Seengen
Er ist der beste Informatik-Lehrling der Schweiz

Der 18-jährige Chestonag-Lehrling Luzi Bruder hat die Informatik-Schweizer-Meister gewonnen. Nun locken die Weltmeisterschaften in London

Fritz Thut
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«Wenn man es nicht probiert, hat man schon verloren.» Dieser Satz von Luzi Bruder kann gleich mehrfach gedeutet werden: Einerseits unterstreicht er den kompetitiven Grundcharakter des 18-jährigen Informatik-Lehrlings und andererseits beschreibt er eine von Computer-Laien häufig angewendete Methode zur Problemlösung.

Luzi Bruder selbst muss kaum je auf diese Variante zurückgreifen, ist er doch ein ausgewiesener Crack beim Beherrschen der wichtigsten Computerprogramme: Nun eroberte er in der Kategorie Software-Applikationen an den Informatik-SchweizerMeisterschaften die Goldmedaille.

Die WM in London locken

Für diese Auszeichnung musste er an der Berufsmesse in Basel zusammen mit 50 Konkurrenten innerhalb von 8 Stunden vier komplexe, in Englisch formulierte Aufgaben mit den Microsoft-Standardprogrammen lösen: ein Reservationssystem in Excel, ein Datenbanktool mit Access, eine Videopräsentation mit Powerpoint und einen Serienbrief mit Word.

Qualifiziert für die Schweizer Meisterschaften hat sich Bruder über die Regionalmeisterschaft an der Berufsschule in Baden. Als weitere Steigerung lockt die Teilnahme an den Berufsweltmeisterschaften in London im Jahr 2011. Dazu ist das Überspringen einer weiteren Hürde vonnöten: Im Dezember ist im Raum Bern eine weitere nationale Ausscheidung angesetzt. Die Finalrunde findet in einer Cafeteria statt, um die Stressresistenz der Kandidaten zu testen.

Lob für die Lehrfirma

Solche Herausforderungen reizen Luzi Bruder. «Ich liebe den Wettkampf. Es ist gut zu wissen, wie gut man ist.» Mit der Chestonag Automation AG in seinem Wohnort Seengen hat der neue Informatik-SchweizerMeister zudem einen Lehrbetrieb gefunden, der diese Haltung noch unterstützt.

«Wir haben bei uns sehr flache Hierarchien. Die Aufträge werden auf Spezialisten verteilt. So können sich die Lehrlinge selbst fordern», sagt Chestonag-Lehrlingsbetreuer Reto Steinmann. Er ist voll des Lobes über seinen Musterschüler: «Luzi hat immer den Ehrgeiz, etwas besser zu machen.»

Für Luzi Bruder, der auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, war die Berufswahl schnell klar. «Wir haben recht früh einen Computer gehabt und bald Anschluss ans Internet.» Hier hat er sich stets die nötigen Informationen heruntergeladen und sich vertrauter mit der Materie gemacht.

Diese Neugierde hat sich der 18-Jährige erhalten. «Es ist spannend, immer wieder etwas auszuprobieren.» Nicht Unterhaltung wie etwa bei Spielefreaks, sondern die Herausforderung, neue Ansätze zum Bewältigen von teilweise selbst gestellten Aufgaben zu finden, waren seine Triebfeder.

«Ein richtiger Problemlöser»

«Informatiker ist der Beruf für mich», war schon bald die Erkenntnis. Und bei der Chestonag Automation AG ist man froh, um den motivierten Jungmitarbeiter: «Er ist bei uns zu einem richtigen Problemlöser geworden.» So unterstützte man Luzi Bruder im Gegenzug bei der Vorbereitung auf die Schweizer Meisterschaft in Basel.

Doch der Grossteil des Trainings erfolgte in der Freizeit. Die ist allerdings keineswegs auf das Kleben vor dem Computerbildschirm beschränkt. Treffen mit Kollegen und das Mitspielen in der Musikgesellschaft Seengen gibt Bruder als Hobbys an.

Beruflich weiss der talentierte Junginformatiker auch schon, wie es weitergehen soll: Nach Abschluss der Lehre im nächsten Sommer will Luzi Bruder an der Fachhochschule Informatik studieren.