Er sass in seinem Zimmer im Gasthaus «Rössli» in Möriken am Boden, machte sich Gedanken über sein Leben. Er war unzufrieden. Kein Geld, keinen Lehrabschluss, keinen Job. Zwar sagten alle, sie würden ihm helfen. Aber ihm kam es vor, als wollte ihm niemand helfen.

Er zündet Streichhölzer an, wirft sie auf den Boden und auf die Matratze. Er steht auf, nimmt den gepackten Koffer mit der dreckigen Wäsche, schliesst die Zimmertür, fährt zu seinem Vater und seiner Stiefmutter. Sie sollten seine Wäsche waschen. Das Feuer, dachte er, würde wieder aufhören zu brennen.

Kurze Zeit später lodern Flammen aus dem Dach. Ein Nachbar macht das Wirtepaar darauf aufmerksam. Der Wirt rennt mit einem Feuerlöscher nach oben, versucht, zu löschen. Vergeblich. Zusammen mit dem Nachbarn geht er noch von Zimmer zu Zimmer.

Im ersten Stock schläft ein Mann. Der Wirt schlägt heftig an die verriegelte Zimmertür, um ihn zu wecken. Gemeinsam bringen sie sich draussen in Sicherheit. Das war am 23. März 2017. Am gleichen Tag nahm die Polizei den damals 20-jährigen Kosovaren fest. Er gestand, das Feuer gelegt zu haben, und sitzt seither im Gefängnis.

Brand in Möriken war Brandstiftung

Brand in Möriken war Brandstiftung (Beitrag vom März 2017)

Die Polizei verhaftete einen 20-jährigen Kosovaren. Er soll den Dachstockbrand im Gasthaus Rössli verursacht haben.

Eigener Frust als Motiv

Gestern behandelte das Bezirksgericht Lenzburg den Fall. Für den inzwischen 22-Jährigen stand viel auf dem Spiel. Brandstiftung ist ein Katalogdelikt, das eine obligatorische Landesverweisung verlangt. Der Staatsanwalt forderte denn neben einer Gefängnisstrafe von 4½ Jahren auch eine Landesverweisung von zehn Jahren.

Der Beschuldigte habe genau gewusst, was er tat. «Er hat mit Absicht sein Zimmer in Brand gesteckt. Er musste mit allem rechnen.» Sein Motiv sei egoistisch. Er habe mit dem Feuer auf seinen eigenen Frust aufmerksam machen wollen.

Rössli-Brandstifter geständig

Rössli-Brandstifter geständig (Beitrag vom März 2017)

A. X. aus Windisch hat zugegeben, letzten Donnerstag sein Zimmer im Gasthof in Möriken angezündet zu haben. Dem 20-Jährigen droht eine längere U-Haft.

Im Kosovo wartet niemand

Der Verteidiger betonte, sein Mandant habe zwar einen Sachschaden verursachen, aber keine Menschen gefährden wollen. Es sei ihm nicht darum gegangen, jemandem zu schaden oder Personen zu verletzen. Es handle sich bei der Brandstiftung um eine sogenannte Appelltat, einen Schrei nach Aufmerksamkeit.

Der Verteidiger zitierte in seinem Plädoyer aus dem psychologischen Gutachten. Dieses beschreibe seinen Mandanten als klagsamen, fordernden Mann, der dazu neige, sich in etwas hineinzusteigern, und sich schlecht selber beruhigen könne. Ausserdem sei er emotional und sozial unreif sowie kognitiv eingeschränkt.

Bilder des Brands im «Rössli» in Möriken: 

Diese Defizite würden sich in seinem Verhalten niederschlagen. Deshalb forderte er neben einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren eine stationäre Massnahme. Das Gutachten sage klar, dass nur durch eine solche Massnahme verhindert werden könne, dass der Beschuldigte eine weitere Straftat begehe.

Auch auf eine Landesverweisung sei zu verzichten, forderte der Verteidiger. Sie sei nicht zumutbar. Im Kosovo könne sich sein Mandant keine wirtschaftliche Zukunft aufbauen. «Dort wartet niemand auf einen schlecht ausgebildeten Rückkehrer mit Defiziten.» Der Staatsanwalt hingegen hielt an der Landesverweisung fest. «Wenn das ein Härtefall ist, ist jeder Fall ein Härtefall – ausser vielleicht ein Kriminaltourist», sagte er.

Gegen eine Massnahme würde es zwar nichts einzuwenden geben, sie sei aber sinnlos, wenn danach eine Ausweisung erfolge. Das sah der Verteidiger wiederum anders: «Nur weil eine Person nachher nicht mehr in der Schweiz ist, heisst das nicht, dass man sie nicht resozialisieren muss.»

Das Urteil des Bezirksgerichts Lenzburg ist ein Mittelweg. Der Kosovare muss wegen Brandstiftung 3½ Jahre ins Gefängnis und wird für zehn Jahre aus der Schweiz verwiesen. Trotzdem ordnete das Gericht eine Massnahme an, sodass er eine Lehre absolvieren kann. «Damit haben Sie auch im Kosovo bessere Chancen», sagte die Gerichtspräsidentin. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Beide Parteien können es ans Obergericht weiterziehen.