Lenzburg
Erst Koch, später Hotel-Direktor: Schnupperlehrling hat Grosses vor

Am offiziellen Schnuppertag packen Stefan und Marion im Hotel «Krone» mit an: Der 15-jährige Sekundarschüler aus Othmarsingen und die Sekundarschülerin aus Staufen

Ruth Steiner
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Stefan Wildi und Marion Gilbert schnuppern in der «Krone» die Berufe Koch und Restaurationsfachfrau.

Stefan Wildi und Marion Gilbert schnuppern in der «Krone» die Berufe Koch und Restaurationsfachfrau.

Emanuel Freudiger

Hotel Krone, der Uhrzeiger rückt auf 11.30. Im Restaurant und auf der Terrasse ist alles schön aufgedeckt. Noch ist es ruhig. Doch schon bald treffen die ersten Gäste ein.

Anders in der Hotelküche. Hier laufen die Vorbereitungen für den Mittagsbetrieb auf Hochtouren. Schinkentranchen werden zu Würfelchen zerkleinert, Salatblätter gewaschen, die Sauce abgeschmeckt. Jeder Handgriff der mehrköpfigen Küchenbrigade sitzt. Und mittendrin steht Stefan Wildi, vor sich ein fixfertig zubereiteter Antipastiteller. Der 15-jährige Sekundarschüler aus Othmarsingen blickt zufrieden auf sein Werk. Sein erstes in der «Kronen»-Küche. In seiner weissen Kochmontur unterscheidet er sich kaum vom übrigen Fachpersonal. Und wenns nach ihm geht, soll es auch so bleiben.

Stefan profitiert vom Schnuppertag-Angebot der Mitglieder des Gewerbevereins Lenzburg und Umgebung. Noch geht er zur Schule, doch er will Koch lernen. Am liebsten hier in der Küche des Viersternhauses. Er sagt: «Hier ist einfach alles gut organisiert und ich sehe, wie alle Hand in Hand miteinander arbeiten.» Das gefällt ihm. Mittlerweile steht die Uhr auf 11.45. Auch wenns nun pressiert, ist kaum Hektik spürbar, Zeit für eine Prise Humor muss allemal sein.

Er stehe leidenschaftlich gern am Herd, sagt der 15-Jährige. Im Moment kommt vor allem seine Familie in den Genuss seiner Kochkünste. Sein Lieblingsgericht sind Älplermagronen.

Leistungsbereitschaft ein Muss

11.50 Uhr: Gemeinsam mit den Restaurationsfachfrauen hat Marion Gilbert im Restaurant und auf der Terrasse aufgedeckt, dabei Messer, Gabeln, Gläser und Servietten haargenau zurechtgerückt. Worauf galt es, ganz speziell zu schauen? «Wichtig ist, dass die aufgesetzte Krone auf der Serviette immer schön nach rechts ausgerichtet ist», sagt die Sekundarschülerin aus Staufen. Auch sie ist mit einer weissen Bluse und einer schwarzen Hose perfekt als Gastgeberin gekleidet. «Zudem habe ich mir bequeme Schuhe angezogen», sagt sie. Die wird sie brauchen, schon bald geht der Service los. Wer welche Tische bedient, wurde zuvor genau vorbesprochen. Ist die Terrasse einmal voller Gäste, ist keine Zeit mehr für lange Diskussionen, dann muss alles wie am Schnürchen laufen.

Im Hotel Krone ist der Name Programm. Der Gast ist König, für ihn muss alles stimmen. Deshalb und trotz des Fachkräftemangels hat man in der «Krone» hohe Ansprüche an das Personal, auch an die Lernenden. Und bevor der «Kronen»-Inhaber Otto Gerber seine Unterschrift unter einen Lehrvertrag setzt, wird deshalb Klartext geredet.

Die «Krone» ist ein Dienstleistungsbetrieb – der Chef will sicher sein, dass alle wissen, was das bedeutet. Zukünftige Lernende und auch deren Eltern werden über den Arbeitsalltag genau ins Bild gesetzt. «Die Lernenden müssen sich bewusst sein, dass in unserer Branche samstags und sonntags gearbeitet wird, auch wenn die Kollegen Party machen», stellt Otto Gerber klar. Hinzu kommt, dass man die Küche nicht einfach dichtmachen kann, wenn ein Gast nachts um zehn Uhr etwas essen möchte. «Dann heisst es, die Kochtöpfe noch einmal hervornehmen, auch wenn die ordentliche Arbeitszeit schon vorbei ist.»

Der 15-jährige Stefan zuckt mit den Schultern. Für ihn ist das alles kein Problem. Von einer ersten Schnupperlehre weiss er, dass die Arbeit als Koch kein Zuckerschlecken ist. Hektische Momente und lange Arbeitszeiten schrecken ihn nicht ab. Man müsse halt lernen, mit dem Druck umzugehen, sagt er und tönt dabei schon fast wie ein alter Hase. «Ich werde hundertprozentigen Einsatz geben und will alles recht machen.» Die Lehre als Koch ist der erste Schritt in sein Berufsleben und wichtiger Pfeiler auf dem Weg zu seinem Berufsziel. «Mein Traum ist ein eigenes Hotel mit einem grossen Restaurant in den Bergen.»

Noch nicht klar ist hingegen, ob aus Marion tatsächlich einst eine Restaurationsfachfrau wird. Sie ist auch erst 13 Jahre alt und kann sich mit der Berufswahl noch etwa Zeit lassen. Sicher ist jedoch dies. «Etwas mit Menschen muss es sein.»

Umfrage: Vom Stift zum Chef: Würden Sie Ihre Berufskarriere auch heute wieder mit einer Lehre beginnen?

Hardy Straub, Immobilien-Treuhänder, Inhaber Straub & Partner AG, Lenzburg, Lehre als Kaufmann «Als Immobilien-Treuhänder weiss ich, dass ein Haus ein Fundament braucht. Als Unternehmer schätze ich das solide Fundament der Kaufmännischen Lehre. Berufslehre, Arbeitspraxis und Weiterbildung bilden die Grundlage für ein erfülltes Berufsleben mit allen Karrierechancen. Ich würde wieder diesen Weg gehen.»

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zvg
Brigitte Vogel, Gartenbauingenieur, Schulleitung BBZ Niederlenz, (Lehre als Zierpflanzengärtnerin) «Mit einer Berufslehre legt man die Basis für eine spriessende Zukunft. Die praktischen Erfahrungen sind für eine spätere Weiterbildung an einer Fachhochschule enorm wichtig. Man muss wissen, ‹wie der Puck läuft›, wenn man später in einer beratenden Funktion tätig ist. Ich würde mich wieder für eine Lehre mit anschliessender Weiterbildung entscheiden.»

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zvg
Hermann A. Bader, Verwaltungsratspräsident Heba Food Holding AG, Lenzburg, (Lehren als Metzger und Kaufmann) «Mit einer handwerklichen Lehre als Grundausbildung ist es auch heute noch möglich, beruflich Karriere zu machen. Auf keinen Fall darf es aber dabei bleiben. Man muss sich permanent weiterbilden. Ausbildung ist ein lebenslanger Prozess. Bei mir ist es nicht so schlecht herausgekommen. Ich würde mich wieder für diesen Weg entscheiden.»

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zvg
Rolf Schaller, Inhaber Bürokonzept Schaller AG und Otto Mathys Büromöbel AG, Lenzburg, (Lehre als Feinmechaniker) «Die Berufslehre hat mich vom ersten Tag an als Praktiker gefordert. Ich habe während dieser Zeit gelernt, was genaues Arbeiten heisst. Auch heute kann ich diese Kenntnisse im Alltag nutzen. Ich würde mich wieder für eine Berufslehre entscheiden, aber mit der Berufsmatur. So wäre die Weiterbildung etwas einfacher gewesen.»

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zvg
Walter Eberle, Inhaber Hauswartprofis AG, Mägenwil, (Lehre als Buchdrucker) «Die Lehre vermittelt eine fundierte Grundausbildung und ist eine solide Basis für die spätere Weiterbildung. Im Umgang mit Kunden, Vorgesetzten und Arbeitskollegen lernt man rasch, seine sozialen Qualifikationen zu entwickeln. Die heutige Lehre ermöglicht ein breites berufliches Entwicklungsspektrum selbst in akademischer Richtung.»

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