Oberförster Frank Haemmerli von den Forstdiensten Lenzia und Willi Bürgi, Präsident der Landschaftskommission Niederlenz, hatten im ersten Moment das Schlimmste befürchtet, als Sturm «Burglind» am vergangenen Mittwoch durchs Land fegte. Das Bild, das sich Bürgi beim ersten Augenschein im Niederlenzer Länzert bot, habe ihn zutiefst bestürzt, sagte er gestern mit einigen Tagen Distanz zum Ereignis.

Die Niederlenzer Waldhütte war zugedeckt von umgestürzten Bäumen und abgebrochenen Ästen. «Es war recht erschütternd. Eine rund dreissig Meter hohe Tanne lag über dem Dach. Dabei war der Baumstamm über dem Dachstuhl geborsten. Praktisch im gesamten bewaldeten Gemeindegebiet gab es keine freie Strasse mehr», weiss Willi Bürgi. Erinnerungen an Sturm «Lothar» wurden wach, der im Dezember 1999 grosse Schäden angerichtet hatte.

Eins zu Null für die Waldhütte Länzert:

Eins zu Null für die Waldhütte Länzert in Niederlenz.

Nachdem sie sich einen Überblick über die Schäden verschafft haben, fällt die Bilanz der beiden Fachleute weniger düster aus. Im Vergleich mit «Lothar» sei das heutige Ausmass der Zerstörung um einiges geringer, erklärt Oberförster Haemmerli. Im Lenzia-Forst hat «Burglind» im Länzert am schlimmsten gewütet und gravierende Schäden angerichtet, vor allem in der Kantonsmitte, bei der Waldhütte und beim nahen Waldsofa von Familie plus.

Anders als bei «Lothar» wurden jedoch nicht ganze Waldstücke flachgelegt, sondern einzelne Bäume entwurzelt oder abgebrochen. Deshalb hat sich Bürgi auch grossen Sorgen um die alten Baumriesen im Niederlenzer Wald gemacht.

Als er sich vor Ort einen Überblick über die Situation verschaffen wollte, habe er schon etwas weiche Knie gehabt, vor allem, als er zum mit über fünfzig Metern höchsten Baum gegangen sei, gesteht er. «Dieser hat dem Sturm glücklicherweise standgehalten. Von den dreissig Niederlenzer Baumriesen sind zwei gefallen.»

Im 1134 Hektaren grossen Lenzia-Forst rechnet Oberförster Haemmerli mit einem Verlust von rund 2500 Kubikmeter Holz. Das ist rund ein Viertel des normalen jährlichen Holzschlags von 10'000 Kubikmetern. «Diese Streuschäden können wir mit der normalen Nutzung wieder auffangen», so Haemmerli. Im Lenzia-Revier wird die Holzschlagplanung nach dem Sturm angepasst.

Die Bilder nach «Burglind»:

Jagdhütte Rupperswil beschädigt

Schäden gibt es auch im benachbarten Revier Auenstein-Rupperswil zu beklagen. Rund 3000 Kubikmeter Holz wurde im 800 Hektaren grossen Revier zerstört, erklärt Revierförster Max Senn. Das ist etwa die Hälfte eines jährlichen Holzschlags. Am gravierendsten sind die Schäden im das Lenzia-Revier angrenzenden Länzertwald. Auch hier wurde die Jagdhütte von einem gefallenen Baum getroffen und beschädigt. Der Forst in Veltheim und Auenstein sei praktisch unversehrt geblieben, so Senn.

Aus Sicht von Lenzia-Chef Frank Haemmerli hält sich der ökologische Schaden in Grenzen. Der wirtschaftliche Rückschlag sei ärgerlich, findet er. Bei viel höherem Aufwand winke ein viel tieferer Ertrag. Wie wirkt sich das Ereignis auf den Holzpreis aus? Wohl kaum, glaubt der Lenzia-Oberförster, die Schäden sind dafür zu gering. Und er hält fest: «Ein Schadenereignis ist nie etwas Gefreutes. Aber selbst in solchen Situationen sollte man es richtig einordnen. Dass in einer aussergewöhnlichen Situation der Schwächere dem Stärkeren weichen muss, ist Naturgesetz.»

Waldwege wieder offen

Im Moment sind die Forstfachleute im Dauereinsatz. Die Aufräumarbeiten nach einem Sturm bedeuten auch für sie eine grosse Herausforderungen, erklärt Haemmerli «Die Sturmholzerei ist um ein vielfaches gefährlicher als normaler Holzschlag.» Nur knapp eine Woche nach dem Sturm gibt Oberförster Haemmerli für die Waldbesucher wieder Entwarnung. «Ab heute sind 80 Prozent der Waldwege wieder begehbar.» Zugleich fordert er die Besucher jedoch auf, sich in den kommenden Wochen vor herunterhängenden Ästen in Acht zu nehmen. «Wer in den Wald geht, sollte in den nächsten Wochen weiterhin Vorsicht walten lassen.»

Über 600 Schadensmeldungen im Mittelland

Folgen des Sturms

Umgewehte Bäume, zerstörte Autos und gesperrte Strassen: Vielerorts sorgte der Wintersturm Burglind für Zerstörung.