Seengen
«Erschreckende Umsatzzahlen»: Post schliesst nach sechs Jahren

Die Post-Filiale in Seengen, die zwischenzeitlich sogar Personal aufgestockt hat, geht zu. Als Grund werden Umsatzeinbussen genannt. Eine bediente Postagentur im Volg übernimmt einen Teil der bisherigen Leistungen.

Michael Küng
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Post-Vertreter André Aregger und Eduard Huber mit Gemeindeammann Jörg Bruder, René Eggli von der Landi und deren beiden Geschäftsführer Reto Manetsch und Urs Schryber vor dem Volg von Seengen (v.l.n.r.).

Post-Vertreter André Aregger und Eduard Huber mit Gemeindeammann Jörg Bruder, René Eggli von der Landi und deren beiden Geschäftsführer Reto Manetsch und Urs Schryber vor dem Volg von Seengen (v.l.n.r.).

Michael Küng

Nur sechs Jahre, nachdem die Seenger Postfiliale einen Neubau bezogen und zwischenzeitlich noch beim Personal ausgebaut hat, wird die Filiale nun geschlossen. Am 1. April 2019 übernimmt der Volg als neue Postagentur ihre Aufgaben.

Hat sich die Post in Seengen verplant? «Beim Filialbau gingen wir von ganz anderen Parametern aus. Die Digitalisierung verläuft schneller als erwartet, weshalb Seengen auch nicht der einzige Standort ist, an dem wir einen Neubau überprüfen müssen», sagt André Aregger, der bei der Post für die Entwicklung des Poststellennetzes verantwortlich ist.

«Die Umsatzzahlen sind erschreckend»

Auf Initiative der Gemeinde hin haben er, weitere Post-Vertreter, die Landi Hallwilersee und die Gemeinde gestern zur Pressekonferenz nach Seengen geladen. «Die Post ist mit den Umsatzzahlen der Filiale auf uns zugekommen, um das Gespräch zu suchen. Und die Zahlen sind wirklich erschreckend», sagt Gemeindeammann Jörg Bruder.

Nach längeren und teilweise intensiven Gesprächen seien nun aber alle Parteien zufrieden. «Ich unterstütze die Lösung mit einer Agentur im Volg», sagt Bruder. Mit Landi Hallwilersee könne man auf einen Partner zählen, der in Meisterschwanden bereits Erfahrung in der Führung einer Postagentur sammeln konnte. Die Leistungen werden eingeschränkt: Ein Konto bei der Post kann man nicht mehr eröffnen, Einzahlungen gehen nur noch mit Karte – aus Sicherheitsgründen.

Dafür erhält Seengen längere Öffnungszeiten und eine Päckli-Station («My Post 24»). Betroffen sind drei Mitarbeitende, die sich 170 Stellenprozente teilen. «Wir haben noch keine Lösung, doch wir gehen davon aus, dass wir im Rahmen der normalen Fluktuation eine neue Herausforderung finden werden», sagt Eduard Huber, Leiter Filialgebiet Freiamt. Die Postfiliale schliesst am 30. März. Was mit den Filial-Räumen im Erdgeschoss des «Seeblick» im Unterdorf passiert, ist unklar – der Vermieter war bisher nicht erreichbar.

Konsternation in Beinwil am See

Am anderen Ende des Hallwilersees führt die Post seit einiger Zeit ähnliche Gespräche mit den Gemeindevertretern von Beinwil am See. Ammann Peter Lenzin versuchte lange, die Schliessung der Postfiliale auf dem Bahnhofplatz zu verhindern. «Wenn sie weg ist, besteht die Gefahr, dass der Platz nur noch von den Bahnhofsgästen belebt ist», erklärt er. Doch ihm sei bewusst, dass die Post eine Agentur im Volg favorisiere.

Tatsächlich wäre nicht nur die Post, sondern auch die Landi Hallwilersee für diese Lösung bereit, wie Landi-Geschäftsführer Reto Manetsch bestätigt. «Deshalb habe ich nun nichts mehr unternommen», sagt Peter Lenzin. Und: «Wir wollen die Postagentur zwar nicht, aber mangels Alternativen ist das die beste Möglichkeit.» Deshalb haben auch bereits Gespräche für eine mögliche Nachfolge stattgefunden für die Räume im Filial-Gebäude, das der Post gehört. «Ein Kunstmuseum war im Gespräch, ist aber leider wieder abgesprungen», schliesst er.