Invasive Neophyten bedrohen die einheimische Pflanzenwelt. Sie bedecken rasch grosse Flächen, verhindern das Wachstum anderer Pflanzen und bieten kaum Nahrung für Insekten.

Die Kanadische Goldrute, der Japanknöterich oder das Drüsige Springkraut werden von den Naturschutzvereinen und den Gemeinden bereits seit längerer Zeit bekämpft. Der Bund will den Kampf gegen Neophyten sogar auf Zier- und Gartenpflanzen wie Sommerflieder oder Kirschlorbeer ausdehnen.

Erfolg dank beharrlichem Einsatz

Gegen die Kanadische Goldrute oder das Drüsige Springkraut im Wald und an Bachläufen geht der Natur- und Vogelschutzverein Seengen seit rund zehn Jahren vor. Mit Einsätzen unter Mithilfe der Bevölkerung und durch regelmässige Kon- trollgänge. Christian Siegrist, Präsident des Vereins, kann von guten Erfolgen berichten. Die Ausbreitung der Goldrute ist im Griff und das Springkraut wächst nur noch an wenigen Orten. «Dieses wucherte früher auf einer ehemaligen Grüngutdeponie und dehnte sich einem Bächlein entlang aus, das zum See hinunterführt», berichtet Siegrist.

«Seit vier Jahren ist das Gebiet nun aber sauber.» Ohne den frühzeitigen Eingriff der Naturschützer hätte sich das Kraut bis an das Ufer des Hallwilersees ausbreiten können. Siegrist ist überzeugt von der Notwendigkeit und der Nachhaltigkeit des Einsatzes gegen Neophyten. «In 100 Jahren weiss man, warum wir das gemacht haben», erklärt er.

Damit die unerwünschten Pflanzen weiterhin unter Kontrolle bleiben, ruft der Natur- und Vogelschutzverein jedes Jahr die Dorfbevölkerung zu einem Bekämpfungseinsatz auf. So trafen sich am Samstagnachmittag rund zehn Personen, um unter der Anleitung von Christian Siegrist der Goldrute und dem Springkraut den Garaus zu machen. Darunter war auch Golmohmmed Razuli, der schon vor Jahren zusammen mit anderen Asylbewerbern bei der Neophytenbekämpfung mitgeholfen hatte und immer noch gerne dabei ist. «Ich glaube, das ist wichtig, und es macht Freude, mit den anderen zusammen zu sein.»

Hilfe für einheimische Gewächse

Entlang der Strasse Richtung Waldhütte gibt es noch ein kleines Gebiet, wo die Goldrute wächst. «Ihr müsst die Pflanze unten packen und langsam ziehen, damit der Wurzelstock mitkommt», erklärte Christian Siegrist. Der feuchte Waldboden erleichterte das Ausreissen. Der Erfolg der Neophytenbekämpfung in Seengen spornte die Helferinnen und Helfer an und sie stürzten sich mutig ins Dickicht, um die zwischen Brombeerstauden wuchernden Goldruten auszureissen. «Wenn wir keine einheimischen Pflanzen mehr haben, gibt es auch keine Insekten und keine Vögel mehr», begründete Angela Matthews ihren Einsatz.

Auch Ronald Siegrist findet den Aufwand sinnvoll und ist überzeugt, dass die Neophyten sonst überhandnehmen würden. Karin Sandmeier hingegen ist sich nicht so sicher, ob man die Neophyten aufhalten kann. «Ich vertraue aber auf die Einschätzung der Fachleute und helfe deshalb mit.»