer sorgfältigen und tragfähigen baulichen Entwicklung der Stadt ist gross, inklusive der notwendigen Infrastruktur. Grossen Respekt hat man vor dem wachsenden Verkehrsaufkommen, das auch durch die Bautätigkeit in der Region beeinflusst wird.

Sind diese Anliegen beim Stadtrat auf fruchtbaren Boden gefallen?

Sie werden teilweise in die RES oder direkt in die BNO-Revision, in das Freiraum- und Landschaftsentwicklungskonzept oder den Kommunalen Gesamtplan Verkehr einfliessen. Die Ergebnisse werden an einer Informationsveranstaltung am 11. November, 19 Uhr, im Weiterbildungszentrum präsentiert.

Braucht es überhaupt eine Räumliche Entwicklungsstrategie für eine BNO?

Unbedingt. Für eine BNO ist eine Gesamtansicht der Stadt und sogar der angrenzenden Räume unerlässlich. Einher mit einer Siedlungsentwicklung geht der Verkehr, welcher mit dem Kommunalen Gesamtplan Verkehr ebenfalls über die Stadtgrenzen hinweg betrachtet wird. Auch innerstädtisch müssen Siedlungs- und Verkehrsplanung koordiniert werden. Die innerstädtische Freiraumplanung und die vorhandenen landschaftlichen Gegebenheiten müssen aufeinander abgestimmt werden. Nehmen wir als Beispiel den Aabachraum. Der Übergang vom Kulturland zur Siedlung muss sorgfältig geplant werden.

Im Budget für die BNO-Revision von 705 000 Franken fallen zwei Posten ins Gewicht? Fast 300 000 Franken für Planerhonorare und 140 000 Franken für die juristische Beratung.

In einer Submission für die Planerleistungen wurde die Arbeitsgemeinschaft Planar AG für Raumentwicklung und Studio Vulkan Landschaftsarchitektur ausgewählt. Ihre Lösung für die Gestaltung des Prozesses hat am meisten überzeugt. Das Budget für die Planungskosten hat der Stadtrat bereits im Voraus definiert. Was die juristische Seite anbelangt, ist es richtig, dass der Stadtrat sich für eine unabhängige juristische Beratung entschieden hat, die den Prozess begleitet. Es wäre ärgerlich, wenn das Regelwerk zu wenig durchdacht wäre und in Baubewilligungsverfahren Widersprüchlichkeiten oder Lücken sichtbar würden.

Die revidierte BNO soll nach Möglichkeit 2018 vom Einwohnerrat vorgelegt werden. Ein ehrgeiziger Plan.

Wir sind optimistisch, dass der Zeitplan eingehalten werden kann.

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