2. Liga
FC Lenzburg punktet trotz Skandal-Video

Die Schlagzeilen neben dem Platz konnten den Lenzburgern zumindest sportlich nichts anhaben dieses Wochenende.

Jonas Burch
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Normalbetrieb auf der Wilmatten: Lenzburg schlägt Olten zu Hause mit 3:1 und bleibt in der Meisterschaft auf Kurs. Schmid

Normalbetrieb auf der Wilmatten: Lenzburg schlägt Olten zu Hause mit 3:1 und bleibt in der Meisterschaft auf Kurs. Schmid

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: «Sex-Skandal beim FC Lenzburg!» In Lenzburg? Bei diesem beschaulichen Klub? Auf einmal war der 2.-Liga-inter-Aufsteiger das Gesprächsthema der Schweiz – wider Willen und ohne Vorankündigung.

Wenige Stunden nach der Enthüllung im «Blick» vom Samstag standen die Lenzburger zu Hause gegen Olten bereits wieder auf dem Platz. Doch wie reagieren die Zuschauer, die Öffentlichkeit, ja die Spieler selbst? Ein Augenschein vor Ort machte schnell deutlich: Es herrscht absoluter Normalbetrieb. Keine Schaulustigen, kein Medienrummel, keine Nebenschauplätze.

Die gut 100 Zuschauer diskutierten über das Traum-Comeback von Dortmunds Shinji Kagawa, über den Davis-Cup oder einfach darüber, ob sie nach dem Spiel ins Kino oder noch in den Ausgang gehen sollen.

Spiel unter speziellem Stern

In Luft aufgelöst hat sich die Schlagzeile aber nicht. «Das Spiel stand natürlich unter einem speziellen Stern. Auch ich war gespannt, wie die Partie ablaufen wird», sagte ein Anhänger des FC Olten. Umso erstaunter musste er nach Spielschluss anerkennen: «Eigentlich war das ein Spiel wie jedes andere auch.»

Beim FC Lenzburg hält man den Ball ebenfalls flach. Zumal das Thema intern bereits seit drei Monaten aus der Welt geschafft wurde. «Natürlich ist dieses öffentliche Interesse unangenehm. Aber wer sich beim Heimspiel selber ein Bild gemacht hat, merkt schnell, dass sich nichts verändert hat», sagte Co-Präsident Philipp Isler.

Tatsächlich. Nach 90 Minuten musste man sich fragen, ob es wirklich dieser FC Lenzburg ist, der plötzlich in aller Munde war. Denn normaler konnte ein Fussballspiel kaum ablaufen. «In wenigen Wochen hat man diese Story schon längst vergessen. Immerhin kennt ja jetzt jeder den FC Lenzburg», nimmts ein Besucher mit Galgenhumor.

Sportlich konnte die Geschichte der 1. Mannschaft nichts anhaben. Mit 3:1 schickte sie die Solothurner auf die Heimreise und setzt sich in der Tabelle im vorderen Drittel fest. Trainer Herbert Koitzsch wand seinen Jungs ein Kränzchen: «Wahrscheinlich wird jeder Spieler bei der Arbeit auf diese Story angesprochen. Wie das Team den Rummel 90 Minuten ausblenden konnte, verdient Respekt.»