Seengen
Erobern und verteidigen: Der Schlössertag entführte seine Besucher ins finstere Mittelalter

Am Schlössertag kam auf Schloss Hallwyl nebst Fackeln auch eine Belagerungsmaschine zum Einsatz.

Peter Weingartner
Merken
Drucken
Teilen
22 Bilder
Impressionen vom Schlössertag auf dem Schloss Hallwyl

Peter Weingartner

«Was würdest du tun, um ein Schloss zu erobern?», fragt Sarah Caspers, Geschichtsvermittlerin beim Museum Aargau. Die Kinder können sich das nicht so ganz vorstellen. Schiessen? Die Pfeile zerbrächen an den Mauern. Und wie verteidigten sich die Schlossherren? Die Eltern raten mit. Zugbrücke, Pfeile aus den Schiessscharten in den Mauern. Pech und heisses Öl auf die Eindringlinge giessen.

Von Eidgenossen abgebrannt

Der Schlössertag bietet interaktiven Anschauungsunterricht. Brandspuren an einem Turm. Fackeln habe man abgeschossen damals, vor 601 Jahren, als die Eidgenossen mit König Sigismunds Segen den Habsburgern alles wegnehmen durften.

Caspers weist auf die Oberbauten des Schlosses: Holz: «Und auch die Dächer waren mit Holzschindeln gedeckt.» Hallwyl sei also abgebrannt worden; nur der Wohnturm hat dem Feuer standgehalten. «Wer will messen?», fragt sie und winkt mit dem Messband. «3 Meter 17», sagt ein Mädchen nach der Messung. So dick waren die Mauern bei diesem Turm.

Mittelalter allenthalben. Peter der Zweite von Savoyen, gespielt von Florian Lisken, mischt sich unters Publikum. Er hat von 1203 bis 1268 gelebt, und man hat ihn auch den kleinen Karl den Grossen genannt. Er inspiziert das Schloss und seine Verteidigungsanlagen.

In französisch angehauchtem Deutsch kommt er mit den Leuten ins Gespräch und erzählt aus seinem wechselvollen Leben. Im Krieg hat er die Grundlage seines Vermögens geschaffen, was ihm erlaubt hat, Schloss Chillon umzubauen. Über die Tiefe des Hallwyler Wassergrabens kann er nur lachen: Chillon hat den Genfersee.

Holzräder und ein Dach

«Es gibt etwas nasse Füsse da», sagt Sarah Caspers, als sie sieht, wie Kinder durch die Pfützen waten, «es ist halt ein Wasserschloss.» Doch das Wetter bessert sich. Caspers führt die Gruppe nun über die Zugbrücke zu einem Karren mit Holzrädern und Dach. «Das nennt man ‹Katze›, Belagerungskatze», erzählt sie, und das Dach schützt die Angreifer, wenn sie sich einer Burg nähern.

In der Mitte liegt ein runder Baumstamm, und die Erwachsenen erkennen sofort, wozu das gut sein kann: um ein Tor zu rammen und das Schloss zu stürmen. Genau das schaffen die Kinder alleine.

Erobern und verteidigen: Waffen gehören dazu. Auf der Schanze können Kinder einen Speer werfen oder mit einer einfachen Armbrust schiessen. Zwischen Speicherhaus und dem Turm, der einst als Gefängnis diente, werden Fackeln hergestellt. Opa versucht sich im Verzieren. Und später formt man eine Löschkette, um eine brennende Fackel zu löschen.

Im Innern rezitiert Philipp Gwerder Gedichte von Walther von der Vogelweide, der um 1200 gelebt hat. Die Grossen können selber mittelhochdeutsche Gedichte zusammenstellen oder sich im Althochdeutschen versuchen: «michel hunger tuot prôt suozzen.» In heutiger Sprache: Grosser Hunger versüsst das Brot. Für Brot und Süsses ist am Schlössertag auf Schloss Hallwyl das Café zuständig.