Alles begann mit der Moderation eines Klärungsgesprächs zwischen der Schulpflege und dem Gemeinderat. «Um Herausforderungen der Zusammenarbeit zu klären, fragten sie mich an.» Die Organisationsberaterin Kathrin Härdi erledigte diese Aufgabe in ihrer neuen Wohngemeinde Brunegg offensichtlich mit Bravour, denn wenig später kam die Anfrage, ob sie sich ein Mitmachen im Gemeinderat vorstellen könne.

Im Jahr 2000, mit dem Wechsel aus der damals grössten Aargauer Stadt Baden ins damals kleinste Dorf im Bezirk Lenzburg, nahmen Härdi und ihr Partner in Kauf, früher oder später in einer Funktion fürs Wohl von Brunegg einen Beitrag zu leisten: «Wir haben gewusst, dass dies in einer kleinen Gemeinde einfach dazugehört.»

Die Züglete aus Baden war keine Reise ins Unbekannte. Kathrin Härdi ist in Möriken-Wildegg aufgewachsen und kannte die Region. Trotzdem wurde eine zusätzliche Sicherheit eingebaut. Um die Immissionen auf dem vorgesehenen Baugrundstück nahe von Zuglinie und Autobahn zu testen, wurde in einem Camper auf der Parzelle übernachtet: «Es ist nicht so schlimm; wir können es wagen», war damals das Fazit.

Schnelle Integration

Brunegg hat die rote Laterne als kleinste Gemeinde im Bezirk abgegeben. Brunegg wächst, wächst schnell. Aber hier werden die Neuzuzüger aktiver integriert als andernorts. Nicht erst seit Härdis Amtszeit, winkt die auf Ende Jahr scheidende Gemeindepräsidentin ab: «Das Dorf hat schon immer so funktioniert: Man begrüsst die Zuzüger und lädt sie zur Mitarbeit ein.»

Bei Kathrin Härdi ging es Schlag auf Schlag. Zuerst fragte die Nachbarin, eine ehemalige Gemeinderätin, ob sie eine Runde Aufsicht im Jugendraum übernehmen könne. Nach der Gesprächsmoderation folgt der Wechsel in den Gemeinderat, gut ein Jahr später, 2006, der Sprung an die Spitze der Exekutive.

Neun Jahre hat sie hier gewirkt. Zur Verwunderung von traditionsbessenen Mitbürgern wurde die Funktionsbezeichnung modernisiert: Kathrin Härdi war nicht etwa Gemeindeammann, sondern die erste Gemeindepräsidentin im Bezirk: «Ich brauchte eine Bezeichnung, zu der ich stehen kann.»

Wie die Funktion auch immer heisst, die Demissionärin hat in- und ausserhalb der Gemeinde viel bewegt. «Durch ihr vielseitiges Kompetenz-Portfolio und dank ihrem proaktiven Engagement wurde Kathrin Härdi auch weit über die Brunegger Gemeindegrenzen hinaus sehr geschätzt», windet ihr ihre Nachfolgerin an der Gemeindespitze, die künftige Gemeindepräsidentin Ruth Imholz ein schönes Kränzchen.

Mutter des «Lebensraums»

Als Aussenpolitikerin hat Härdi früh erkannt, dass bei der interkommunalen Zusammenarbeit eine neue Stufe gezündet werden musste: « Sie hat enorm viel zum Entstehen des ‹Lebensraums Lenzburg Seetal› beigetragen», rühmte Vizepräsident Heinz Bürki ihre wichtige Rolle bei der Gründung des neuen Gemeindeverbandes vor zwei Jahren und ergänzte: «Es fällt nicht leicht, eine solche Kollegin gehen zu lassen.»

Nach dieser Würdigung an der jüngsten Vorstandssitzung blickte die ehemalige Präsidentin der Vorbereitungskommission zurück – auch auf zahllose Sitzungen zu frühmorgendlicher Stunde und ein denkwürdiges Treffen mit Gemeindeammännern und -schreibern in Rupperswil: «Das war ein harter Workshop», blickt sie zurück.

Es ist nicht zuletzt Härdis Hartnäckigkeit und ihrer Motivationskraft zu verdanken, dass der «Lebensraum»-Zug nicht aus den Gleisen sprang, sondern auf Kurs blieb. «Im Nachhinein ist dieses Projekt für mich sehr wichtig», sagt sie nun. Und verspricht ihren früheren Vorstandskameraden, «ihr» Kind im Auge zu behalten: «Ich werde den
‹Lebensraum› weiterverfolgen. Mir scheint, der frühere Pioniergeist ist schon fast ein wenig eingeschlafen.»

Härdis Fachwissen als Organisationsberaterin bekam die Gemeindeverwaltung ebenfalls zu spüren. Obwohl sie «am Anfang eine gewisse Angst» hatte, ihre Vorschläge könnten auf grosse Skepsis stossen, bezeichnet sie im Rückblick die Unterstützung durch Werner Huggenberger als positiven Markstein ihrer Amtszeit.

Huggenberger ist als kombinierter Gemeindeschreiber und Finanzverwalter einer der letzten Allrounder im Kanton. Seine Funktionen sollen nun gestaffelt entflochten werden. Dies funktioniert «dank klar definierten Abläufen» sowie dem Internen Kontroll-System (IKS) auf Verwaltungsstufe, wie auch bei Wechseln im Gemeinderat «viel einfacher». «Mit Kathrin Härdi kam ein anderer Führungsstil, doch habe ich von der verbesserten Organisation viel profitiert», hält der Gemeindeschreiber fest.

Alphorn füllt die freie Zeit

Huggenberger attestiert seiner Chefin eine «hohe Effizienz»: «Zudem kann sie gut auf die Leute eingehen. Vor allem bei Einspracheverhandlungen war ihr Beruf von Vorteil.»

Die Mediatorin konnte als Gemeindepräsidentin ihren ursprünglich gelernten Beruf als Sozialpädagogin nicht verleugnen. Die Schule war ihr stets wichtig. Ein regionales Projekt, an dem sie während fünf Jahren gearbeitet hat, können erst ihre Nachfolger umsetzen: Die Kreisschule Chestenberg kommt im nächsten Jahr vor die Gemeindeversammlungen.

Unter Kathrin Härdi konnten die Stimmbürger nicht erst an der Gmeind Stellung zu Vorlagen beziehen. An zwei jährlichen Polit-Apéros wurde die Stimmung an der Basis gefühlt, so lange von Gestaltungsmöglichkeiten bestand. Ihre Gemeinde werde «wie ein KMU geführt», so Härdi. Trotzdem wird mit den Apéro die Basis-Demokratie gestärkt.

«Immer wieder» habe ihr ihr Amt grosse Freude gemacht. Die Formulierung enthält eine Einschränkung: «Die Leute sehen nicht immer, was alles dahintersteckt.» Doch ab Neujahr sollen die Tage, an denen sie morgens um
5 Uhr mit der Arbeit beginnt, seltener werden: «Ich hoffe generell auf weniger Zeitdruck.»

Und die gewonnene Zeit soll auf eine unerwartete Art genutzt werden: «Ich lerne Alphorn blasen.»