Er ist 29 Jahre alt. Der Entschluss, sich um ein Stadtratsamt zu bewerben, ist im letzten Jahr in Südafrika gereift. Auf der Hochzeitsreise. Noch unterwegs machte Andreas Schmid seiner frisch angetrauten Romi sein Interesse an einer Kandidatur schmackhaft. Später dann auch seiner Partei.

Diese ersten zwei Hürden hat Schmid erfolgreich überwunden. Die FDP Lenzburg schickt den Kommunikationsprofi und Leiter der Sozialhilfe des Kantons Solothurn in das Rennen um den frei werdenden Sitz von Stadträtin Heidi Berner (EVP). Mit Schmids Kandidatur wird nun in Lenzburg ein echter Wahlkampf möglich. Als erste Partei hat die Grünliberale Partei kürzlich Beat Hiller portiert. Hingegen verzichtet die grösste Partei Lenzburgs, die SVP, auf einen eigenen Kandidaten und unterstützt die Wahl von Andreas Schmid (siehe separates Interview). Ob es bei den beiden Männern bleibt, ist noch offen. Die linke Seite hält sich nach wie vor bedeckt. Ob sie in der Lage ist, die (fehlende) Frau als Kontrahentin zu den beiden Männern zu präsentieren?

Kompetenz im Sozialbereich

Mit Andreas Schmid setze die FDP auf eine junge, engagierte und stark verwurzelte Persönlichkeit mit grosser Erfahrung im Sozialwesen, teilt die FDP mit. Zusammen mit dem Bisherigen Martin Steinmann treten die Lenzburger Freisinnigen nun mit einem Zweierticket zu den Wahlen im Herbst an. Bis 2005 war die FDP mit zwei Vertretern im Stadtrat präsent gewesen.

Mit Bekanntgabe von Schmids Kandidatur verweist die FDP zugleich auf dessen Fachkompetenz im Sozialwesen, dem heute von Heidi Berner geführten Ressort im Stadtrat. Parteipräsident Adriano Beti hält fest: «Mit Andreas Schmid präsentiert die FDP der Lenzburger Wahlbevölkerung einen ausgewiesenen Experten. Seit mehr als zwei Jahren ist er im Kanton Solothurn für die Sozialhilfe verantwortlich und verfügt als Leiter einer kantonalen Fachstelle auch über die notwendige Führungserfahrung. Er ist mit den Handlungsfeldern bestens vertraut und kennt die richtigen Antworten auf die Herausforderungen im Sozialwesen.» Andreas Schmid ergänzt: «In meiner täglichen Arbeit komme ich zu Fachwissen, das ich bei einer allfälligen Wahl gut einbringen kann.» Es sei ihm aber klar, dass er als «Neuer» hintenanstehen müsste bei der Ressortverteilung.

Politischer Leistungsausweis

Dem jugendlichen Alter zum Trotz verfügt Andreas Schmid bereits über ein beachtenswertes politisches Palmarès. Seit sechs Jahren sitzt er im Einwohnerrat, ist dort Mitglied der Einbürgerungskommission. Er präsidiert die Bezirkspartei und sitzt in der Geschäftsleitung der FDP Aargau. Dort ist er zudem Mitglied der Fachkommission Gesundheit und Soziales. Wird Schmid im Herbst gewählt, so ist er mit Abstand der jüngste Stadtrat in der Geschichte Lenzburgs.

Wird sich Schmids jugendliches Alter bei einer allfälligen Wahl in den Stadtrat bemerkbar machen? Andreas Schmid lacht. «Hoffentlich. Ich verkehre in jungen Kreisen und nehme auf dieser Ebene wahr, was in der Stadt passiert. Ich möchte aber nicht nur ein Stadtrat für die Jungen, sondern für alle Lenzburger sein.»

Zu den Herausforderungen Lenzburgs in den kommenden Jahren zählt Andreas Schmid das Wachstum der Stadt. «Das Bevölkerungswachstum muss verdaut werden. Lenzburg darf keine Schlafstadt werden. Wir müssen den Neuzuzügern die Türen zum kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Leben öffnen.»

Politisch ambitioniert

Übrigens: Darf man dem Bonmot, welches in Lenzburg in gewissen Kreisen die Runde macht, Glauben schenken, so zündet Andreas Schmid mit dieser Kandidatur seine politische Karriere erst so richtig. Offenbar hat der junge Stadtratskandidat noch ganz andere Ambitionen. Es wird nämlich kolportiert, dass klein Andi, einst auf seine beruflichen Pläne angesprochen, gesagt haben soll: «Ich werde dereinst Bundesrat.»