Meisterschwanden
Experimentierlust einer Künstlerin

In der Galerie Del Mese-Fischer sind Werke von Hildegard Koch-Baer zu sehen. Heute feiert die Künstlerin ihren 80. Geburtstag.

Margrit Rüetschi
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«Silberstreifen», «Hochmoor», «Nachtzauber», «Polarlicht», so heissen die Exponate der in Emmenbrücke wohnenden Künstlerin Hildegard Koch-Baer. Bis zum 15. Januar sind ihre Bilder und Skulpturen in der Galerie Del Mese-Fischer in Meisterschwanden ausgestellt.

Beim Eintreten in den grosszügig bemessenen Raum im Erdgeschoss der Galerie wird der Besucher unweigerlich von einer warmen Atmosphäre empfangen. Wie ein weicher Mantel den Körper umhüllt, wird man von den in archaischen Farben gehaltenen Stelen und Bildern einlullend umgeben. Den Dingen eine «Seele» geben ist die Motivation für die künstlerische Tätigkeit von Hildegard Koch-Baer. «Stimmen» müsse es für sie, bevor sie ihre harmonischen Werke der Öffentlichkeit übergibt.

Von Paris inspiriert

Heute feiert die Künstlerin ihren 80. Geburtstag. Wie «Mutter Erde», analog einem Titel in ihren Werken, wirkt die Künstlerin auf die Besucher geerdet, abgerundet, abgeklärt.

Sie wurde 1930 in Biel in eine Künstlerfamilie hineingeboren. Nach der obligatorischen Schulzeit holte sie sich ihr künstlerisches Rüstzeug an der Internationalen Zeichenschule in Genf und an der damaligen Kunstgewerbeschule Zürich. Auch während ihrer anspruchsvollen Aufgabe als Familienfrau und Mutter von acht Kindern fand sie stets die Zeit, um sich ihrer Kunst zu widmen. «Alles eine Frage der Organisation», sagt sie schlicht. «Wenn man etwas wirklich will, dann macht man es.» Während vieler Jahre zog sich die Künstlerin phasenweise in ihr eigenes Atelier an der Place de la Bastille in Paris zurück. «In Paris und auf vielen Reisen holte ich meine künstlerischen Inspirationen, von denen ich noch heute zehre», hält sie fest.

In einer umfassenden Laudatio zeichnete Martin Kraft von Hildegard Koch-Baer das Bild einer Künstlerin, die in ihrem Schaffen, das nun 65 Jahre zurückreiche, stets eine grosse Freude am Experimentieren gezeigt habe. Damit sei sie immer in Bewegung geblieben, offen für Neues, ohne genau zu wissen, wie sich ihre Arbeit weiterentwickeln werde, bis heute nicht. Wesentlich sei ihr dabei, dass sie immer ihren eigenen, unverwechselbaren Ausdruck finde.

Experimentieren mit Flüssigem

Die Ausgangsmaterialien für die gezeigten Werke könnten unterschiedlicher nicht sein: Holz, Aluminium, Leinwand, Eisen, auch handgeschöpftes Papier sind die Präferenzen für die in den letzten zwei Jahren entstandenen Exponate. Diesen Materialien begegnet die Künstlerin mit dem Experimentieren mit flüssigen Chemikalien, die geheimnisvoll zu oxidieren beginnen. Ein schöpferischer Akt, der in Prozesse mit effektvoller künstlerischer Wirkung mündet. Es gehört zu den fast alchemistischen Prozessen, dass einiges davon im Dunkeln bleibt.

Die Dinge werden beseelt, gewinnen an Tiefe, beginnen zu leben. Dies zeigt sich auch bei den mit anderen Materialien verbundenen luziden Acrylglaswürfeln. Je nach Blickwinkel erscheinen sie in einem andern Licht, es entstehen feine Linien, die dem Ganzen einen geheimnisvollen Zauber verleihen. In diesem Sinne sind die Werke der Künstlerin, auch wenn sie von ihr in die Öffentlich-
keit entlassen werden, nie ganz fertig. «Sie sind es erst, wenn sie von den Betrachtern zu Ende gedacht wurden», fügte Martin Kraft in seiner Laudatio an. In diesem Sinne wird der Rundgang durch die Galerie für die Besucher zu einer ganz speziellen, individuellen Spurensuche zu sich selbst.

Die Ausstellung in der Galerie Del Mese-Fischer an der Seefeldstrasse 10 in Meisterschwanden dauert bis 15. Januar 2011 und ist geöffnet: Dienstag bis Freitag,
14 bis 18 Uhr. Samstag, 14 bis 17 Uhr. 24., 25., 31. Dezember und 1. Januar 2011 geschlossen. info@delmesefischer.ch. www.delmesefischer.ch