Fahrwangen
Existenzängste wegen Corona – und bald obdachlos: Tierpension-Betreiberin sucht ein neues Zuhause

Es ist eine harte Zeit für die Betreiberin der Tierferienpension Fellpunkt und ihre Vierbeiner in Fahrwangen. Wegen Corona hat sie weniger Einnahmen, dazu meldet die Liegenschaftsbesitzerin Eigenbedarf an. Existenzängste plagen sie.

Larissa Gassmann
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Sanft streichelt Andrea Thiel ihre beiden kleinen Hunde, während ihr die Tränen über die Backe rollen. Seit fünf Jahren führt Thiel am Hallwilersee die Tierferienpension Fellpunkt. Nun soll damit aber auf einmal Schluss sein. Die Kündigung durch die Liegenschaftsbesitzerin setzt dem Ganzen ein Ende.

Weil die Besitzerin Jeannine Meylan Eigenbedarf angemeldet hat, muss Thiel ihre bisherige Bleibe mitsamt ihren vier Katzen und vier Hunden bald verlassen. Die Liegenschaftsbesitzerin verteidigt sich derweil. Sie wolle zurück in ihr Haus. Das sei der ausschlaggebende Punkt, sagt Meylan zu TeleM1.

«Es erschlägt einen fast»

Für Thiel ist dies allerdings ein Rückschlag in einer sonst schon nicht einfachen Lebensphase. Weil in Zeiten der Pandemie weniger Menschen in die Ferien gehen, sind ihr die Kunden weggebrochen. Die 51-Jährige hat auf einmal Existenzängste und befindet sich in einer finanziellen Notlage. «Die ganzen Kosten laufen einfach weiter. Es erschlägt einen fast», sagt Thiel. «Aber damit musst du leben.»

Das Schicksal von Thiel und ihren Tieren geht auch ihren Kundinnen nahe. Sie sei traurig, dass sie ihren Vierbeiner bald nicht mehr in den Fellpunkt bringen kann, sagt Monika Maccione, die gleich neben der Tierpension wohnt. Sie lobt die Arbeit von Thiel.

«Ich habe sie kennengelernt und sofort Vertrauen zu ihr gefasst. Sonst hätte ich meinen Hund nicht zur ihr gebracht», so Maccione. «Ein Hund ist schliesslich wie ein Familienmitglied. Den gibt man nicht einfach bei irgendeiner Person ab.»

Thiel sucht nach neuer Bleibe

Auch die aus Sarmenstorf stammende Silvia Lange steht ihrer Kollegin zur Seite. «Ich habe Andrea durch den Fellpunkt kennengelernt», sagt Lange. «Nach mittlerweile über fünf Jahren ist einfach eine wunderbare Freundschaft entstanden.»

Nun sucht Thiel schon seit drei Monaten nach einer neuen Bleibe für sich selbst und ihre Vierbeiner. Dort will sie auch ihre Tierpension weiterführen. Bisher blieb die Suche aber erfolglos. «Es ist auswegslos», sagt Thiel. Ihre Augen füllen sich langsam wieder mit Tränen.

Trost findet sie bei ihrem Hund, der zu spüren scheint, wie sehr ihr der Schicksalsschlag nahe geht. Und doch: Die Hoffnung hat Thiel noch nicht ganz aufgeben. Ihre Tierpension möchte sie auf jeden Fall weiterführen.