In der Polizeimeldung vom Freitagmorgen ist von einem «63-jährigen Schweizer aus dem Bezirk Kulm» die Rede, der bei Lenzburg in einen Unfall verwickelt war. Dieser fuhr am Donnerstag, 17.15 Uhr, auf der Seonerstrasse in Lenzburg mit seinem Mercedes stadteinwärts. 

Auf einer geraden Strecke, Höhe Schwimmbad, geriet er aus noch ungeklärten Gründen unvermittelt über die Fahrbahnmitte und kollidierte frontal mit einer Rollerfahrerin, die in Richtung Seon unterwegs war. Die 17-Jährige ist durch die Kollision schwer verletzt worden. 

Das sagte der Aargauer Polizei-Medienchef Roland Pfister am Unfallort zum Unfallhergang und zu den Verletzungen der Rollerfahrerin. (10.9.2015)

Das sagte der Aargauer Polizeisprecher Roland Pfister am Unfallort zum Unfallhergang und zu den Verletzungen der Rollerfahrerin.

Ein in Seon wohnhafter Augenzeuge sagte gegenüber der az, dass es sich beim Autofahrer um FDP-Präsident Philipp Müller handelt: «Ich bin zufällig am Unfall vorbeigefahren. Dabei sah ich, wie Philipp Müller am Strassenrand mit den Polizisten diskutierte. Er machte einen ruhigen, gesunden Eindruck.»

Dass Philipp Müller in einen Unfall verwickelt war, hatten auch die Veranstalter des Wahlpodiums «PerspectiveCH» vom Donnerstagabend in Lupfig AG bestätigt. Der FDP-Präsident könne wegen eines Unfalls nicht am Podium teilnehmen, teilten sie dem Publikum mit.

Polizeiarbeiten am Unfallort (10.9.2016)

Polizeiarbeiten am Unfallort am Donnerstagabend.

Am Freitagmorgen sagte FDP-Kommunikationschef Georg Därendinger auf Anfrage der az: «Philipp Müller geht es gut.» Den Unfall kommentieren wollte er bis dahin noch nicht, er verwies auf Philipp Müller persönlich. Dieser hat auf mehrmalige Anfragen der az bisher nicht reagiert.

Stattdessen verschickte die FDP Schweiz, nachdem die az die Unfallbeteiligung Müllers publik machte, eine Medienmitteilung (siehe Box). Darin schreibt sie: «Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, bitten wir Sie um Verständnis, dass wir zurzeit keine weiteren Auskünfte geben können.»

Roland Pfister, Medienchef der Kantonspolizei Aargau, bestätigt schliesslich auf Anfrage der az, dass Philipp Müller den Unfall in Lenzburg verursacht hat. 

Die Kantonspolizei nahm dem Schweizer FDP-Präsidenten den Führerausweis vorläufig ab. Laut Roland Pfister ist dies das Standardvorgehen bei einem Unfall, bei dem eine Person schwer oder gar tödlich verletzt wird.

Wie üblich bei solchen Unfällen wurde auch eine Blut- sowie eine Urinprobe vom Unfallverursacher genommen. «Anzeichen von Alkoholeinfluss gibt es keine», hält Pfister fest. Ob der FDP-Politiker den Führerausweis zurückerhält, darüber dürfte das Strassenverkehrsamt in den nächsten Tagen entscheiden. 

Hier kam es zum Unfall:

Hier kam es zum Philipp-Müller-Unfall

Nach dem Bericht der Aargauer Zeitung verschickt die FDP Schweiz eine Medienmitteilung. Das Informationsschreiben im Wortlaut: «Sehr geehrte Damen und Herren, zu Ihrer Information: Philipp Müller war gestern Donnerstagnachmittag in Lenzburg in einen Unfall mit einer Rollerfahrerin verwickelt. Eine Frau wurde dabei verletzt. Sie ist in ärztlicher Behandlung. Zurzeit ist nur bekannt, dass sie nicht in Lebensgefahr ist, aber Beinverletzungen hat. Es besteht die Vermutung, dass Philipp Müller den Unfall verursacht habe. Zurzeit läuft eine entsprechende Untersuchung. An der Unfallstelle wurde sofort ein Alkoholtest gemacht, der 0.00 Promille ergab. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt bitten wir Sie um Verständnis, dass wir zurzeit keine weiteren Auskünfte geben können.»

Schwer verletzt mit TCS-Heli ins Spital

«Die Rollerfahrerin zog sich schwere Beinverletzungen zu», so Kapo-Medienchef Roland Pfister weiter. «Sie ist aber nicht lebensgefährlich verletzt.» Rasch leisteten Drittpersonen Erste Hilfe. Ein TCS-Rettungshelikopter flog sie schliesslich ins Spital.

Müller selber blieb laut Kantonspolizei unverletzt. Das bestätigte auch die FDP Schweiz in der Medienmitteilung. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hat zur Klärung des Unfallhergangs eine Strafuntersuchung eröffnet.

Die Unfallstelle musste für mehrere Stunden gesperrt werden. Die Feuerwehr richtete eine Umleitung ein. Die betroffene Strecke zwischen Seon und Lenzburg konnte um zirka 22.45 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben werden. Der Sachschaden an den Fahrzeugen beträgt mehrere zehntausend Franken.