Es war keine schöne Nachricht, die Boniswil seiner Nachbargemeinde überbringen musste: Das erste Mal in der hundertjährigen Zusammenarbeit in der Wasserversorgung musste Boniswil den Hallwilern letztes Jahr das Wasser abdrehen. Denn der Nachbarshelfer und Versorger hatte nach der lang anhaltenden Trockenheit vom letzten Sommer irgendwann nicht einmal mehr genug Wasser, um die eigene Versorgung sicherzustellen.

Hallwil ist seit eh und je auf seine Nachbarn angewiesen, weil es selber keine Wasserquellen hat. Ausgeholfen hat Seon, das mit gleich drei Pumpwerken nicht nur sich selbst, sondern auch Gemeinden rundherum mit Wasser versorgt. Treffenderweise hat die Gemeindeversammlung von Hallwil denn auch just im vergangenen November, auf dem Höhepunkt der Trockenperiode, einstimmig einen Projektierungskredit bewilligt, der die Schaffung eines Wasserverbunds mit Seon zum Ziel hat.

Erst letzte Woche hat Leutwil die Massnahmen zum Wassersparen aufgehoben. Und nur kurz zuvor Boniswil: «Bei uns waren die Massnahmen bis vor zwei Wochen ebenfalls in Kraft», sagt Gemeinderat Rainer Sommerhalder. «Die Versorgung von Hallwil war diesen Sommer unmöglich», so Sommerhalder weiter. Erst seit kurzem ist Boniswil wieder in der Lage, Hallwil vollständig zu beliefern. Wie Hallwil streckt deshalb auch Boniswil seine Fühler für eine verstärkte Zusammenarbeit mit Nachbarn aus, erste Gespräche haben bereits stattgefunden.

Wasser aus dem Hallwilersee

Im Sommer hat der Souverän von Meisterschwanden ein für die regionale Wasserversorgung bedeutendes Projekt verabschiedet: Für gut fünf Millionen Franken soll in der Gemeinde das erste Seewasserwerk im Kanton Aargau entstehen. Das ist kein Zufall: Die Gemeinde verfügt über gute Finanzen und ist von Trockenperioden besonders stark betroffen. Im November hat Nachbar Seengen beschlossen, von dem neuen Werk Wasser zu beziehen. Und bereits gibt es Überlegungen für eine Leitung durch den See, mit der Meisterschwanden das Wasser sogar bis nach Reinach und Menziken liefern könnte.

Luxus Grundwassersee

Solche Probleme kennt man in Niederlenz nicht. Dort wurden im letzten Sommer zwar ebenfalls Wassersparmassnahmen verhängt, heikel wurde es aber nie: Lenzburg, Wohlen und Niederlenz – die Gemeinden, die vom gigantischen Grundwassersee unter Niederlenz profitieren – hätten stets die üblichen Wassermengen beziehen können, sagt Gemeindeammann Jürg Link.

Bestätigen tut das die SWL Energie AG, die Mitbesitzer und Betreiber der beiden Pumpwerke in Niederlenz ist: «Die Trockenheit war bei uns kein Thema», sagt Markus Blättler, Geschäftsführer der SWL Energie AG. «Wir haben das Glück, dass wir eine sehr ergiebige Quelle haben», führt er aus. So sei der Grundwasserspiegel im November beim Tiefststand nur fünf Zentimeter niedriger gewesen als im Vorjahr. «Auch grobe Entnahmen sind problemlos, weshalb wir von der SWL Energie AG auch dieses Jahr keinen Anlass zu Wassersparmassnahmen sahen», erklärt Blättler.

Der unterirdische See, der genau in der Kantonsmitte liegt, ist so gross, dass niemand sagen kann, wie viel Wasser er speichert. Doch: «Bei einem Extremtest haben wir einmal einen Monat lang pro Minute 28 000 Liter entnommen, und sogar das war problemlos. Der Grundwasserspiegel sank zwar etwas, erholte sich aber schnell wieder», sagt Blättler. Das entspricht 1,2 Millionen Kubikmeter pro Monat: Ein Luxus, der Begehrlichkeiten über die heutigen Abnehmer hinaus weckt.

Netz bis zum Zürichsee

Etwa beim regionalen Wasserverbund Mutschellen. Dieser ist am Wasserbezug aus dem Pumpwerk Lenzhard II in Niederlenz brennend interessiert. Gleichzeitig plant er eine Ringleitung das Reusstal hinauf bis nach Bremgarten und von dort in die Mutschellen-Gemeinden. Das Ziel ist die Erhöhung der Versorgungssicherheit im ganzen Gebiet. Klappt der Anschluss an Niederlenz, vermischt sich in den Leitungen im Freiamt in Zukunft Wasser aus dem Seetal mit solchem aus dem Zürichsee. Das zeigt, wie komplex die Wasserversorgung in der Region geworden ist. «Auch bei uns denkt man natürlich nicht nur über die Gemeindegrenzen hinaus, sondern arbeitet auch überregional zusammen», sagt Jürg Link, Gemeindeammann von Niederlenz.

Wie wichtig die Zusammenarbeit unter Gemeinden ist, zeigt auch das Beispiel von Beinwil am See: Denn obwohl die Gemeinde selber Wasser fördert, ist sie zu einem Grossteil vom regionalen Wasserverbund abhängig. Auf Wassersparmassnahmen hat die Gemeinde dennoch verzichtet: «Wir appellieren an den gesunden Menschenverstand», sagt Gemeindeammann Peter Lenzin. Er stellt aber auch klar: «Allein hätten wir wahrscheinlich nicht genug Wasser gehabt».