Grosse Brandschäden

Feuer zerstört auch schönen Mühle-Festsaal aus dem 17. Jahrhundert

Der Brand in der denkmalgeschützten Unteren Mühle in Seon hat grosse Schäden verursacht. Besitzer André Zemp gibt sich dennoch nicht geschlagen und will das Gebäude wie geplant in ein Event-Lokal umbauen.

Wo über drei Jahrhunderte hinweg vergnügt das Tanzbein geschwungen wurde, knirscht es jetzt bei jedem Fusstritt. Der repräsentative Festsaal im 3. Stock der Unteren Mühle liegt in Schutt und Asche.

Die weissen Stuckdecken aus den Anfängen des 17. Jahrhunderts sind dem verheerenden Brand vor einer Woche zum Opfer gefallen; der Boden ist übersät mit verkohlten Trümmern, an denen noch immer der beissende Gestank von Rauch klebt.

Verheerend: Das Feuer in der Unteren Mühle in Seon hat grossen Schaden angerichtet. (Dezember 2014)

Verheerend: Das Feuer in der Unteren Mühle in Seon hat grossen Schaden angerichtet.

«Der Anblick macht traurig», sagt Besitzer André Zemp beim Rundgang durch die Mühle.

Dabei zeigt sich das Ausmass des Brandes: Nebst dem Festsaal und Nebenräumen zerstörten die Flammen den darüberliegenden Dachstock samt den alten Ziegeln.

Die Flammen hatten leichtes Spiel: Hinter den Gipswänden liegen Strohmatten, über die sich das Feuer schnell ausbreiten konnte.

Es ist dem raschen Einsatz der Feuerwehren Seon-Egliswil und Lenzburg zu verdanken, dass der Brand schnell unter Kontrolle war. Dennoch entstand ein immenser Sachschaden, der auf mehrere hunderttausend Franken geschätzt wird.

Das Feuer war jedoch nur das eine. Weitere grosse Schäden verursachte das Löschwasser. Wände sind immer noch nass, Decken hängen durch und die Räume werden auch eine Woche nach dem Brand noch entfeuchtet.

«Wir müssen wegen des Wassers unter anderem das aus dem 18. Jahrhundert stammende, sehr gut erhaltene Täfer im 1. Stock entfernen, um dieses denkmalpflegerisch zu überprüfen und später wieder einzubauen», sagt André Zemp. «All diese Schäden sind schlimm. Vieles kann man rekonstruieren, ist dann aber nicht mehr alt.» Als kleiner Trost sei wenigstens das repräsentative Turmzimmer heil geblieben.

Brand richtet grossen Schaden an der alten Mühle in Seon an

Brand richtet grossen Schaden an der alten Mühle in Seon an

Die Mühle wird zum Event-Lokal

Der Brand war bei Umbauarbeiten ausgebrochen. André Zemp lässt die im Jahr 1600 erbaute und seit 1960 unter Denkmalschutz stehende Untere Mühle seit kurzem auf eigene Kosten renovieren und restaurieren, nachdem das grösste spätgotische Gebäude im Seetal über 30 Jahre leer stand und vom Vorbesitzer vernachlässigt worden war. «Meine Frau und ich konnten nicht mitansehen, dass so ein schönes Gebäude verlottert.»

Vor zweieinhalb Jahren wurde nach langen Vorbereitungen der Kaufvertrag unterschrieben, die Planung für den Umbau war dann infolge zahlreicher Auflagen noch aufwendiger.

André und Bernadette Zemp haben in der Unteren Mühle grosse Pläne: Der ursprünglich bis ins 15. Jahrhundert zurückgehende Mühlen-Komplex mit Hauptgebäude, Scheune, Aabach-Kanal und Inseli soll wieder in neuem Glanz erstrahlen.

Zemps planen den früheren Mühleraum im Erdgeschoss in ein Lokal für öffentliche Ausstellungen, Konzerte und weitere (private) Anlässe umzubauen. Weiter wird das Aussen-Mühlerad wieder hergerichtet und das Aabach-Inseli neu gestaltet, um hier unter anderem Apéros in lauschiger Umgebung servieren zu können.

In der Planung waren auch der Gemeinderat und die Denkmalpflege involviert. «Wir sind froh, dass hier etwas geht», sagte Ammann Heinz Bürki an einer Begehung vor einem Jahr.

Grosses Einweihungsfest

Für André und Bernadette Zemp ist dieses Engagement eine Herzensangelegenheit. Geld verdienen lässt sich damit nicht, im Gegenteil.

Daran ändern auch die Mietwohnungen wenig, die in den oberen Stockwerken der Mühle und im Anbau vorgesehen sind. «Wir habe einfach Freude an solch alten Gebäuden, die eine lange Geschichte haben», sagen die beiden.

An den Umbauplänen soll der Brand nichts ändern. «Wir ziehen das durch», sagt André Zemp – auch, weil die Mühle den Seonern am Herzen liegt. «In Briefen haben uns viele Einwohner aufgemuntert, weiterzumachen.»

Wegen der Schäden muss aber eventuell das für Oktober 2015 geplante Einweihungsfest verschoben werden. Das Warten soll sich aber lohnen. Zemps versprechen: «Die Untere Mühle wird ein Bijou.»

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