Über den Reben an den Sonnenhängen des Hallwilersees liegt derzeit eine weisse Schicht. Nicht zu übersehen ist diese an der Kantonsstrasse in Seengen.

Was nach Mehl aussieht, ist Kaolin, ein Bio-Mittel gegen die Kirschessigfliege. Nach Frost und Mehltau kämpfen die Winzer gegen die Killerfliege, die sich 2014 erstmals in die Rebberge verirrt und Schäden verursacht hatte. 2016 werden noch grössere Ausfälle befürchtet, vor allem im Fricktal.

In der Region Aarau und Lenzburg beschäftigt die Kirschessigfliege die Weinbauern unterschiedlich. In Seengen probiert Thomas Lindenmann den Massenfang mit 1600 Fallen. Das Ausmass der Schäden sei derzeit nicht absehbar.

Auch der Küttiger Winzer Peter Wehrli hat gegen die Kirschessigfliege Fallen gestellt, «doch es ist momentan alles im grünen Bereich». Wehrli will mit dem Einsatz von Koalin zuwarten. «Wegen des heissen Wetters sind die Männchen unfruchtbar und können sich nicht paaren.» Für dieses Jahr rechnet der Familienbetrieb Wehrli mit einem «schönen Jahrgang, sowohl qualitativ als auch quantitativ».

Einbussen von 50 Prozent

Glück hatten bisher die Oberentfelder: «Uns ist bisher noch keine Kirchessigfliege in die Falle gegangen», sagt Tom Rodel, Präsident des Engsteler Weinbauvereins. Die Vorsichtsmassnahmen haben die Vereinsmitglieder aber getroffen, 250 Fallen haben sie in den letzten Tagen in den 54 Reihen im Gebiet Engstel verteilt. «Die Angst vor der Fliege ist relativ gross», gesteht Rodel. Aber man könne nicht mehr tun als hoffen und beten, dass der Schädling die Stöcke verschont.

Nicht verschont blieben die Oberentfelder Trauben vom Frost und der anschliessenden Verrieselung, einer Befruchtungsstörung. «Zum Teil haben wir Stiele mit nicht mehr als vier oder fünf Beeren», sagt Rodel.

Das schlägt sich auf den Ertrag nieder; Rodel rechnet mit einer Einbusse von gut 50 Prozent. «Normalerweise wümmen wir rund 1000 Kilogramm Trauben, dieses Jahr werden es wohl nur rund 500 Kilogramm sein.»

Das Problem: Beim Rebhang in Gränichen mit rund 100 Stöcken Färbertrauben, der ebenfalls vom Verein bewirtschaftet wird, rechnet Rodel mit einem Totalausfall.

Geht man davon aus, dass ein Kilogramm Trauben eine Flasche Wein ergibt, wird der Oberentfelder Ortsbürgerwein 2016 ein doch recht rares Gut werden. «Ein rares, aber gutes», hofft Rodel. Denn die aktuellen Wetterbedingungen sind optimal: Der morgendliche Bodennebel sorgt für genügend Feuchtigkeit und die warme Sonne jagt die Oechslegrade in die Höhe. «Jetzt hoffen wir, dass das gute Wetter noch etwas anhält», sagt Rodel. Die Wümmet ist Stand heute auf Mitte Oktober angesetzt.

Fallen auch in Lenzburg 

Noch keine Prognose wagt die Lenzburger Rebbauern-Vereinigung mit den Ortsbürger-Reben am Schlossberg. «Der Ertrag wird aber unter dem langjährigen Durchschnitt liegen», sagt der Rebberg-Verantwortliche Kurt Wernli – dies vor allem wegen Frostschäden im April. Nach einer Mehltau-Infektion im Juni, die zu weiteren Reduktionen führte, sei nun die Kirschessigfliege im Anflug.

Die Ortsbürger-Rebbauern haben deshalb mehrere hundert Lock-Flaschen aufgehängt. In diese Fallen sind einige Fliegen reingeflogen. «Wir werden das noch verstärken», sagt Wernli. Später werde man eventuell das Bio-Mittel Kaolin einsetzen.