Lenzburg
Feuer und Flamme für Feuersteine

Der vom Stadtrat gewählte neue Vermittler für Experimentelle Archäologie beim Museum Burghalde heisst Kurt Altorfer und ist ausgewiesener Spezialist für Feuersteine (Silex) und Feuchtbodensiedlungen (Pfahlbauten).

Heiner Halder
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Kurt Altorfer, neuer Museum-Burghalde-Experimentalarchäologe, ist Spezialist für Pfahlbauer und Silex. HH.

Kurt Altorfer, neuer Museum-Burghalde-Experimentalarchäologe, ist Spezialist für Pfahlbauer und Silex. HH.

Der in Wetzikon wohnhafte Nachfolger von Max Zurbuchen tritt sein 50-Prozent-Pensum in Lenzburg am 1. November an.

«Das Museum Burghalde bietet mir die einzigartige Chance, hauptberuflich die Experimentelle Archäologie fest angestellt bei einer Institution ausüben zu können – das ist einmalig in der ganzen Schweiz», freut sich der 40-Jährige.

Im Lenzburger Stadtmuseum sieht er das Potenzial, nachhaltig etwas auf- und wenn möglich ausbauen zu können: «Der Grundbestand ist vorhanden und der Wille dazu». Dies entspricht durchaus den Vorstellungen des Museums-Stiftungsrates, welcher die neue Stelle von der Ortsbürgergmeind im Dezember 2011 bewilligt erhielt.

Die Stärkung des Standbeins Urgeschichtsvermittlung wird vom Kanton neu mit finanziellen Mitteln aus dem Swisslos-Fonds unterstützt. Damit ist und bleibt das Museum Burghalde über die Region hinaus führend im prähistorischen Bereich, was Theorie und Praxis betrifft.

Kurt Altorfer sieht darin eine Vervollständigung des Aargauischen Angebotes auf dem Gebiet der Geschichtsvermittlung, welche mit den Aktivitäten des Museums Aargau bereits gut abgedeckt ist. Deshalb sucht er die verstärkte Zusammenarbeit mit der Kantonsarchäologie.

Das ist im Zusammenhang mit der Aufnahme der Pfahlbauten ins Unesco-Welterbe von besonderer Bedeutung. «Da hat das Museum Burghalde gemäss seiner Stellung geradezu eine Verpflichtung», hält der studierte Archäologe fest. Nicht zufällig ist er aus einer grossen Zahl von Bewerbungen nach Lenzburg gewählt worden. Altorfer ist spezialisiert auf «Feuchtbodensiedlungen», wie der neue Fachausdruck lautet. Unter anderem leitete er Ausgrabungen von Ufersiedlungen und deren Auswertung am Zürchersee und Pfäffikersee. Weitere Arbeitsgebiete waren Grabungen im Kanton Schaffhausen, wo er in Gächlingen «das älteste Bauerdorf der Schweiz» (5300 vor Christus) entdeckte.

Wichtige Vermittlung

Nebst der Präsentation aus dem reichen Fundus von Original-Objekten vom Hallwilersee, welcher von der Kantonsarchäologie zur Verfügung gestellt wird, steht im Museum die Vermittlung im Vordergrund. Unzählige Schulklassen, aber auch Familien lernen in der Urgeschichtswerkstatt – durch Hand anlegen und harte Knochenarbeit – im wahrsten Wortsinn, Lebensweisen und Techniken unserer Vorfahren zu be-greifen.

Mit Blick in die Zukunft ergibt sich für Kurt Altorfer zudem die Möglichkeit für Forschungsarbeit. Das Museum Burghalde verfügt nämlich über eine bedeutende Silex-Sammlung, und der Experimentalarchäologe ist Feuer und Flamme für den Feuerstein. Immerhin ist er für die Uni Basel an der Doktorarbeit zum Thema «Rohstoffversorgung, Kommunikationsnetze und Silextechnologie in Neolithikum und Bronzezeit». Bereits hat er drei Fachschriften und zahlreiche Artikel zu den Themen Pfahlbauer und Silex verfasst.