«So viele Angebote unter einem Dach für 30 Franken Jahresbeitrag.» So der Kommentar eines Familienvaters bei den kürzlich stattgefundenen Feierlichkeiten zum 5-jährigen Bestehen des Familienzentrums «Familie plus».

Zufrieden über dessen Entwicklung ist auch Vereinspräsidentin Sabine Sutter-Suter. Sehr sogar. Aktuell sind 13 Drittorganisationen im Haus eingemietet, die gesamten Aktivitäten vom «Familie plus» füllen mittlerweile mehrere Prospektseiten. Pro Woche gehen rund 400 Besucher am Walkeweg ein und aus. «Wir sind zu einem kleinen KMU gewachsen», sagt die Präsidentin.

Angebote im städtischen Auftrag

Doch wie es mit dem Familienzentrum in Zukunft weitergehen soll, hängt nicht zuletzt vom Entscheid des Einwohnerrats übermorgen Donnerstag ab. Der Stadtrat beantragt, das Familienzentrum auch in Zukunft finanziell zu unterstützen (separater Text). Dabei soll die Höhe des Betriebsbeitrages jährlich neu festgelegt werden. Im Budget 2017 sind 30 000 Franken vorgesehen. Seinen Beschluss führt der Stadtrat unter anderem auf den Leistungsausweis zurück, den der Einwohnerrat vom Verein vor zwei Jahren explizit verlangt hatte. Diesen hatten die «Familie plus»-Verantwortlichen vor zwei Monaten vorgelegt. Inklusive verschiedener Szenarien mit Entwicklungsmöglichkeiten des Hauses.

Die Vorschläge gehen von der rein gewinnorientierten Nutzung des Zentrums aus, ohne Betriebsbeiträge von der Stadt, über den Status quo, welcher mit der beantragten Unterstützung von 30 000 Franken rechnet, bis hin zu einem weiteren Angebotsausbau mit fallweiser Prüfung von Unterstützungsbeiträgen. Vereinspräsidentin Sabine Sutter-Suter denkt dabei unter anderem an den Ausbau der heutigen Programme im Bereich von Integration beziehungsweise Sprachförderung für Fremdsprachige, welche das Familienzentrum in Kooperation mit Kanton und Stadt durchführt.

Sutter-Suter hofft, dass das Familienzentrum zumindest den Status quo beibehalten kann, was mit dem budgetierten Betrag möglich würde. 200 000 Franken beträgt der Vereinsumsatz im Jahr. Das strukturelle Defizit beträgt 40 000 bis 50 000 Franken. Die Liegenschaft am Walkeweg ist gut im Schuss, Dach und Heizung waren in den vergangenen Jahren saniert worden. Einzig die WC-Anlagen im Erdgeschoss stehen in nächster Zeit an. Aktuell will der Stadtrat jedoch keine Zusicherung für finanzielle Unterstützung an bauliche Massnahmen abgeben.

Kein Upper-Class-Angebot

Kehrt der Einwohnerrat nun von seiner bisherigen Haltung ab und streicht den Betriebsbeitrag, so würde das laut der Vereinspräsidentin zu einem Zielkonflikt führen. Ohne weitere Zuschüsse müssten die Programme künftig viel teurer angeboten werden, weil sie den Aufwand für das Familienzentrum decken müssten. Mit andern Worten: «Unsere Aktivitäten könnten sich gar nicht mehr alle leisten.» Und das ist gar nicht nach dem Sinn des bisherigen Auftrages des Einwohnerrats. Dazu Sutter-Suter: «Die bisherige finanzielle Unterstützung durch die Stadt war klar mit dem Auftrag verknüpft, Angebote für alle sozialen Schichten bereitzustellen.»

Sutter-Suter erwartet nicht, dass der Einwohnerrat die Vorlage einfach so durchwinkt. Doch sei auch im Rat die Akzeptanz der Institution spürbar da, weshalb sie davon ausgeht, dass das Geschäft nach vorangehender Diskussion eine Mehrheit findet.

Synergien nutzen

Über die heutigen Aktivitäten von «Familie plus», sagt die Vereinspräsidentin: «Die Angebote befruchten sich gegenseitig.» Das bringe einerseits finanzielle, aber auch inhaltliche Vorteile. Als Beispiel nennt sie das von Kanton und Gemeinde unterstützte Sprachförderungsprogramm. Dieses ist bereits mit einem Anschlussangebot ergänzt worden, dem Treff «Türen öffnen» speziell zur Integration fremdsprachiger Frauen im Bezirk. Finanziert wird der Treff über ein Sponsoring. Eine Stiftung, die laut der Vereinspräsidentin jedoch anonym bleiben möchte, unterstützt das Sprachprogramm mit 24 000 Franken im vergangenen und mit 20 000 Franken im laufenden Jahr. Das Generieren von Spenden und Sponsorengeldern hatte der Einwohnerrat explizit verlangt.