Dass der wegen Vermögensdelikten strafverfolgte Rechtsanwalt Roland Padrutt den Handwerkern in seiner Villa Malaga viel Geld schuldet, sorgt in Lenzburg für Aufregung.

Padrutt erwarb das herrschaftliche Anwesen, in dem einst ein spanischer Ex-Konsul und Malaga-Händler residiert hatte, von der Stadt Lenzburg. Diese wiederum bekam die Villa 1970 geschenkt – mit der Auflage, sie kulturell oder gemeinnützig zu verwenden.

Dass sie viele Jahre später trotzdem verkauft werden konnte, begründet der Stadtrat mit der Rückstellung des Gewinns für die Standortevaluation der Kulturinstitution Stapferhaus. Dass Padrutt als Meistbietender den Zuschlag erhielt, ist für eine Online-Leserin aber mehr als fragwürdig: «Wird da eigentlich nicht genauer hingeschaut?!» – «Es kann doch nicht sein, dass die Stadt mit einem solchen Gauner noch Geschäfte macht!», regt sich W.M. auf.

Zuschlag Anfang November 2010

Die Strafuntersuchung wurde im Dezember 2010 eröffnet. Dass der Verkauf der Villa Malaga nicht in der entsprechenden Jahresrechnung der Stadt auftaucht, lässt darauf schliessen, dass er erst 2011 über die Bühne ging. Diese Abrechnung liegt noch nicht vor.

Hätte der Stadtrat zum Zeitpunkt des Verkaufs also wissen können, dass gegen Roland Padrutt ermittelt wird? Oder sogar wissen müssen?

Schliesslich war die Staatsanwaltschaft aufgrund der Strafanzeige eines möglichen Tatbestandes aktiv geworden, der zwar kurz vor der Verjährung stand, sich aber in Lenzburg abgespielt hatte und zehn Jahre später in der fristlosen Absetzung Padrutts als Geschäftsführer einer grossen Wohnbaugenossenschaft seinen vorläufigen Höhepunkt fand.

Auf Anfrage teilt Stadtammann Hans Huber mit, der Verkauf der Villa Malaga an Padrutt sei bereits Anfang November 2010 beschlossen worden. Damals habe der Stadtrat «keine Anhaltspunkte» für das kurze Zeit später eingeleitete Verfahren gehabt.

Mit der Suche nach potenziellen Käufern sei ein «renommiertes Immobilienbüro» beauftragt gewesen. Gemeldet hätten sich «mehrere ernsthafte Interessenten», darunter Padrutt mit dem Höchstgebot.

Als Käufer trat nicht der Rechtsanwalt selbst, sondern die am 4.November gegründete Villa Malaga GmbH auf. Am Stammkapital beteiligte sich zur Hälfte eine am 1.Dezember ins Handelsregister eingetragene Firma für Satellitenkommunikation auf Schiffen.

Seit August 2011 ist Padrutt wieder alleiniger Gesellschafter. Und seit Oktober steht in seinem Betreibungsregisterauszug ein zusätzlicher Betrag von 315000 Franken, die er der Seefunkfirma bis heute schuldig geblieben sein soll.

Padrutt zahlte 2,35 Millionen

Keine Forderungen gegenüber Padrutt hat die Stadt Lenzburg. Er legte für die Villa Malaga 2,35 Mio. Franken auf den Tisch, wie Huber jetzt bekannt gibt.

Als Buchgewinn verbleiben stattliche 1,954 Mio. Franken, zumal der Buchwert der Liegenschaft nur noch 713000 Franken betrug und ein neu mit 390000 Franken bewerteter Teil des Grundstücks im Eigentum Lenzburgs verblieb. An Vermittlungs- und Notariatsgebühren waren demnach 73000 Franken zu zahlen.