Birrwil

Ex-Gemeindeammann wehrt sich gegen Rauswurf aus Zonenplan-Kommission: «Ich akzeptiere nicht»

Max Gloor wehrt sich: «Ich akzeptiere nicht, dass man mich entlassen hat.»

Max Gloor wehrt sich: «Ich akzeptiere nicht, dass man mich entlassen hat.»

Der Gemeinderat begründet die Entlassung von Max Gloor mit einem Interessenskonflikt. Der langjährige kommunal Politiker und pensionierte Landwirt kontert: «Wenn es um Land unserer Familie ging, war ich stets im Ausstand – und hätte das auch künftig so gemacht.»

Birrwil (1174 Einwohner) kommt politisch nicht zur Ruhe: Der Schiffbruch der Modernen Melioration im Sommer 2017 ist noch in Erinnerung. Die (auch personellen) Probleme rund um die Schulhauserweiterung sind eben erst bewältigt. Und jetzt entstand bereits wieder ein neuer Brandherd: die Revision der Nutzungsplanung (BNO). Aktuell gibt nicht primär die vom Kanton kritisierte «massiv zu grosse Bauzone» zu reden (AZ vom 12. 3.), sondern die personellen Wechsel in der Bau- und Nutzungsplanungskommission (Nupla).

Nupla-Präsident demissionierte

Wie sich herausstellt, verliefen diese alles andere als einvernehmlich. Max Gloor (68) wehrt sich sogar mit einer Beschwerde bei der Gemeindeabteilung gegen seine Entlassung durch den Gemeinderat Birrwil. Der pensionierte Landwirt ist in der kommunalen Politik kein Unbekannter: Gloor gehörte 20 Jahre lang (bis Ende 2001) dem Gemeinderat an, die letzten beiden Jahre als Gemeindeammann. Er ist nach seinem Rauswurf aus der Nupla noch Präsident der Landwirtschafts- sowie der Natur- und Landschaftskommission. Gloor bezeichnet sich als SVP-nah, ist aber nicht Parteimitglied. Er hat zeit seines Lebens in Birrwil gewohnt.

Die Art und Weise des Rauswurfs von Max Gloor hat den Nupla-Präsidenten Felix Stephan, ebenfalls ein ehemaliger Gemeinderat und von Berufes wegen Raumplaner, derart verärgert, dass er seinen sofortigen Rücktritt einreichte.

Wird Land des Sohnes ausgezont?

Der Gemeinderat begründet die Entlassung von Max Gloor mit einem Interessenskonflikt. Gloor selber weist in seiner Beschwerde an den Kanton darauf hin, er habe sich, wenn es um Land seiner Familie gegangen sei, stets in den Ausstand begeben, was jeweils auch protokolliert worden sei. Und er habe die Kommission rechtzeitig auf neu entstehende Situationen aufmerksam gemacht.

Max Gloor hat seinen Hof 2012 dem Sohn übergeben. Dieser wird demnächst ein Stück Land erben, das er bisher in Pacht hatte (die Eigentumsübertragung ist noch nicht erfolgt). Dieses Land ist Teil von gut zwei Hektaren von acht Grundeigentümern, die der Gemeinderat auszonen möchte. Es ist absehbar, dass bei einer Auszonung komplexe Entschädigungsfragen zu beantworten wären. Gloors Sohn ist aus verschiedenen Gründen nicht an einer Auszonung interessiert.

Erst mit Verspätung informiert

Max Gloor ärgert sich vor allem über die Art und Weise, wie er aus der Nupla komplimentiert wurde. Der Gemeinderat hat seine Entlassung «infolge starker Interessenkollisionen» am Dienstag, 29. Januar, beschlossen. Am Dienstag, 5. Februar, fand eine Nupla-Sitzung statt. Max Gloor wurde, so sagt er, nicht informiert. Im Gegenteil: «Ich erhielt sogar noch einen Zusatzauftrag.» Erst am Samstag darauf wurde er für den Montag, 11. Februar, aufgeboten. Dann haben ihm Gemeindeammann Max Härri und Vizeammann Martina Jenni die Entlassung eröffnet.

Für Max Gloor ist klar: «Ich akzeptiere nicht, dass man mich aus der Nupla entlassen hat, weil ich angeblich für meinen Sohn als Landeigentümer hätte Vorteile herausholen können. Wenn es um Land unserer Familie ging, war ich stets im Ausstand – und hätte das auch künftig so gemacht.»

Gloor verlangt mittels einer Beschwerde, dass der Gemeinderatsbeschluss aufgehoben und er als Nupla-Mitglied wieder eingesetzt wird.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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