Es ist sehr weiss, sehr hell und in den Zimmern stehen Hightech-Geräte. Was sich ein bisschen anfühlt wie ein Raumschiff, ist die neu eröffnete Radiologiepraxis von Reto Eichenberger. Über ein Jahr lang hat er das Eckhaus an der Poststrasse 8/Hintere Kirchgasse 13 umgebaut. Wo sich früher die legendäre Vereinsstammbeiz Central und später das vietnamesische Restaurant Long Long befanden, nimmt die neue Radiologiepraxis drei Stockwerke ein. Nach der Klinik Skinmed von Dermatologe Felix Bertram, die im Oktober im Quartier «Im Lenz» eröffnet wurde, hat Lenzburg mit der Radiologiepraxis innert kurzer Zeit eine zweite Spezialpraxis bekommen.

In seiner Praxis bietet der Radiologe, der zuletzt am Unispital Basel als Oberarzt gearbeitet hat, ein breites Spektrum der modernen radiologischen Bildgebung an: Ultraschall, Röntgen, Magnetresonanztomographie (MRI), Computertomographie (CT). Die Lenzburger Radiologiepraxis ist die einzige im Bezirk Lenzburg. Die nächste Radiologiepraxis ist in Aarau, ansonsten müssen Patienten für ein MRI ein Spital aufsuchen.

«Die Praxis ist seit Montag dieser Woche geöffnet und die ersten Patienten konnten schon untersucht werden», sagt Reto Eichenberger. Seit sechs Wochen ist das Team am Einrichten der Praxis. «Eine Woche vor Eröffnung wurden Termine entgegengenommen.» Die Patienten werden vom Haus- oder Spezialarzt in die Praxis überwiesen, mit enger Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Ärzten. «Für die Patienten ist es ein Vorteil, wenn sie die Untersuchungen in ihrer Region machen können.» Die gesamte Praxis in Lenzburg ist mit Rollstuhl über den Hintereingang erreichbar.

Dritter Radiologe folgt

Zu Eichenbergers Team gehören zwei Radiologiefachfrauen und eine medizinische Praxis sowie eine zweite Ärztin, Susan Ghods. Sie ist Fachärztin für Radiologie und Neuroradiologie. Im Sommer nächsten Jahres soll noch ein dritter Radiologe dazustossen, auch im Hinblick auf die zusätzlichen Mammografie-Untersuchungen, die ab Mitte 2019 angeboten werden, sagt Eichenberger.

Reto Eichenberger wollte ursprünglich Ingenieur oder Arzt werden. «Mit der Radiologie habe ich eine Disziplin gefunden, die beide Leidenschaften an der Schnittstelle von Medizin und Technik vereint.» Er arbeite gerne mit Menschen. Die Radiologie sei eine Disziplin, die sich für ambulante Behandlungen ideal eigne, sei es die präoperative Thoraxuntersuchung, Brustkrebs-Früherkennung mittels Mammografie, bei unklaren Rückenschmerzen, unklaren Kopfschmerzen oder einem verdrehten Knie mittels MRI.

Kältemaschine auf dem Dach

Von aussen sieht man dem Gebäude nicht an, was es beheimatet. Das historische Haus mit Baujahr 1881 wurde in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt, die Sandsteinfassaden an das Nachbarhaus angepasst. «Das Gebäude ist nach gründlicher Planung von Grund auf neu konzipiert worden, unter Erhalt der alten Gewölbe im Keller – wie von der aargauischen Denkmalpflege gefordert – mit neuen stabilen Betonböden, modernster Technik wie Lüftung und Klimageräten, Strahlenschutz, Lift bis ins Dachgeschoss und einer tollen Wohnung über den Dächern der umliegenden Liegenschaften», sagt Eichenberger. Es gab viele Vorgaben zu erfüllen. Im Keller befindet sich die Heizung, auf dem Dach – so versteckt, dass man sie vom Schloss aus nicht sehen kann – die Kältemaschine. Diese ist für eine Röntgenpraxis unabdingbar, da das MRI eine konstante Raumtemperatur um 21 Grad so wie eine permanente Lüftung benötigt. Einen Raum mit von Patientenakten überquellenden Ordnern sucht man im Haus vergeblich und dies ist nicht der erst kurzen Betriebsdauer verschuldet. Das Archiv ist digital und braucht auch bei der mehrfachen Sicherung weniger Platz als die analoge Variante.

Reto Eichenberger freut sich auf den Kontakt mit den Patienten. Für ihn ist der persönliche Service unerlässlich. «Denn die Geräte können noch so genau arbeiten, schlussendlich gehört der gute menschliche Kontakt zu einem guten Ergebnis dazu.»