Brunegg
Erlesene Kühe und viel Trauer an der «Auktion des Jahres»

Weltbeste Holstein-Kühe lockten über 2000 Personen in die Vianco-Arena in Brunegg: Der Sarmenstorfer Meisterzüchter Rinaldo Müller löste seine Herde und damit sein Lebenswerk auf.

Eddy Schambron (Text und Foto)
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Auktionator Andreas Aebi sorgt dafür, dass Riedmüllers Simona in der Vianco-Arena einen der Qualität entsprechenden Preis erzielt.

Auktionator Andreas Aebi sorgt dafür, dass Riedmüllers Simona in der Vianco-Arena einen der Qualität entsprechenden Preis erzielt.

Aus den Lautsprechern tönte Musik zwischen Rock und Country, schon vor der eigentlichen Auktion war die Halle gut gefüllt. 78 Tiere waren für die «Auktion des Jahres» angekündigt, und das liessen sich Züchter und interessierte Bauern nicht entgehen. Sie reisten aus allen Gegenden des Landes und selbst aus dem Ausland an. Das sei der grösste Tag in seinem Leben, aber auch sein traurigster, liess der Sarmenstorfer Meisterzüchter 2013, Rinaldo Müller, ausrichten. Sein grösster Tag deshalb, weil in der Vianco-Arena noch einmal seine ausserordentliche züchterische Leistung unter Beweis gestellt wurde. Sein traurigster, weil er sich von den Tieren trennen musste.

Weil der 61-jährige Müller seine Läger im Stall bedingt durch das neue Tierschutzgesetz baulich anpassen müsste, aber keinen Nachfolger hat, entschloss er sich, Viehzucht und Milchwirtschaft aufzugeben. Müller hat 1977 den Riedmühle-Hof in Sarmenstorf als Milchwirtschafts- und Kälbermastbetrieb übernommen. Er stellte die schwarz-weissen Holstein-Kühe in den Stall und liess sich in Kanada und Deutschland von erfolgreichen Züchtern in die Geheimnisse der Holstein-Zucht einweisen. Und kam zu ausserordentlichen Erfolgen. Dafür, sagte er, danke er auch seiner Frau Hildegard, «die es neben den Kühen so lange mit mir ausgehalten hat.» Seinen Dank stattete er den Jungzüchterinnen und -züchtern sowie den vielen Helfern ab, die sich für die Auktion engagiert haben.

Es war das erste Mal in der Geschichte der Holsteinzucht, dass ein Meisterzüchter seinen ganzen Bestand zur Auktion brachte. Züchterkollege Markus Hitz aus Untersiggenthal rief nochmals in Erinnerung, dass Müller einen herausragenden Zuchtausweis vorzuweisen habe. «Alle seine Erfolge hier aufzuführen würde zu weit führen.» Müller hat als Züchter nicht nur im Inland einen hervorragenden Ruf, sondern verkaufte Kühe auch nach Deutschland, Italien und Holland. «Er ist überzeugt, dass sich hier viele junge Züchter eine gute Basis für die Weiterarbeit schaffen.»

Auktionator Andreas Aebi gab – zweisprachig – alles, um für die angebotenen Tiere einen der Qualität angemessenen Preis zu erhalten. Wie er Schritt für Schritt die Angebote in die Höhe trieb, hatte stellenweise die Spannung eines guten Krimis. Entsprechend fieberten die Besucherinnen und Besucher mit, beobachteten aufmerksam die Szene und waren immer wieder überrascht, wie es Aebi gelang, einen Bieter nochmals eine Stufe höher zu führen.

In der Vianco-Arena wurden kurz nach Beginn der Auktion eilig weitere Sitzgelegenheiten herbeigeschafft. Die Organisatoren hatten mit gegen 2000 Besucherinnen und Besucher gerechnet, es dürften mehr gewesen sein. Es waren selbstverständlich nicht nur kaufwillige Züchter angereist, sondern sehr viele Landwirte, die sich diese wohl einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen wollten. Draussen hatte der Verkehrsdienst alle Hände voll zu tun, damit alle parkieren konnten. Vor der Arena und in der Festwirtschaft gingen zwischenzeitlich kurzfristig die Bratwürste aus.

Nach der Auktion mussten alle Kühe in Laktation sofort zu den neuen Besitzern geführt werden. Für Müller, trotz des Erlöses, vielleicht der traurigste Augenblick seines Lebens.