Bezirksgericht Lenzburg
Frau randalierte auf dem Polizeiposten – das kostet sie 75 Franken

Das Bezirksgericht Lenzburg hat eine 47-Jährige zu einer Geldstrafe verurteilt, die gegenüber Polizisten handgreiflich geworden war.

Nora Güdemann
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Die randalierende Frau wurde auf dem Polizeiposten in Handschellen gelegt.

Die randalierende Frau wurde auf dem Polizeiposten in Handschellen gelegt.

Keystone

Zwei uniformierte Polizisten stehen vor dem Bezirksgebäude in Lenzburg und diskutierten – als würden sie gerade Pause machen. Minuten später sitzen die Männer jedoch im Zeugenstand des Gerichtssaals. Gegen beide läuft ein Verfahren wegen Amtsmissbrauchs und einfacher Körperverletzung. Angezeigt wurden sie von der Frau auf der Anklagebank. Dieser wiederum wirft die Staatsanwaltschaft Gewalt und Drohung gegen Beamte vor.

Auslöser für die Verhandlung vor Bezirksgericht war ein vermeintlich harmloser Besuch der Beschuldigten in einem Polizeiposten der Region. Sie habe im Dorf Plakate aufgehängt und sei von der Polizei auf ein entsprechendes Verbot aufmerksam gemacht worden. Darauf habe sie sich für einen Termin auf dem Polizeiposten angemeldet, sagte die 47-Jährige. Doch was unspektakulär scheint, eskalierte kurz darauf. Im Zeugenstand schilderte der erste Polizist es so: «Sie beschwerte sich unter anderem wegen eines Vorfalls aus der Vergangenheit. Ich sagte ihr, dass ich ihr nicht helfen könne. Sie wurde darauf laut, hat geschrien und störte die anderen Polizisten bei der Arbeit.»

Frau in Handschellen gelegt

Also habe er die Frau aufgefordert, den Posten zu verlassen. Als sie sich weigerte, habe er sie am Arm berührt. «Um zu verdeutlichen, dass es mir ernst war», so der Polizist. Zudem habe er ihr strafrechtliche Konsequenzen angedroht, sollte sie nicht aus freien Stücken gehen. «Doch sie widersetzte sich mit aller Kraft.» Da sich die Frau laut dem Beamten in einem «auffälligen psychischen Zustand» befunden habe, sah er sich gezwungen, ihr Handschellen anzulegen.

Drei Mann mussten die Frau überwältigen, sie trat die Polizisten und warf sich auf den Boden. «Schlussendlich haben wir sie ins Büro gebracht, wo sie rund 45 Minuten auf die Amtsärzte gewartet hat», schloss der Polizist seine Aussage. Nachdem auch sein Berufskollege die Geschehnisse deckungsgleich wiedergegeben hatte, kam die Angeklagte zu Wort.

Verbal «vergewaltigt»

«Das stimmt nicht!», sagte die grauhaarige Frau unter Tränen. «Ich habe mindestens vier Stunden gewartet.» Es sei der Horror gewesen, wiederholte sie mehrmals, und auch jetzt leide sie noch unter dem Vorfall. «Wenn ich die Polizei sehe, geht mein Blutdruck nicht mehr runter.» Die verheiratete Mutter von zwei erwachsenen Kindern beteuerte, dass sie ein lieber Mensch sei und niemandem etwas Böses wolle. Sie gab jedoch zu, dem Polizisten mit lauter Stimme vorgeworfen zu haben, ein Lügner zu sein – dann wollte sie gehen.

«Sie kamen zu dritt von hinten, drückten mich an die Wand, haben meine Arme auf den Rücken gerissen. Ich hatte richtig Angst», schilderte die Frau. Man habe sie verbal und physisch «vergewaltigt». Das wolle sie sich nicht gefallen lassen und habe Anzeige gegen die beiden Polizisten erstattet. Auch das Verhalten der Amtsärzte könne sie nicht nachvollziehen: «Sie haben gesagt, dass ich nicht mehr Auto fahren dürfe, meine Kinder misshandle und einen Beistand bräuchte.» Nachdem sie den Polizeiposten verlassen konnte, sei sie ins Spital gefahren. Mehrere Hämatome habe sie von der Rangelei mit den Beamten davongetragen.

75 Franken Busse

Gerichtspräsidentin Eva Lüscher war von den Schilderungen der Angeklagten nicht überzeugt: «Sie haben die Fassung verloren», so Lüscher. Sie sprach die Angeklagte der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie der Hinderung einer Amtshandlung schuldig. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Busse von 300 Franken. Diese reduzierte die Gerichtspräsidentin auf 75 Franken. Der Vorfall habe die Angeklagte mitgenommen, sie sei schon dadurch bestraft worden. Des Weiteren verurteilte Lüscher die Angeklagte zu einer bedingten Geldstrafe von 300 Franken. Ausserdem müsse sie die Anklagegebühr und die Gerichtskosten übernehmen. Die Frau verliess schimpfend den Verhandlungsraum.