Es waren traurige Umstände, unter denen Roger Strebel vor acht Jahren ins Amt aufstieg. Stephan von Burg, Kommandant der Regio Feuerwehr Lenzburg, verstarb plötzlich und unerwartet. Strebel, damals Chef der Maschinisten, übernahm nach einer kurzen Übergangsfrist.

Auch wenn er sich den Zeitpunkt und den Anlass für den Karriereschritt natürlich anders gewünscht hatte, war Roger Strebel bereit. Seit er 20 Jahre alt ist, gehört er der lokalen Feuerwehr an. Seine Faszination begann schon weitaus früher: Der Grossvater war Kommandant, sein Vater Offizier. «Von ihnen habe ich mir vieles abschauen können», sagt er.

Manchmal muss er auch Vermittler spielen

In nunmehr fast 30 Jahren im Dienst hat Strebel so einiges gesehen und erlebt. Und erfahren, wie sich die Zustände ändern. Er erzählt, wie die Administration immer anspruchsvoller werde. «Jeden Einsatz, ob gross oder klein, müssen wir von A bis Z aufzeichnen und sauber dokumentieren.» Besonders für den Kader kommt das einem erheblichen Mehraufwand gleich. Strebel findet die Entwicklung hin zu mehr Bürokratie schade, «aber sie ist notwendig, damit wir als Organisation transparent sind».

Feuerwehrmann zu sein, sei immer noch für viele junge Menschen reizvoll, sagt Strebel. Immer weniger seien aber bereit, derart viel Zeit und Energie aufzuwenden. «Die Leute kommen und gehen kurz darauf wieder», bemängelt Strebel. «Obwohl wir offen und ehrlich kommunizieren, welcher Aufwand auf sie zukommen wird.»

Aus Strebels Sicht hat das vor allem mit zwei Dingen zu tun. Einerseits sinke der Stellenwert der Feuerwehr in der Gesellschaft. Die Menschen würden ihre Freizeit und andere Hobbies heute höher gewichten als früher.

Andererseits fehle es an Akzeptanz seitens der Arbeitgeber. «Der Druck steigt enorm», bemerkt Strebel. «Es kommt immer wieder vor, dass unsere Leute sagen: Der Chef hat heute schon wieder reklamiert, als ich auf der Arbeit gefehlt habe.» In solchen Situationen müsse er als Kommandant bei den Betrieben vorbeigehen und zwischen den Parteien Mediator spielen.

Glücklicherweise gebe es aber auch die andere Seite. «Diejenigen, die sagen: Gott sei Dank sind Menschen wie ihr da, die sich so einsetzen.» Stand jetzt stellen sich dafür genügend Leute zur Verfügung: Mit 115 Einsatzkräften erfüllt die Regio Feuerwehr Lenzburg gerade den Sollbestand. Roger Strebel wird gespannt verfolgen, wie sich die grösste Feuerwehr im Raum Lenzburg weiter entwickeln wird. Ab 2020 tut er das aber als Aussenstehender: Er gibt sein Amt als Kommandant auf Ende Jahr ab. «Ich denke, nach knapp drei Jahrzehnten, in denen ich alles für die Feuerwehr gegeben habe, darf ich mir mehr Zeit für mich nehmen.» Eigentlich habe er schon vor zwei Jahren aufhören wollen, doch da habe es sich nicht ergeben. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt gekommen.

Er blicke auf eine Menge Dinge in der Feuerwehr sehr gerne zurück, sagt Strebel. Etwa, dass in all den Einsätzen jeder gesund nach Hause gekommen sei. Darauf, dass sie immer sachlich gehandelt hätten und «wir nicht rambo-mässig in die Häuser gestürmt sind». Eigentlich lässt es sich in einem Satz zusammenfassen, wie Strebel über die Zeit als Kommandant denkt: Er sagt: «Ich würde es sofort wieder machen.»