Lenzburg
Flohmi weckt Freude an kleinen Dingen

Im Jugend- und Kulturzentrum Tommasini war Flohmarkt – mit Ramsch und Überraschungsschnäppchen.

Peter Weingartner
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Im Jugend- und Kulturzentrum Tommasini war Flohmarkt
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Im Jugend- und Kulturzentrum Tommasini war Flohmarkt

Peter Weingartner

«Ich habe die Gelegenheit ergriffen und auch zu Hause entrümpelt», sagt Fabian Frei, der im Tommasini die Kunststätte leitet, lachend. Sein Angebot, aber auch jenes anderer Tommasini-Leute, erweitert den Flohmarkt des Hauses: Man hat den Estrich geräumt. Sonnenbrillen, Geschirr, Vinyl-Schallplatten, Schmuck, Bücher, Teedosen bietet Frei feil. «Was ist es dir wert?», fragt er die interessierte Kundschaft. Das ist seine Philosophie, und so wird er auch einige seiner Makulatur-Notizbücher los. Aber «Mandy» oder «Peter, Sue & Marc»?

Marino Galli macht im Tommasini-Deutschtreff für Geflüchtete mit. Da kommen auch Kleider zusammen, die nun eine neue Trägerschaft suchen. Schnell weg ist eine verkleinerte Nachbildung einer britischen Telefonkabine. «Ich hab sie für 10 Franken gegeben», sagt der Verkäufer. Nach dem Motto: weg ist weg.

Was haben Sie am Flohmarkt ergattert?

Fenja Bucher, 9, Schafisheim «Der Weg nach Eldorado» – dieses Buch habe ich gefunden. Ich kann selber lesen, aber heute, wenn mein Bruder und ich beim Grosi schlafen, liest sie uns daraus vor. Eine weisse Kappe hab ich auch noch gekauft.»
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Denise Hauser, 36, Lenzburg «Ich habe das Harry-Potter-Spiel «Der Stein der Weisen» gefunden. Mindestens drei Kinder und zweieinhalb Elternteile kann ich so glücklich machen. Nur eine Freundin findet Potter blöd. Doch wir kriegen sie noch herum.»
Silas Bucher, 11, Lenzburg «Ich habe eine Platte zum Pokerspielen mit Chips gekauft. Sie ist mir gleich ins Auge gestochen. Die kann ich aufklappen und auf den Tisch legen. Ich werde mit Schwester und Mutter spielen.»
Michael Madöry, 56, Lenzburg «Nostalgie! Ich habe diese einfache Kamera gekauft. Eine solche «Diana» hat mir mein Vater geschenkt, als ich in die erste Klasse ging. Drei Blendeneinstellungen und eine Verschlusszeit, das musste reichen.»
Marianne Markgraf, 64, Egliswil «Ich habe ein Notizbüchlein gefunden, das der Verkäufer selber gemacht hat. Es passt in meine Taschen, denn ich mache mir häufig Notizen aller Art: Wetter, Tagebuchartiges.»

Fenja Bucher, 9, Schafisheim «Der Weg nach Eldorado» – dieses Buch habe ich gefunden. Ich kann selber lesen, aber heute, wenn mein Bruder und ich beim Grosi schlafen, liest sie uns daraus vor. Eine weisse Kappe hab ich auch noch gekauft.»

Peter Weingartner

Und: Was nicht weggeht, riskiert die Mulde. Autoreifen samt Audi-Felgen, Stofftiere, Geschirr, Gesellschaftsspiele von Kuhhandel bis Goldesel, Snowboards, Schmuck, Radio, Kamera, Glasmurmeln, Kühlelemente, eine Gitarre, ein Shisha-Wasserpfeifenset im Koffer, Bücher, Lampen. Stöbern bei Schuhen und Kleidern ist so erwünscht wie schmökern im «Atlas der Globalisierung» oder in der «Illustrierten Geschichte der Schweiz». Und so unterschiedlich wie die Gegenstände auf den Auslagen, so unterschiedlich ist der Soundtrack dazu. Vom afrikanischen Hymnus über schmissigen Jazz bis zum Geplärre von Mungo Jerry: Lady Rose.

«Ein Blindfang», sagt eine Frau mittleren Alters zur Lampe, die sie für einen Fünfliber ersteht. Die Testbirne war bereits kaputt, also weiss sie nicht, ob Fassung und Kabel richtig kontakten. Seis drum: ein Fünfliber fürs Tommasini. Auf eine Trouvaille stösst Fabian Frei – ja, wer verkauft, darf auch kaufen! Er kriegt sich fast nicht mehr ein in seiner kindlichen Freude über die neuste Errungenschaft: ein Pop-up-Buch, das die Geschichte von Dracula in papierner Dreidimensionalität erzählt! Da kann er «Peter, Sue & Marc» leicht in die Mulde werfen.