Schafisheim

Er produziert die Blumen für alle Jugendfeste in der Region: «In Lenzburg sind die Kornblumen blau»

Die Pflanzen müssen bewirtschaftet werden, damit die Kornblüemli immer schön nachwachsen, sagt Fachmann Vogel.

Die Pflanzen müssen bewirtschaftet werden, damit die Kornblüemli immer schön nachwachsen, sagt Fachmann Vogel.

Der Schafisheimer Gärtner Martin Vogel produziert Kornblumen für alle Jugendfeste in der Region. 60'000 werden heuer in der Gärtnerei Vogel geerntet.

Martin Vogel blickt zufrieden über das Blumenfeld hinweg. Zu sehen ist viel Grün, noch hat es wenige Farbtupfer. «Es kommt heuer gut mit den Kornblüemli», sagt der 34-jährige Chef des gleichnamigen Familienbetriebes in Schafisheim.

Seit das Berufsbildungszentrum Niederlenz (BBZ) seine Tore vor Jahresfrist geschlossen hat, ist die Gärtnerei Vogel einziger Kornblumenproduzent für die Jugendfeste in der Region. Deshalb hat Vogel die Anbaumenge vervielfacht auf rund 3500 Pflanzen. Er rechnet mit einer Ernte von gut und gerne 60 000 Kornblumen.

Die Pflanzen sind mittlerweile gut einen halben Meter hoch gewachsen. Da und dort steht die kleine Blume bereits in voller Blüte. Daneben hat es vor allem Knöpfe, an jeder Pflanzenstaude hundert und mehr. Sie werden sich in den kommenden Tagen öffnen und im schönsten Blau erstrahlen. Dass das zu früh passieren könnte, ist aktuell Vogels grösste Sorge. «Kornblumen lieben Tropennächte, wie wir sie jetzt haben. In den letzten beiden Wochen ging die Post ab», sagt er. Bei den aktuellen klimatischen Verhältnissen würden die Kornblüemli bis zu fünf Zentimetern pro Tag wachsen. Das geht Martin Vogel etwas zu rasch. Die Kornblumen sollen erst am Festumzug in schönster Blüte stehen, zu einem Biedermeiersträusschen verarbeitet oder als Kränzchen einen Mädchenkopf zierend. Weil die Pflanzen von Anfang an sehr gut gediehen, hat Martin Vogel der Natur ins Handwerk gegriffen, um das Wachstum zu bremsen. Zweimal wurden die Kornblumen mit der Heckenschere radikal zurückgeschnitten.

In Aarau sind sie rosa und blau

Die ersten grösseren Mengen Kornblumen werden am kommenden Wochenende benötigt. Der Rutenzug in Brugg und der Maienzug in Aarau stehen an. «So richtig parat müssen wir eine Woche später sein», sagt Martin Vogel. Am 12. Juli findet das Jugendfest in Lenzburg statt. Die Bezirkshauptstadt ist der grösste Abnehmer von Kornblumen. «Rund zwei Drittel der gesamten Produktionsmenge geht nach Lenzburg», erklärt er.

Während an den andern Jugendfesten in der Region rote, weisse oder auch lilafarbene Kornblumen gefragt sind, ist das in Lenzburg überhaupt kein Thema. Kaum jemand wagt im Bezirkshauptort, an der uralten Tradition zu rütteln. Zaghafte Versuche werden resolut abgeblockt. Diesbezüglich hat der Kornblumenproduzent, der seine Blumen über Grossverteiler, Fachgeschäfte und am Wochenmarkt in Lenzburg auch direkt verkauft, einschlägige Erfahrungen gemacht. Diese sind heute gern erzählte Anekdoten geworden. «Eine junge Frau, es war wohl eine Neuzuzügerin, hatte sich an unserem Marktstand erkundigt, in welchen Farben die Kornblumen erhältlich seien. Die Dame wurde umgehend von Kundinnen aufgeklärt. ‹In Lenzburg sind die Kornblumen blau›, hat es geheissen», erzählt Vogel und schmunzelt. Es sei tatsächlich so: Wer in Lenzburg Kornblüemli verlange, erwarte nichts anderes als eines in einem schöne Tiefblau.

Andernorts sieht das anders aus, weiss Martin Vogel. In Aarau zum Beispiel würden etwa je zur Hälfte rosa- und blaufarbene Kornblumen verlangt.

«Die Kornblüemli für die Jugendfeste zu ziehen, ist für mich sowohl eine Herzensangelegenheit wie auch eine Verpflichtung.» Als das BBZ seine Tore schloss, zögerte der Schofiser Gärtnermeister nicht lange, wurde alleiniger Produzent der Kornblumen. Dass deren Gedeihen der Launen der Natur ausgesetzt ist, bereitet ihm kein Kopfzerbrechen mehr; ebenso die grosse Verantwortung, die er sich auferlegt hat. Anfänglich habe er nächtelang von Kornblumen geträumt. «Mittlerweile vertraue ich darauf, dass alles gut kommt», sagt er und lacht.

Übrigens: Wer viel Freude an seinen Kornblumen haben möchte, soll sie bis am Festtag kühl lagern, verrät Vogel. «Im Kühlschrank sind sie am besten aufgehoben.»

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