Zum Start der Premiere von «Ueli de Chnächt 2016» wand sich ein Regenbogen vom Staufberg Richtung Lenzburg. Dem Naturspektakel folgte ein Feuerwerk mit einer Mischung aus tiefgründigem, lebendigem Laientheater und munteren Musicalszenen.

Die neuste Produktion des Vereins Freilichttheater Staufberg liess niemanden auf der voll besetzten Tribüne hoch über dem Aare- und Seetal unberührt. Dies lag zum einen an der gelungenen Umsetzung des vor 175 Jahren von Albert Bitzius alias Jeremias Gotthelf verfassten Stoffes über den herzensguten, aber in vielen Belangen naiven Ueli in die Neuzeit. Zum andern an der jederzeit spürbaren Spielfreude der rund 60 Mitwirkenden.

Von Alphorn bis James Bond

Der riesige Aufwand hat sich für Produktionsleiter Markus Moser und seine Mitstreiter gelohnt. Und der schweisstreibende Aufstieg auf den Staufberg lohnt sich für die Zuschauer. In der nach eigenen Angaben schönsten Gartenbeiz des Kantons können verlorene Kalorien mit Emmentaler Kost kompensiert werden.

Das von Peter Locher als Autor verfasste und als Regisseur in die mit aufwändigen Bauten ergänzten Naturbühne übertragene Stück bezieht seine Spannung aus einer Zeitreise von Gotthelfs Paradefigur Ueli.

Fünf junge Leute unserer Zeit finden in einem verlotterten Bauernhaus, wo sie ein Wochenende «abhängen» wollen, ein Buch von «Jerry Gotthelf» – allerdings in der alten Frakturschrift. Bald tauchen die historischen Figuren aus «Uli der Knecht» in Natura auf. Das Gegenwarts-Quintett sieht und hört die bekannten Personen, jedoch nicht umgekehrt.

Das Interesse an den Intrigen im privaten und landwirtschaftlichen Umfeld nimmt bei den Jungen zu. Parallelen zur aktuellen Zeit sind immer offensichtlicher. Ein verlorenes und von Ueli (Markus Furer) gefundenes Handy stellt die Verbindung her. Obwohl im entscheidenden Moment der Akku leer ist, gibt es ein Happy-End mit Vreneli (Bettina Leutwiler).

Zum Genuss wird der Abend auch durch die kongeniale Musik des Staufners Urs Erdin, die die Diskrepanz der Epochen unterstreicht: Volksmusik mit Alphorn wechselt mit Jazz-Groove und geht bis zum James-Bond-Thema. Da schaut man gern über die unterschiedliche Qualität der Singstimmen hinweg.

Aufführungen Bis 2. Juli jeweils Donnerstag bis Samstag; Zusatzvorstellungen am 22. und 29. Juni. Beginn 20.15 Uhr. Theaterbeiz ab 18 Uhr. – www.theater-staufberg.ch.