Schongau LU
«Es ist wie im Film»: Indische Touristen kommen ins Seetal

Der indische Tourismus ist ein starker Wachstumsmarkt – das hat auch das Schongiland erkannt. In diesem Jahr reisten bereits 5500 Inder hierher.

Isabelle Schwab
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Mit einer Stunde Verspätung und ziemlich unter Zeitdruck kommt die indische Reisegruppe in Schongau LU an: Die Touristen sind heute von Zürich angereist und werden morgen die Jungfrau besuchen. Jetzt aber sind sie zuerst einmal im Schongiland und werden von zwei Amateur-Alphornbläsern begrüsst. Begeistert zücken rund 50 Touristen ihre Kameras und fotografieren drauf los. Sie sind bereit, die Schweiz kennenzulernen. Oder das, was sie von ihr erwarten.

Es werden immer mehr

Im am Freitag veröffentlichten «Visa Monitoring» des Bundesamtes für Migration prangen sie bereits von der ersten Seite: indische Touristen. Zu einem grossen Teil ist es ihnen zu verdanken, dass sich in diesem Quartal die Anzahl der Visa erhöht hat. Denn: Im Vergleich zum Vorjahr sind die Anträge auf den Botschaften in Mumbai und Neu-Delhi um ganze 25 Prozent gestiegen.

Die Wirtschaft des Landes befindet sich im Aufstieg: Schätzungen zu folge können sich bereits jetzt zehn Prozent der indischen Bevölkerung einen Ausflug nach Europa leisten. Die Rede ist von 125 Millionen Menschen. Nur ein Bruchteil davon verirrt sich in die Schweiz. Davon wiederum ein kleiner Teil ins Luzerner Seetal: Bis jetzt durfte das Schongiland in Schongau dieses Jahr 5500 Inder empfangen.

Ein Foto mit einem Alphornspieler in Tracht. Davon träumt das Touristenherz. Später geht es weiter zur Fondue- und Schokoladendegustation. iss
3 Bilder
Ankünfte von indischen Touristen haben sich in zehn Jahren verdoppelt
Inder im Schongiland am Alphorn: Der Versuch, dem Instrument einen Ton zu entlocken, stellt sich als nicht ganz einfach heraus. iss

Ein Foto mit einem Alphornspieler in Tracht. Davon träumt das Touristenherz. Später geht es weiter zur Fondue- und Schokoladendegustation. iss

Isabelle Schwab

In Zusammenarbeit mit einem britischen Pauschalreiseanbieter konnte es letztes Jahr als Ersatz für eine andere Attraktion einspringen. Nun wurde die Zusammenarbeit ausgeweitet. «Das war ein Glücksfall», sagt Inhaber Thomas Müller. «Da unsere Bobbahn gedeckt ist, können die Anbieter den Ausflug ins Schongiland bei jedem Wetter anbieten. Ein grosser Vorteil.»

Die Zahl der indischen Touristen in Europa steigt derweil Jahr um Jahr. Das bestätigt auch Sujit Shirke, der Tour Guide, der die indische Reisegruppe 15 Tage durch Europa begleitet. «Die Anzahl Buchungen sind bei Thomas Cook dieses Jahr von 20 000 auf 35 000 gestiegen.» Shirke weiss auch warum: «In Indien möchte jedes Kind die Schweiz besuchen.» Das sei wohl grossteils Bollywood zu verdanken.

«Swiss Mountain Water»

«Es ist wie im Film», schwärmen auch die Neuankömmlinge. Bekannte hätten P.C. Gupta und seiner Ehefrau von der Schweiz vorgeschwärmt. «Und es ist noch viel besser, als wir es uns vorgestellt haben. Die Schweizer sind so freundlich!» Die Ankömmlinge durften unter anderem die für sie exotischen Alphörner ausprobieren. Manch einer scheiterte beim Versuch, doch einer hatte Erfolg: Vaikhau Gupta erzählt stolz, wie er dem Instrument einen Ton entlocken konnte. Aufgeregt rennt der Junge von der Fondue-Degustation zur Bobbahn und wieder zurück.

Der Empfang der Reisegruppe wurde vom Anbieter streng reglementiert: Zwingend muss den indischen Gästen ein typischer Schweizer Willkommensdrink offeriert werden: schwarzer Wodka, gemischt mit Apfelsaft. «Das scheint bekannt zu sein: Als ich gegenüber einem Gast etwas zu trinken erwähnt habe, sagte er sofort: ‹Ach, Sie meinen Wodka mit Apfelsaft›», erzählt Mischa Stadler. Sie empfängt die Gäste mit zwei weiteren Schongerinnen beim Schweizer Buffet. Hier bekommen die Inder Fondue, Rösti, drei Sorten Schokolade und echtes «Swiss Mountain Water».

«Bestes Hahnenwasser vom Lindenberg», versichert Thomas Müller etwas verschmitzt. Eine weitere Vorgabe des Reiseanbieters. Im Tourismus ist Berg wohl gleich Berg. Wenn man jedoch in die glücklichen Gesichter der Besucher und auf das zufriedene Lächeln der Schongiland-Mitarbeiter blickt, verzeiht man ihnen diese kleine Hochstaplerei.