Alles begann mit einem Aprikosenbaum-Spross im Garten. Familie Baur hegte und pflegte die kleine Pflanze, bis sie nach rund drei Jahren zum ersten Mal saftige Früchte erntete. Die Begeisterung bei den Familienmitgliedern war gross. Also beschloss das Landwirtpaar Urs und Fränzi Baur, auch in ihrem Hofladen in Egliswil Aprikosen anzubieten.

Die apfelgrossen Früchte kamen bei der Kundschaft gut an. Doch den Bäumen gefiel es im feuchten Klima nicht. Viele wurden krank. Letztes Jahr sind wegen des späten Wintereinbruchs sogar sämtliche Früchte erfroren. Nun soll ein Konzept aus Deutschland die Aprikosenernte im Seetal vorantreiben.

Das funktioniert so: Um die empfindlichen Bäume vor Nässe und Kälte zu schützen, werden sie in Folientunneln gepflanzt, die auch bei herkömmlichen Gewächshäusern zum Einsatz kommen. Aufmerksam auf die Methode wurde Urs Baur bei einer Studienreise an den Bodensee, die von Daniel Schnegg vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg organisiert wurde.

Mit dabei war unter anderem auch Landwirtschaftskollege Robert Siegrist aus Seengen. Er kennt die Probleme mit dem Anbau von Aprikosen ebenfalls. Im Freiland würden viele Bäume unter Pilzbefall leiden. Ausserdem seien die Blüten sehr anfällig auf Regen.

«Ein Jahr hat man Früchte, dann wieder zwei Jahre nicht», sagt der Landwirt. Auch er und seine Frau Ursula Siegrist wollen ihre Aprikosen in Zukunft im Tunnel bewirtschaften und im eigenen Hofladen verkaufen. Entsprechende Baugesuche liegen derzeit auf.

Die 4,5 Meter hohen und 8,5 Meter breiten Röhren versprechen eine Reihe von Vorteilen: Die Bäume sind vor der Witterung geschützt, es gibt weniger Baumsterben und gleichzeitig kommt weniger Pflanzenschutz zum Einsatz.

Dank einer Bewässerungsanlage erhalten die Pflanzen genügend Wasser. So können die Früchte am Baum ausreifen. «Die Aprikosen direkt vom Baum schmecken ganz anders als die von weit her importierten», schwärmt Fränzi Baur vom Eichhof.

Doch bevor die Tunnel gebaut werden können, muss der Kanton die Baugesuche genehmigen. Bei den Baurs in Egliswil sind zwei Tunnel à etwa 120 Meter mit rund 150 Bäumen geplant. In Seengen bei Familie Siegrist sollen es drei 60 Meter lange Tunnels werden. Geht alles gut, können die beiden Familien bald mit dem Bau beginnen. Und wenn sich die Natur an die Regeln hält, gibt es im Seetal in drei bis vier Jahren die ersten Tunnel-Aprikosen zu kaufen.