Möriken
Es dampft und kesselt, man stampft und staunt

Rund 900 Oldtimerfahrzeuge wurden in den vergangenen drei Tagen während des 8. Internationalen Oldtimer- und Traktorentreffens ausgestellt und boten den Besuchern die Möglichkeit, eine eindrückliche Ahnengalerie der Agrarnutzung zu studieren.

Markus Christen (Text und Fotos)
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Auch in diesem Jahr lockte das Oldtimer- und Traktorentreffen viele interessierte Besucher an.

Auch in diesem Jahr lockte das Oldtimer- und Traktorentreffen viele interessierte Besucher an.

mch

Alle vier Jahre bewegt sich der Verkehr auf den Strassen von Möriken merklich gemächlich. Zu Hunderten rollen die Klassiker unter den Traktoren durchs Dorf und aufs Neufeld, um sich einem zahlreichen und interessierten Publikum zu präsentieren. Rund 900 Oldtimerfahrzeuge wurden in den vergangenen drei Tagen während des 8. Internationalen Oldtimer- und Traktorentreffens ausgestellt und boten den Besuchern die Möglichkeit, eine eindrückliche Ahnengalerie der Agrarnutzung zu studieren.

Transportable Gattersäge mit Jahrgang 1949
16 Bilder
Sonderausstellung „50 Jahre Ladewagen in der Schweiz“
Stampframme aus dem Jahr 1969 mit einem Gewicht von 105 kg
John Deere
Jagdhornbläser Hallwyl am Samstagmorgen auf dem Festplatz
Ein Stationärmotor von Herkules Handyman aus dem Jahr 1922 mit einer Leistung von 1,5 PS
Ein absolutes Schmuckstück der Ausstellung
Die Exponate der Ausstellung wurden eingehend studiert
Dreschmaschine aus Schweden mit Jahrgang 1951
Der Berna 4x4 war das erste Kanalreinigungsfahrzeug des Kantons
Die Dampfwalze veriet ihren Standort meist mit einem lauten Pfeifen
Das Traktorenfest aus der Riesenradperspektive und einer Höhe von 34 Metern
Dem Lanz Bulldog, Jahrgang 1949, wird eingeheizt
Das Oldtimer- und Traktorentreffen in Möriken fand zum achten Mal statt
Auf diese Weise hat man früher die Baumstämme auf den Anhänger geladen
Auch in diesem Jahr lockte das Oldtimer- und Traktorentreffen viele interessierte Besucher an

Transportable Gattersäge mit Jahrgang 1949

Markus Christen

Die Besitzer der Fahrzeuge verstanden es dabei, auch dem landwirtschaftlichen Laien technische Details verständlich zu erklären. Doch das beste Bewusstsein für den Umgang mit den tonnenschweren Maschinen schafften verschiedene Darbietungen, bei denen die inzwischen längst ausrangierten aber mit Herzblut gepflegten Exponate in vollem Einsatz standen.

Es wurden Stämme gerückt oder aufgeladen, Korn gedrescht mit einer schwedischen Dreschmaschine mit Jahrgang 1951 und einem eigens für diese Aufgabe entwickelten Traktor. Wer genug Mut aufbrachte, konnte eine 1969 gebaute, 105 Kilogramm schwere Stampframme selbst bedienen und musste schauen, dass er durch die explosionsartigen Rückschläge nicht vom Boden gehoben wurde.

Mit dem Anlass wollen die drei Organisatoren Ueli Fehlmann, Jakob Gebhard und Pascal Furrer auch ein Stück Geschichte vermitteln. «Es freut uns immer sehr, wenn wir sehen, dass Familien ans Traktorentreffen kommen und die Grosseltern oder die Eltern sich die Zeit nehmen, um den Kindern zu erklären, wie die Felder früher bearbeitet wurden», sagt Ueli Fehlmann.

Erstes kantonales Kanalreinigungsfahrzeug

Einen besonderen Auftritt am Oldtimer- und Traktorentreffen hatte das erste Kanalreinigungsfahrzeug, das für den Kanton Aargau im Dienst stand. Die illustre Geschichte des Lastwagens aus der Werkstatt des Oltener Herstellers Berna rekapitulierte Willi Lüpold, Betriebsleiter der Reinigungsfirma Lüpold AG, in deren Besitz der Berna 4x4 sich inzwischen befindet. Angeschafft wurde der Lkw vom Kanton im Jahr 1957 als Kipper für Einsätze im Strassenunterhalt. Als die Regierung Jahre später kein Geld für ein Kanalreinigungsfahrzeug bereitstellen wollte, stattete man den Berna mit einem Öltank aus und rüstete ihn kurzerhand zum gewünschten Einsatzfahrzeug für die Kanalreinigung um, das bis 1985 zuverlässig die Arbeit erledigte. «Den zuständigen Mechanikern, die dieses Fahrzeug umbauten, gebührt auch heute noch ein grosses Lob», befand Willi Lüpold. Ebenfalls profitieren von der Leistung des Lastwagens konnte ein Betrieb in Buchs, das den Kanton als Besitzer ablöste. Von hier fand das Kanalreinigungsfahrzeug seinen Weg zur Lüpold AG, die sich die Restaurierung 60 000 Franken kosten liess. «Es gab mehrere Gründe», so Willi Lüpold, «weshalb wir das Fahrzeug wieder instand setzten. Unter anderem sollten die jungen Lenker in unserer Firma, die heute von sehr viel Elektronik umgeben sind, sehen, welch ein Krampf es in früheren Jahren war, einen solchen Lastwagen zu fahren.» (mch)

Eine Sonderausstellung mit dem Titel 50 Jahre Ladewagen in der Schweiz zeigte, wie durch technischen Fortschritt der menschliche Kraftaufwand bei der landwirtschaftlichen Arbeit stetig verringert werden konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Schweiz die Milchproduktion stark befördert. Das Aufladen, der Transport und das Abladen des Futters für das Vieh bedeutet allerdings eine äusserst strenge Zeit für die Bauern.

Erste Erfindungen, um das Heu mechanisch zu laden, waren sehr teuer und erst der Ladewagen war auch für kleinere und mittlere Betriebe erschwinglich. Die Organisatoren der Sonderausstellung bezeichnen den Ladewagen denn auch als eine der bedeutendsten Errungenschaften in der langen Geschichte der Landtechnik.

Während des Traktorentreffens fanden Publikum und Aussteller auch Gelegenheit zum geselligen Austausch. Die Konzerte im Zelt und ein Lagerfeuer im Freien sorgten für wohlige Stimmung und selbst der fulminante Regenguss am Sonntagvormittag fand Profiteure: Die Musikgesellschaft Möriken-Wildegg spielte ihr Frühschoppenkonzert im Festzelt vor vollen Rängen.

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