Der Bus ist voll. Fast jeder Platz ist besetzt, einige Leute stehen sogar. Hört sich nach Stosszeit im Pendlerverkehr an. Doch die Passagiere reden miteinander, es wird gelacht, geplaudert – nicht wie sonst in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Diese Szenen spielten sich gestern zwischen Hunzenschwil und Buchs ab. Bei der Haltestelle Korbacker in Hunzenschwil startete der erste Sonderbus ins Einkaufszentrum Wynecenter. Für ein Jahr soll der Bus immer dienstags um 13 Uhr einkaufswillige Personen von Hunzenschwil ins Wynecenter bringen. Ein Ticket lösen muss niemand, die Fahrt ist gratis. Die Kosten von 9500 Franken (bis Ende Jahr) übernimmt die Gemeinde, gefahren wird mit einem Bus der Regionalbus Lenzburg AG.

«Ich habe schon lange darauf gewartet, dass die Gemeinde so ein Angebot startet», sagte die Hunzenschwilerin Edith Salvi, als sie auf den Sonderbus wartete. «Es ist schön, dass etwas für die Bevölkerung unternommen wird.» Salvi ist im Seniorenalter, so wie der Grossteil der Passagiere. Das ist kein Zufall. «Der Sonderbus ist gezielt auf Rentner ausgerichtet», sagte Hunzenschwils Gemeindeammann Urs Wiederkehr, der gestern auch mitfuhr. Ausserdem findet immer dienstags der Migros-Seniorentag statt. Der Bus soll es Rentner erleichtern, einkaufen zu gehen. «Für Senioren, die vielleicht kein Auto mehr fahren, ist das schwierig», sagte Wiederkehr. Ausserdem schliesst der Sonderbus die öV-Lücke zwischen Hunzenschwil und Buchs immerhin zeitweise. «Die Einführung einer eigentlichen Buslinie wäre zu teuer», so Wiederkehr, «und die Strecke wahrscheinlich zu wenig frequentiert.»

«Ich bin überwältigt»

Doch schadet es nicht den Geschäften im Ort, wenn Einkaufswillige künftig gratis ins Wynecenter gefahren werden? «In Hunzenschwil gibt es nur einen Volg», sagte Ammann Wiederkehr. «Für alle anderen Besorgungen muss der Ort verlassen werden.» Alltägliche Einkäufe werden laut Wiederkehr ja immer noch im Dorf gemacht. «Der Volg nimmt also keinen Schaden.»

In Hunzenschwil hält der Sonderbus an allen Haltestellen und zusätzlich am Bahnhof. Gestern füllte sich der Bus mit jeder Haltestelle etwas mehr. René Bossard ist Geschäftsführer der Regionalbus Lenzburg AG (RBL). «Ich bin schon etwas überwältigt», sagte er. «So viele Leute hätte ich nicht erwartet.» Es sei einfach gewesen, das Projekt Sonderbus unter der Linie 397 zu verwirklichen. Auch das Wynecenter reagierte positiv auf die neue Linie. Deswegen verteilte Bossard gratis Einkaufstaschen und Kaffee-Gutscheine an die Passagiere. Rudolf Gerber (71) aus Lenzburg freute das besonders. Er fährt sonst immer mit dem Zug und muss mehrmals umsteigen. Nun reicht es, wenn er von Lenzburg nach Hunzenschwil fährt. «Jetzt habe ich mehr Zeit und kann gleich zwei Kaffee trinken», sagte er.

Drei Stunden Kaffeezwang

Drei Stunden haben die Passagiere Zeit, um einzukaufen und – natürlich – um zu «käffele». Dann fährt der Bus wieder zurück nach Hunzenschwil. Doch ist das nicht zu lange? «Nein», sagte Ammann Wiederkehr. «Der Sonderbus soll die Senioren dazu bringen, sich auszutauschen und Kontakte zu pflegen. Und bei drei Stunden Aufenthalt muss man das zwangsläufig.»

Die Passagiere Edith Salvi und Rudolf Gerber wünschen sich, dass ihnen der Bus länger als ein Jahr erhalten bleibt. «Es wäre schön, wieder spontan mitfahren zu können», so Salvi. Und Gerber: «Der Bus bietet mir Zeit, mich mit anderen auszutauschen.» Den gleichen Wunsch hegen auch Gemeindeammann Wiederkehr und RBL-Geschäftsführer Bossard. «Im Sommer werden wir die ersten Zahlen auswerten», sagte Wiederkehr. Wenn der Bus genügend hoch frequentiert ist, wird er länger fahren und die Kosten werden budgetiert. Wiederkehr selbst wird man während dieser Zeit nicht im Bus antreffen – seine Frau erledigt den Einkauf.