Möriken-Wildegg
Erfolgsgeschichte: Hundert Jahre Missionsbasar

Wie Familie Burger den Missionsbasar gründete und wo er heute steht.

Ann-Kathrin Amstutz
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Für einen guten Zweck: Die Strickgruppe fertigt Produkte für den Basar. zvg

Für einen guten Zweck: Die Strickgruppe fertigt Produkte für den Basar. zvg

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Wenn ein Anlass hundert Jahre lang überlebt und prosperiert, ist das kein Zufall. Eine aussergewöhnliche Idee und die Bereitschaft zu harter Arbeit müssen dahinter stecken. Genau dies trifft auf den Missionsbasar Möriken-Wildegg-Holderbank zu. Es ist eine hundertjährige Erfolgsgeschichte, welche anlässlich des Jubiläums zu den Anfängen zurückverfolgt werden soll.

Wie alles begann

Die Zeitreise führt in die Jahre nach 1900. Wegen der dürftigen Quellenlage bleibt manches im Dunkeln, so viel aber ist klar: Alles begann mit einer frommen jungen Frau, welche bei Julie von Effinger auf Schloss Wildegg angestellt war. Lisette Burger war ihr Name. Über Julie kam sie in Kontakt mit der Basler Mission, einer der ältesten reformierten Missionsgesellschaften.

Das ging so weit, dass Familie Burger oft Gäste von der Basler Mission beherbergte. Zudem wurde in Lisettes Elternhaus ein Raum für Sonntagsschule und Bibelstunden eingerichtet. Dieser Raum war die erste Stätte des Basars: Lisette und ihre Schwester Marie nähten und strickten, was das Zeug hielt, verkauften ihre Werke und spendeten den Erlös an die Mission. Der Missionsbasar war geboren. Jahrzehntelang sollte der Anlass in Händen der Familie Burger bleiben.

Die Basar-Gründerinnen Lisette und Marie Burger. zvg

Die Basar-Gründerinnen Lisette und Marie Burger. zvg

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Einige Jahre nach der Burger-Ära fand der Basar 1959 erstmals im neuen Gemeindesaal statt. Es war ein Zeichen, dass sich der Anlass weiterentwickelte. 1970 wurde eine neue Tradition begründet: der Suppen-Zmittag. Die Suppe war so begehrt, dass mit der ganz grossen Kelle angerührt wurde: 80 Liter Minestrone wurden damals verputzt. Noch immer ist die Basar-Minestrone ein Klassiker, heute verkaufen sich gar bis zu 200 Liter.

Das Jahr 1980 brachte grosse Veränderungen. Erstens wurde der Basar ökumenisch: Auch katholische Frauen wirkten am Basar mit. Und zweitens wurde das Basarteam gegründet, wodurch die Organisation auf mehrere Schultern verteilt war.

Konfirmanden packen an

Seit 2013 ist Vreni Lüscher die Vorsitzende des Basarteams. «Der Basar ist kein rein kirchlicher Anlass, eher ein Dorffest», sagt sie. «Er wird von der ganzen Bevölkerung unterstützt und getragen. Das ist der Grundstein unseres Erfolgs.» Über hundert Freiwillige, hauptsächlich Frauen, helfen am Jubiläumsbasar vom 26. November mit – bei der Herstellung der Verkaufsartikel und am Basartag.

Vreni Lüscher erklärt, wo der Basar heute steht. Im Angebot seien immer noch Näh- und Stricksachen, daneben aber auch Weihnachtsartikel wie Adventskränze oder Karten aller Art sowie – natürlich – Essen. Minestrone, Hotdogs oder Vermicelles am Buffet, Konfitüre und Backmischungen gibt es zum Mitnehmen.

Besonders stolz ist Lüscher aber auf die immateriellen Produkte: «Jedes Jahr machen alle Konfirmanden mit. Sie verkaufen Dienstleistungen wie Gartenarbeit oder Fensterputzen. Seit es dieses Angebot gibt, hatten wir unzählige, ausschliesslich positive Rückmeldungen.»

Auch der Erlös stimmt sie zufrieden: Durchschnittlich rund 21 000 Franken waren es in den letzten Jahren. Das Geld fliesst in regionale und internationale Projekte: an den Rüebli-Träff Wildegg, Bündner Berggemeinden sowie internationale Hilfsprojekte, aktuell in Nigeria und auf den Philippinen. Noch immer laufen die ausländischen Projekte über die Mission.

«Wir möchten ‹Danke› sagen»

Am 26. November, nach dem Basar, steigt ein Fest mit geladenen Gästen. Dazu gehören alle, die je am Basar mitgeholfen haben plus einige Gäste von der Basler Mission – insgesamt über 300 Personen. Geplant sind drei Kurzreferate und das gemeinsame Schauen eines Jubiläums-Dokumentarfilms, gedreht vom Möriker Fotografen Thomas Kern, sowie ein Apéro riche. «Damit möchten wird uns bei all den Leuten bedanken, die mit ihrem Engagement den Basar über all die Jahre ermöglicht haben», so Vreni Lüscher.

Ein bisschen ist es auch eine Hommage an die Familie Burger. Selbst nicht auf Rosen gebettet, hat sie sich für den Basar vieles vom Mund abgespart. Vreni Lüscher gedenkt ihrer mit Ehrfurcht und Dankbarkeit. Ob es den Basar in hundert Jahren noch gibt? «Ich hoffe es sehr», meint Lüscher und lächelt zuversichtlich.

Ökumenischer Missionsbasar Möriken-Wildegg-Holderbank: Samstag, 26. November 2016, im Gemeindehaus Möriken, 11.30 Uhr bis 16.00 Uhr