Othmarsingen

Erst wurde gewettert, dann kam die grosse Überraschung

Othmarsingen will die Moderne Melioration als Gemeinschaftswerk anpacken.

Othmarsingen will die Moderne Melioration als Gemeinschaftswerk anpacken.

Die Skepsis in Othmarsingen gegen die Moderne Melioration war gross, entsprechend zahlreich marschierten die Stimmbürger an der Gemeindeversammlung auf. Der Entscheid für oder gegen das Vorprojekt fiel dann aber überraschend deutlich.

Das Ergebnis hat selbst den für das Projekt Moderne Melioration zuständigen Gemeinderat Eric Wiesmann etwas überrascht: Mit 79 Ja- und 40 Nein-Stimmen unterstützten die Stimmbürger an der Gmeind am Freitagabend den Antrag, das zersplitterte Landwirtschaftsland (321 Parzellen auf rund 140 Hektaren) im geplanten Arrondierungsperimeter im Dorf neu zu strukturieren. Er habe mit einem knappen Entscheid gerechnet, sagte der sichtlich erleichterte Wiesmann nach der mit 7,8 Prozent der Stimmbevölkerung überdurchschnittlich gut besuchten Versammlung. Doch sei schlussendlich das öffentliche Interesse klar zum Ausdruck gekommen. Und er fügte hinzu: «Es ist ein grosser Schritt für Othmarsingen.»

Lange um Nutzen gerungen

Lange hatten die Othmissinger zuvor um den Nutzen des 3,8 Millionen Franken teuren Projekts, – Anteil Gemeinde 885 000 Franken – gerungen (AZ vom 14. 11.). Dabei hatten sich vor allem die Kritiker gegenüber einer Neuaufteilung der Landparzellen inklusive der flankierenden Massnahmen für die Hochwasserentlastung, Landschaft und Ökologie zu Wort gemeldet. Unter den Landeigentümern waren die Befürchtungen gross, bei einem allfälligen Landabtausch den Kürzeren zu ziehen. Man gebe kein gutes Stück Land weg, um dann an einer schlechteren Lage ein anderes zu bekommen, hiess es. Von Enteignung war gar die Rede. «Früher hatte man Landvögte, um an Land zu kommen, das einem nicht gehört. Heute hat man die Moderne Melioration», echauffierte sich ein Anwesender. Weiter wurde die Notwendigkeit des vorgeschlagenen Ausbaus des Wegnetzes angezweifelt. Das Paket sei schlichtweg überladen. Markus Zumsteg von der Abteilung Landschaft und Gewässer des Kantons Aargau klärte daraufhin über die grundsätzliche Absicht der Modernen Melioration auf. Diese ziele nicht einzig auf landwirtschaftliche Interessen, sondern beziehe das öffentliche Interesse im Siedlungsgebiet mit ein.

Vom Publikum hinterfragt wurde auch die Rolle von Ammann Hans Rätzer beim Projekt. Landwirt Rätzer ist als Landeigentümer im Arrondierungsperimeter persönlich betroffen. Eric Wiesmann beruhigte: Der Gemeindeammann werde bei Entscheidungen im Zusammenhang mit der Modernen Melioration in den Ausstand treten.

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