Schafisheim
Er ist nicht der Senior, er ist der Spezialist

Werner Frey arbeitet seit 50 Jahren (!) bei der Ferrum AG – immer millimetergenau. Der az Aargauer Zeitung sagt er, warum er mit 66 Jahren noch immer arbeiten will.

Irena Jurinak
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Obwohl der Maschinenmechniker Werner Frey pensioniert ist, hatte er dieses Jahr keine Zeit für seine Griechenlandferien. «Ich fahre dafür im Frühling hin», sagt er und lacht verschmitzt. Im blauen Übergwändli sitzt er im Pausenraum in der Montagehalle für Conserventechnik der Ferrum AG in Schafisheim. Seit fünfzig Jahren arbeitet der 66-jährige Auensteiner Frey hier. Seit seiner Pensionierung auf Abruf. «Normalerweise fahre ich jedes Jahr im September zu Freunden nach Griechenland, dieses Jahr hatten wir zu viel Arbeit.»

Frey hat keine Lust zu Hause zu sitzen. «Man kann nicht 50 Jahre krampfen und dann einfach aufhören.» Ein Mensch brauche eine Aufgabe. Wenn es viel zu tun gibt, macht er auch jetzt noch ab und zu eine 52-Stunden-Woche. «Ich bin pflichtbewusst.»

50 Jahre Erfahrung

An seinem Arbeitsplatz in der Montagehalle wird klar, dass Sorgfalt und Genauigkeit in seinem Beruf eine wichtige Rolle spielen.

Er montiert Maschinen-Köpfe für Vakuum-Dosenverschliesser. Dabei wird das Zehntelmillimeter dünne Aluminium von Dose und Deckel ineinandergefalzt. Luftdicht und hygienisch. Auf den schnellsten Maschinen können pro Minute bis zu 2400 Dosen verschlossen werden.

Ein Arbeitskollege kommt auf einen Schwatz vorbei. Frey gilt hier nicht als Senior, sondern als Spezialist. «Holt man temporäre Mechaniker für solche Aufgaben, muss man sie einarbeiten. Bei mir weiss der Chef, dass alles klappt», erklärt er. Dadurch sei allen geholfen.

Früher war Frey ein Tüftler, er entwickelte Fruchtentstein-Maschinen für diverse Früchte. «Eines habe ich dabei gelernt, der Mensch kommt gegen die Natur nicht an.» Die Produzenten der «Mon Cherie»-Pralinés hätten vorgeschrieben, dass die Kirschen maximal einen Durchmesser von 17 Millimetern haben durften. «Ich muss immer lachen, wenn ich die Werbung dafür sehe.» Weil die Landwirte die Kirschen deshalb zu früh geerntet hätten, blieb das Fruchtfleisch beim Entkernen am Stein kleben. Zudem gab es Probleme beim Entsteinen, weil die Kerne der zu früh gepflückten Kirschen zu gross waren für die Maschinen.

Lebensschule auf Montagereisen

Nach und nach verschwanden die Maschinen aus der Schweiz – hier wurde nur noch bereits entsteinte Ware verwendet – und wurden ins Ausland geliefert. Als Spezialist für deren Revision bereiste Frey die Welt. «Ich kenne unsere ältesten Maschinentypen noch.» Er war in Ungarn, Polen, Ex-Jugoslawien, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Iran. «Wir haben auch 130 Maschinen für das Entsteinen von Datteln produziert.» Viel vom Land habe er auf seinen Reisen nicht gesehen. «Aber man hat die Leute kennen gelernt und ihre Mentalität. Das war eine gute Lebensschule.» Dabei sei ihm klar geworden, besser als in der Schweiz könne man es nicht treffen. «In Pakistan sah ich Kinder auf der Strasse und dachte an meine beiden Söhne.» Sie sind heute froh, dass ihr Vater weiterhin so aktiv ist.

Ein bisschen freier sei er schon, seit er pensioniert sei, freut sich Frey. Denn neben der Arbeit bleibt doch noch Zeit für seine Hobbys: jeden Freitag Turnen und im Sommer Touren auf seinem Mountainbike.

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