Lenzburg
Es war von Beginn an schwierig: Jetzt kommt das Aus der «Schul-Ehe»

Die Partnergemeinden der Regionalschule Lenzburg reagieren gelassen auf das Austrittsbegehren von Staufen. Jetzt will man eine friedliche Scheidung.

Ruth Steiner
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Vor zwei Jahren wurde das über hundertjährige Schulhaus in Staufen saniert und im Beisein der gesamten Schülerschar feierlich eingeweiht.

Vor zwei Jahren wurde das über hundertjährige Schulhaus in Staufen saniert und im Beisein der gesamten Schülerschar feierlich eingeweiht.

Markus Christen

An der Regionalschule Lenzburg kommt es zur Schul-Scheidung. Staufen will nicht länger Partner im Regionalschulverbund bleiben und seine Schule per Ende 2017 wieder verselbstständigen.

Was sagen die Gemeinderäte in Lenzburg und Ammerswil zu diesem Scheidungs-Begehr? «Wir steigen auf den gewünschten Weg ein», sagt der Lenzburger Stadtammann und Bildungsminister Daniel Mosimann. Als Folge gehe es nun darum «eine gute ‹Scheidungs-Konvention› zu vereinbaren.»

Mit einer Mitteilung an die Medien setzte Staufen am vergangenen Freitagnachmittag öffentlich einen Schlussstrich unter die 10-jährige Partnerschaft. Eine Partnerschaft, die offenbar von Beginn an eher schwierig und problembehaftet war, wie aus Kreisen, die bei der Etablierung der Regionalschule involviert waren, zu erfahren war.

Um beim Jargon zu bleiben: Für Staufen dürfte es sich bei der Kooperation um eine Vernunftehe gehandelt haben. Weiter wird festgehalten, dass der Gemeinderat Staufen dem Schul-Zusammenschluss damals nur notgedrungen zugestimmt habe. Die Gemeinde habe einzig den Oberstufenstandort erhalten wollen, was mit der Kooperation gelang. «Also hat man in den sauren Apfel gebissen.»

An dieser Haltung habe sich auch nach dem Zusammenschluss zur Regionalschule nichts geändert. Reibungsverluste hätten zum Alltag gehört. Alles, was die Regionalschule betraf, sei von Staufner Seite akribisch hinterfragt worden, stets habe viel Überzeugungsarbeit geleistet werden müssen, heisst es.

Seit Sommerferien bekannt

Bei den Lenzburger Behörden ist man nicht überrascht über das Begehr der Nachbargemeinde. «Es hat sich angebahnt», sagt Stadtammann Daniel Mosimann. «Die Regionalschule Lenzburg kam zustande, damit der Oberstufenstandort Staufen erhalten bleiben konnte», bestätigt Mosimann die von dritter Seite gemachten Aussagen.

Von den konkreten Absichten des Gemeinderats Staufen haben die Lenzburger vor den Sommerferien erstmals Kenntnis erhalten. Entsprechende Zeichen hat es laut Mosimann jedoch schon früher gegeben.

Bereits im Frühling sei bekannt geworden, dass Staufen eine Arbeitsgruppe eingesetzt habe, die sich mit der Zukunft der Primarschule auseinandersetze. Staufen hatte den Oberstufenstandort nämlich trotzdem verloren gehabt – als Folge des Schulsystemwechsels im Kanton Aargau auf 6 Jahre Primarschule und 3 Jahre Oberstufe. Die Regionalschulpflege hatte den strategischen Entscheid gefällt, Real- und Sekundarschule von Staufen weg nach Lenzburg zu zügeln.

Mosimann betont, der Austritt aus dem Regionalschul-Verbund habe für die Schüler keine Auswirkungen. «Für die Schülerinnen und Schüler ändert sich nichts. Die Primarschüler gehen in Staufen zur Schule. Die Oberstufenschüler wie bereits heute in Lenzburg.» Geregelt wird dies mit einem neuen Vertrag, wie er aktuell bereits mit der Gemeinde Othmarsingen besteht.

Doch wo sind die Konsequenzen für den künftig noch aus den Gemeinden Lenzburg und Ammerswil bestehenden Regionalschul-Verbund zu spüren? Entwarnung gibt Mosimann beim Lehrpersonal. Wie bei den Schülern bleibe die Situation unverändert. Zumindest was die Pensen anbelange. «Wer hingegen sowohl in Lenzburg als auch in Staufen unterrichtet, wird in Zukunft nicht mehr einen Arbeitgeber haben, sondern deren zwei.» Doch auch das, argumentiert der Stadtammann, sei heute keine Seltenheit mehr.

Falsches Signal

Überprüft werden hingegen Schulverwaltung und Schulsozialarbeit. Da dürfte es aller Voraussicht nach zu Pensenanpassungen kommen. Was jedoch den finanziellen Aspekt der zurückbleibenden Partner Lenzburg und Ammerswil anbelangt, so sieht Mosimann keine grossen Auswirkungen: «Wir erwarten keine erheblichen finanziellen Konsequenzen.»

Der Lenzburger Stadtammann verhehlt jedoch nicht, dass das «Zurückbuchstabieren» Staufens in seinen Augen ein «eher aussergewöhnlicher Schritt» ist. «Heutzutage, wo die Zusammenarbeit in der Gemeindelandschaft gefördert wird, wird mit diesem Schritt ein falsches Zeichen gesetzt.» Doch wenn eine Ehe-Therapie nichts fruchte, sei es besser, die notwendigen Massnahmen einzuleiten.

Auf die Frage, ob diese Entwicklung politische Auswirkungen auf anderer Ebene nach sich ziehen könnte, antwortet Mosimann: «Ich gehe nicht davon aus.»